14.08.2014, 10:32 Uhr | 0 |

Strafe in Millionenhöhe China bittet Audi wegen Preisabsprachen zur Kasse

Wegen abgesprochener Mindestpreise droht Audi in China eine Strafe zwischen 30 und 218 Millionen Euro. Der Autohersteller hat die Vorwürfe bereits bestätigt und will mit den Ermittlern zusammenarbeiten – offenbar, um mit einem blauen Auge davonzukommen.

Audi-Filiale in Peking
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Audi-Filiale in Peking: Der Konzern räumt Verstöße gegen das Anti-Monopolgesetz in China ein und will mit den Ermittlern zusammenarbeiten. Audi hat dieses Jahr schon 317.000 Fahrzeuge auf dem chinesischen Markt absetzen können.

Foto: dpa

Mehr als 1000 Niederlassungen ausländischer Autohersteller, Zulieferer und Händler sollen chinesische Behörden durchsucht haben. Der Verdacht: Sie sollen Mindestpreise für Fahrzeuge, Ersatzteile und Reparaturen abgesprochen haben. Das ist nach dem chinesischen Wettbewerbsrecht verboten.

Der erste ausländische Hersteller, den die Konsequenzen treffen werden, ist der Marktführer unter den Premiummarken in China: Audi hat jetzt mitgeteilt, dass man mit den Ermittlern zusammenarbeite und eine Strafe akzeptieren werde. Gemeinsam mit dem chinesischen Partner werde man „Management-Prozesse in der Verkaufs- und Händlerstruktur optimieren, um ähnliche Vorfälle in der Zukunft vermeiden zu können", heißt es in einer Mitteilung.

Strafe könnte 200 Millionen Euro überschreiten

Wie hoch die Strafe ausfallen wird, ist allerdings unklar. Chinesische Staatsmedien berichten, die Summe werde bei 218 Millionen Euro liegen. Andere Medien gehen von nur 30 Millionen aus. Das Strafmaß kann zwischen einem und zehn Prozent des Umsatzes in der betreffenden Region liegen – mit seiner Kooperationsbereitschaft will Audi offenbar erreichen, dass dieser Spielraum zu seinen Gunsten ausgenutzt wird. Die Ermittlungen richten sich gegen ein Joint Venture-Unternehmen von Audi namens FAW, an dem auch Volkswagen beteiligt ist.

Dass auch andere ausländische Marken mit Strafen rechnen, ist offensichtlich. Seit Bekanntwerden der Durchsuchungen haben bereits viele Hersteller mit Preissenkungen im zweistelligen Prozentbereich reagiert. Darunter sind Mercedes, BMW, General Motors, Toyota und Honda. Auch Zulieferer von Bauteilen reduzierten ihre Preise.

Mehr Verkäufe in China als in Deutschland

Die ausländischen Konzerne fürchten um ihr Geschäft im größten Automarkt der Welt. Im Jahr 2013 wurden hier rund 18 Millionen Neuwagen verkauft. Und das Potenzial für die Zukunft ist riesig, schließlich hat statistisch nur etwa jeder zwanzigste Chinese bisher ein Auto – während es in Deutschland jeder zweite Verbraucher ist.

Gerade das Beispiel Audi zeigt, wie wichtig China inzwischen vor allem für die Premiumhersteller ist. Allein im Juli dieses Jahres hat das Unternehmen nach eigenen Angaben mehr als 48.000 Fahrzeuge dort abgesetzt, im Juni waren es sogar mehr als 50.000. Rund 317.000 waren es insgesamt in den ersten sieben Monaten des Jahres. Das sind fast doppelt so viele wie auf dem deutschen Heimatmarkt, wo im selben Zeitraum 162.000 Audi-Modelle einen Käufer fanden.

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Von Werner Grosch
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