31.07.2014, 11:49 Uhr | 0 |

Risiken sind unbeherrschbar Umweltbundesamt: Deutschland sollte nicht mit Fracking starten

Da die Risiken noch zu groß sind, sollte Deutschland vorerst keine Fracking-Technologie zur Erdgasförderung einsetzen. Zu diesem Schluss kommt das Umweltbundesamt, das in Berlin ein umfangreiches Gutachten zur Technologie vorstellt hat. Es kritisiert fehlende gesetzliche Regelungen und nicht vorhandene Entsorgungskonzepte für die gefährlichen Bohrflüssigkeiten. 

Fracking im US-Bundesstaat Pennsylvania
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Fracking im US-Bundesstaat Pennsylvania: Das Verfahren presst Chemikalien unter hohem Druck in tiefe Gesteinsschichten. Dort lösen sich Gasvorräte, die vor einigen Jahren noch unerreichbar schienen. Ungeklärt ist die tatsächliche Gefahr für das Grundwasser. 

Foto: dpa

Deutschlands oberste Umweltschutzbehörde, das Umweltbundesamt (UBA), stellt sich gegen die Gewinnung von Erdgas durch das umstrittene Fracking. Bei dieser Gasförderung wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck in tiefe Gesteinsschichten gepresst. Diese brechen auf und geben das im Gestein gebundene Erdgas frei. „Fracking ist und bleibt eine Risikotechnologie – und braucht daher enge Leitplanken zum Schutz von Umwelt und Gesundheit“, sagte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger bei der Vorstellung eines Gutachtens zur Fracking-Technologie in Berlin. „Solange sich wesentliche Risiken dieser Technologie noch nicht sicher vorhersagen und damit beherrschen lassen, sollte es in Deutschland kein Fracking zur Förderung von Schiefer- und Kohleflözgas geben.“

Der Streit um die Genehmigung der Fracking-Förderstellen in Deutschland tobt schon lange. Bisher hat es aber keine Bundesregierung vermocht, ein Gesetz dazu zu formulieren. Jetzt wollen Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Bundesumweltministerin Barbara Hendricks von der SPD über das Wasserhaushaltsgesetz die Möglichkeiten für Fracking in Deutschland stark eingrenzen und eine Umweltverträglichkeitsprüfung zwingend vorschreiben.

UBA empfiehlt umfangreiche Risikobewertung

Prinzipiell unterstützt das UBA diesen rechtlichen Weg. „Wir haben bisher keine klaren gesetzlichen Vorgaben für die Fracking-Technologie. Diesen äußerst unbefriedigenden Zustand sollte der Gesetzgeber schnell beenden.“ Die UBA-Präsidentin erinnerte in Berlin daran, dass es zurzeit lediglich ein von Politik und Wirtschaft getragenes Moratorium gebe, Fracking in Deutschland derzeit aber nicht verboten sei.

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Mit einer symbolischen Fracking-Bohrung vor dem Bundesratsgebäude demonstrierten Umweltschützer im Juli 2014 in Berlin gegen Fracking. Zu der Aktion hatten das Kampagnennetzwerk Campact, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) gemeinsam aufgerufen. 

Foto: dpa

Das UBA empfiehlt nun, eine umfangreiche Risikobewertung sämtlicher Fracking-Vorhaben, auch für Erprobungsmaßnahmen. Die Umweltschutzbehörde mit Sitz in Dessau hält weiter daran fest, jede Form des Frackings in Wasserschutz- und Heilquellenschutzgebieten, aber auch in anderen sensiblen Gebieten ausnahmslos zu verbieten – etwa in Einzugsgebieten von Seen und Talsperren, Naturschutzgebieten und Gebieten, die unter die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU fallen.

Bislang fehlt Entsorgungskonzept für Bohrflüssigkeiten

Das UBA fordert, dass die beim Fracking anfallenden Bohrflüssigkeiten nach gezielter Aufbereitung wiederverwertet werden. Dieser sogenannte Flowback enthält neben den zum Fracken verwendeten und eingebrachten Chemikalien weitere, zum Teil giftige Substanzen aus dem Untergrund, etwa Schwermetalle, aromatische Kohlenwasserstoffe oder örtlich sogar radioaktive Substanzen. Diese Aufbereitung ist bislang ungelöst. „Ein tragfähiges Entsorgungskonzept hat bislang kein Unternehmen vorlegen können“, sagt Krautzberger.

Zum Schutz des Wassers rät das UBA, ein sogenanntes Baseline-Monitoring durchzuführen. Dabei muss ein Unternehmen bereits vor Beginn des Frackings den Zustand des lokalen Grundwassers analysieren und die Daten den zuständigen Behörden vorlegen. Während der Gasförderung würde dann engmaschig geprüft, ob sich der Zustand des Grundwassers in irgendeiner Form verändert. Messstellen für dieses Monitoring sind laut UBA in Deutschland ohnehin flächendeckend vorhanden.

„Fracking-Technologie ist kein Heilsbringer für den Klimaschutz“

Das UBA beurteilt den US-amerikanischen Fracking-Boom auch aus Klimaschutzgründen kritisch. „Die Fracking-Technologie ist kein Heilsbringer für den Klimaschutz, der uns den Umstieg auf die erneuerbaren Energien erleichtern kann“, meint Krautzberger. „Es wäre besser, unser Land konzentrierte sich stärker auf nachweislich umweltverträgliche Energieformen wie die erneuerbaren Energien. Außerdem sollten wir unsere Gebäude, in denen Fracking-Gas ja zum Heizen zum Einsatz kommen könnte, langfristig energieeffizienter machen und dadurch den Gasverbrauch senken. So brauchen wir gar kein Fracking-Gas.“

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Von Detlef Stoller
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