03.11.2014, 14:44 Uhr | 0 |

Synthesebericht des Weltklimarats Erderwärmung lässt sich trotz engen Zeitfensters stoppen

Der Synthesebericht des Weltklimarats (IPCC) macht Mut: Die Erderwärmung lässt sich aufhalten, wenn der Mensch bis 2050 bis zu 70 Prozent weniger CO2-Emissionen verursacht. Und das wäre für die Wirtschaft gar nicht so teuer. 

Symbolfoto Klima/Kind in Eisblock
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Bis 2100 muss die Menschheit die CO2-Emission auf Null senken, ansonsten droht eine Erderwärmung um bis zu vier Grad Celsius. Die Folge: Stürme, Hitzeperioden, Überschwemmungen und Hungersnöte.

Foto: dpa/SCANPIX DENMARK

Laut Weltklimarat besteht noch die Chance, die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu halten – allerdings schließt sich das Zeitfenster ziemlich schnell. Bis 2050 müsse die Menschheit den Ausstoß der Treibhausgase wie Kohlendioxid um bis zu 70 Prozent reduzieren, bis zum Jahr 2100 sogar auf null senken. Das ginge nur, wenn erneuerbare Energiequellen wie Sonne, Wind und Wasser die Klimasünder Öl, Gas und Kohle weiter verdrängen.

Am 2. November hat der Weltklimarat (IPCC) in Kopenhagen den sogenannten Synthese-Report präsentiert ­– eine 40 Seiten lange Zusammenfassung des fünften Weltklimareports, den der IPCC seit September 2013 in drei Teilen veröffentlicht hat. Der Report enthält geballtes Know-how von über 800 Klimaforschern und 30.000 wissenschaftlichen Veröffentlichungen aus aller Welt.

2900 Milliarden Tonnen CO2 seit Beginn der industriellen Revolution ausgestoßen

Die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre ist laut Synthese-Bericht auf dem höchsten Stand seit 800.000 Jahren. Weltweit dürften in den kommenden Jahrzehnten nur noch 1000 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre gelangen, um die Erderwärmung in den nächsten Jahrzehnten unter zwei Grad Celsius zu halten.

Geht es weiter wie bisher, wäre dieses Budget schon vor Mitte des Jahrhunderts erschöpft. Seit Beginn der industriellen Revolution sind 2900 Milliarden Tonnen CO2 durch Schornsteine und Auspuffe in die Luft gelangt. „Wir wissen, dass wir die Emissionen drastisch reduzieren müssen“, mahnte IPCC-Chef Rajendra Pachauri in Kopenhagen. „Die wissenschaftliche Gemeinschaft hat gesprochen, jetzt geben wir den Staffelstab an die politischen Entscheidungsträger weiter.“

Bundesumweltministerin Hendricks: Wir kennen die Werkzeuge

Was sagt die Politik, der der Weltklimarat jetzt erneut die Pistole auf die Brust gesetzt hat? „Wir kennen die Werkzeuge, um die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen“, sagt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). „Bis Mitte des Jahrhunderts muss die globale Energieversorgung weitgehend klimaneutral sein.“ Die Staatengemeinschaft müsse jetzt alles daran setzen, 2015 in Paris ein ambitioniertes Klimaschutzabkommen zu verabschieden.

epa04473198 (L-R) Manuel Pulgar-Vidal, minister of Environment of Peru, UN Secretary-General Ban Ki-moon, Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) Chairman Rajendra Pachauri and Renate Christ, Secretary of the IPCC, present the AR5 Synthesis Report during a news conference in Copenhagen, Denmark, 02 November 2014. The IPCC said in its report that unvoidable consequences of rising temperatures include longer and more frequent heat waves, more extreme precipitation events, an increasingly acidic ocean and rising global sea levels. EPA/NIELS AHLMANN OLESEN DENMARK OUT +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Bei der Präsentation des IPCC-Syntheseberichts in Kopenhagen am 2. November 2014 sagte der Vorsitzende des Weltklimarates Rajendra Pachauri: „Die wissenschaftliche Gemeinschaft hat gesprochen, jetzt geben wir den Staffelstab an die politischen Entscheidungsträger weiter.“ 

Foto: dpa/SCANPIX DENMARK

Das ist im Sinne des UN-Generalsekretärs Ban Ki Moon: „Wenn wir weitermachen wie bisher, werden uns die Möglichkeiten, den Temperaturanstieg zu begrenzen, in den nächsten Jahrzehnten entgleiten.“

Ohne Regulierung droht Erderwärmung um vier Grad

Und was passiert, wenn sich die Menschheit in Verkehr und Industrie weiter wie bisher austobt und das CO2-Budget sprengt? Es droht eine Erderwärmung um bis zu vier Grad Celsius. Die katastrophale Folge: Stürme, Hitzeperioden, Überschwemmungen und Hungersnöte. „Wenn die globale Erwärmung weiterhin im aktuellen Tempo verläuft, werden weitere Millionen Menschen in Entwicklungsländern vom Hunger bedroht sein“, warnt Sven Harmeling von der Hilfsorganisation Care in einem Bericht von heise.de. Die weltweite Oberflächentemperatur hat sich laut Synthesebericht zwischen 1880 und 2012 schon um 0,85 Grad Celsius erhöht, der Meeresspiegel ist zwischen 1901 und 2010 um 19 Zentimeter gestiegen.

Ban Ki Moon: Nichtstun wäre sehr viel teurer

Die Wirtschaft käme der Kampf gegen den Klimawandel gar nicht so teuer zu stehen. Laut Synthese-Report muss die Weltwirtschaft mit 0,04 bis 0,14 Prozent an Einbußen wegen notwendiger Einsparungen und Transformationsprozesse rechnen. Es sei ein unbelegter Mythos, dass der Kampf gegen den Klimawandel teuer sei, ist auch Ban Ki Moon überzeugt. „Nichtstun wäre sehr viel teurer.“ 

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Von Patrick Schroeder
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