27.01.2014, 12:22 Uhr | 0 |

Boom großer Solaranlagen Japan will künftig Windkraftanlagen stärker fördern

Nach der Solarenergie entdeckt Japan nun auch die Windkraft, um den Ausfall seiner Atomkraftwerke auszugleichen. Nachdem seit zwei Jahren Solarparks dank staatlicher Förderung boomen, will die Regierung nun auch Windparks stärker fördern. Tokio hofft, dass bis 2030 Windkraftanlagen mit wenigstens 10 Gigawatt Leistung installiert werden.

Solarmodule auf dem Dach des Kyocera-Werkes im japanischen Shiga Yohkaichi
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Solarmodule auf dem Dach des Kyocera-Werkes im japanischen Shiga Yohkaichi: Dank der besonders hohen Solarförderung gibt es einen Boom auch großer Solarkraftwerke in Japan. Jetzt will Japans Regierung auch die Windkraft stärker fördern.

Foto: Kyocera

Seit der Atomkatastrophe von Fukushima boomt im Land die Solarenergie. Zwar gab es schon länger die Förderung privater Solarpanelen, doch seit Juli 2012 werden auch Solarparks gefördert. Dabei gehören die finanziellen Anreize zu den attraktivsten weltweit. Die Betreiber von Solarparks erhalten 37,8 Yen pro Kilowattstunde Solarstrom, das entspricht aktuell 27 Eurocent. Windkraftanlagen werden dagegen nur mit 23,1 Yen pro Kilowattstunde gefördert, die über 20 Jahre garantiert sind. Das sind umgerechnet knapp 17 Eurocent.

Entsprechend stark war der Zubau von Solaranlagen. 2013 wurden Anlagen mit einer Leistung von rund sieben Gigawatt installiert, das waren doppelt so viele wie 2012. Und dieser Boom geht besonders auf die gewerbliche Anlagen und großen Solarkraftwerke zurück. Der Absatz von Solaranlagen im gewerblichen Sektor wuchs gegenüber 2012 auf das Siebenfache. Die installierte Leistung von Solarkraftwerken in der Spitze um das Zehnfache.

Dieser Boom hat seinen Grund nicht nur in den attraktiven Förderbedingungen, sondern auch in den einfachen Genehmigungsverfahren. Solarprojekte haben vergleichsweise kurze Vorlaufzeiten, da sie keinem langwierigen Umweltprüfungsverfahren unterzogen werden müssen. Bis Ende Juli 2013 hatte die Regierung Solarkapazitäten von 23 Gigawatt zugelassen. Das entspricht seit dem Inkrafttreten der neuen Einspeisevergütungen 93 Prozent der gesamten Kapazität erneuerbarer Energien in Japan.

Die Hälfte der Solarmodule kommt aus dem Ausland

Allerdings hat sich die Hoffnung der japanischen Regierung nicht erfüllt, dass vor allem die heimische Modulproduktion von der Solarförderung profitiert. Wie aus den jüngsten Zahlen der Japan Photovoltaic Association hervorgeht, wurden im zweiten Quartal des zurückliegenden Jahres 56 Prozent der Solarzellen importiert. Die japanische Industrie hat längst reagiert. Panasonic hatte schon 2011 seine Pläne für die Umwandlung einer japanischen Plasmabildschirmproduktionsanlage in eine Solarzellenfabrik aufgegeben. Das Werk wurde inzwischen in Malaysia gebaut.

JX Nippon Oil & Energy nahm 2012 Abstand von Plänen, eine Kooperation mit Sanyo für Solarzellen einzugehen. Schließlich kündigte Sharp, der einst größte Solarzellenproduzent der Welt, 2012 an, drei Solarzellenfertigungen in Japan zu schließen.

Einspeisevergütungen für Windstrom sollen steigen 

Nun will die Regierung auch die Windkraft fördern, an Land und auf See. Die Einspeisevergütungen insbesondere für Offshore-Windkraftanlagen sollen kräftig steigen. Dazu wurde jüngst eine Kommission aus sechs Experten gegründet, die den Markt untersuchen und der Regierung in Kürze einen Plan samt Preisempfehlungen vorlegen soll. Die Regierung in Tokio will gleichzeitig die Einspeisevergütungen für Solarenergie „angemessen beschneiden“.

Theoretisch hat Japan Potenzial für 1600 Gigawatt aus Windkraft, so viel wie fast 1500 moderne Atomkraftwerke. Ein Dutzend Windparks sind bereits in Planung, aber bis zur Genehmigung und Realisierung vergehen oft Jahre. Zu den Hauptproblemen gehört, dass die Meeresregionen, die über viel und vor allem auch regelmäßigen Wind verfügen, oft weit entfernt von den Ballungsgebieten und dem bestehenden Stromnetz liegen. Japan will daher in den nächsten Jahren neue Stromtrassen bauen.

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Von Peter Odrich & Axel Mörer-Funk
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