07.09.2012, 11:53 Uhr | 0 |

Energiepolitik Stromversorgung: "Eine europäische Infrastruktur wäre klug"

Für eine schwankungsfreie Versorgung während der Energiewende müssen in Deutschland dringend Reservekapazitäten aufgebaut werden.

Stromversorgung: "Eine europäische Infrastruktur wäre klug"-13690182
Á

Europäische Initiative erforderlich: Energienetz mit Schwankungen.
Quelle: BMU

Foto: BMU

"Die Versorgungslage bleibt angespannt, wir brauchen Reservekapazitäten für die Netzstabilität", sagte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler beim 7. Deutschen Energiekongress in München. EU-Kommissar Günther Oettinger beobachtet in Deutschland beim Aufbau von Energiereservekapazitäten allerdings "Attentismus". Er räumte ein, dass es sich im derzeitigen System für die Versorger nicht lohne, etwa in neue Gaskraftwerke zu investieren.

Das unterstrich auch Dieter Steinkamp, CEO der Rheinenergie: "Neue Gaskraftwerke werden als Systemkomponenten dringend benötigt – aber im bisherigen Marktmodell sind sie nicht wirtschaftlich." Steinkamp und Oettinger machen dafür vor allem die hohen Einspeisevergütungen sowie den Einspeisevorrang für erneuerbare Energien verantwortlich.

"Die Zeit drängt", mahnte Rösler in München eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) an, um die Energiewende zu schaffen und Strompreiserhöhungen zu begrenzen.

Ingo Luge, Vorsitzender der Geschäftsführung von E.on Deutschland, warnte jedoch vor "Schnellschüssen" und plädierte für ein möglichst marktnahes System.

Torsten Amelung, Geschäftsführer von Statkraft Markets, lenkte den Blick auf die europäische Dimension der Energiewende. "Der Bedarf an Reservekapazitäten ist europaweit geringer als in der Summe der Einzelstaaten", rechnete Amelung vor. Beispielsweise seien norwegische Wasserkraftspeicher flexibel einsetzbar.

Amelung warb dafür, die jeweiligen Standortvorteile der Länder im Hinblick auf erneuerbare Energien besser zu nutzen und sich über "Eurotec statt Desertec" Gedanken zu machen. "Die Planung der Netzgebiete sollte künftig nach elektrizitätswirtschaftlichen und wirtschaftlichen Kriterien erfolgen, anstatt nach Landes- und Unternehmensgrenzen", regte er an.

Auch Konstantin Staschus, Generalsekretär des europäischen Verbands der Übertragungsnetzbetreiber (Entso-E), forderte einen europäischen Netzplan.

"Deutschland kann der Motor für den Energiestandort Europa werden", erklärte Roland Fischer, CEO der Siemens-Division Fossil Power Generation. Er sieht Europa weltweit führend im Bereich der Energietechnik, vor allem durch Innovationen "made in Germany". Doch es brauche "überregionale Ausbaupläne, Technologiezusammenarbeit und eine abgestimmte Fördergesetzgebung", so Fischer. Ohne die hiesige Ingenieurskompetenz sei sowohl in Deutschland als auch in Europa die Energiewende nicht zu stemmen, unterstrich auch EU-Energiekommissar Günther Oettinger.

Der Forschungsschwerpunkt der kommenden Jahre müsse darauf liegen, die Erneuerbaren stetig abrufbar und grundlastfähig zu machen sowie eine flexible Zuführung bei jedem Wetter zu schaffen, mahnte der EU-Energiekommissar. "Es wäre klug, eine europäische Infrastruktur aufzubauen", so Oettinger.

Ewald Woste, Chef des Stadtwerke-bündnisses Thüga, forderte, dass Deutschland "eine führende Rolle in der europäischen Diskussion einnehmen müsse". SIMONE FASSE

Anzeige
Von SIMONE FASSE | Präsentiert von VDI Logo
Zur StartseiteZur Startseite
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden