Energie- & Umweltpolitik

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10.06.2013, 09:31 Uhr | 0 |

Energiewende Energiewende ist für Kommunen Schlüssel zum Erfolg

Die Energiewende ist zumindest bei den Stadtwerken als Chance angekommen. Die Umsetzung einer nachhaltigen, zukunftsorientierten Energieversorgung vor Ort ist vielfältig, doch wer sich engagiert hat, sieht auch die Erfolge. Auf der Stadtwerke-Tagung 2013 in Berlin fiel die Bilanz für die kommunale Energieversorgung positiv aus.

BürgerEnergieGenossenschaft Wolfhagen
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Die BürgerEnergieGenossenschaft Wolfhagen hat 2012 ein Viertel der Anteil an den Stadtwerken Wolfhagen in Hessen übernommen. Damit bestimmen die Bürger der Gemeinde Wesentlich mit, wie sich die Stadtwerke entwickeln. Sie nutzen die Chancen der Energiewende und haben einen Solarpark in der kleinen Gemeinde errichtet

Foto: Stadtwerke Wolfhagen

"Wir können es besser" hätte die Bilanz der Stadtwerke-Tagung lauten können. Die Beispiele zeigten, dass die Bürger das Engagement ihrer Stadtwerke schätzen und mitziehen. Für die Unternehmen selbst haben sich neue Geschäftsfelder und damit auch neue Einnahmequellen erschlossen.

Die kommunalen Versorger sind in der Energiewende "voll engagiert" und die meisten hätten wohl verstanden, dass sie besser werden müssen, glaubt Timm Fuchs vom Städte- und Gemeindebund. Ob zu einer kommunalen Versorgung immer auch ein kommunales Stromnetz gehört, wird unterschiedlich bewertet. Für die einen ist es ein wichtiges "bindendes Element", für andere die "Plattform der Energiewende", in Neumünster gehören die Netze einer landeseigenen Netzgesellschaft.

Stadtwerke werben mit grünem Strom um Kunden

Doch die kommunale Rund-um-Versorgung liegt im Trend. Laut Angabe der Tagungsveranstalter wurden 60 Stadtwerke in den letzten Jahren neu gegründet und 170 Konzessionen von kommunalen Unternehmen übernommen. Stuttgart wirbt mit grünem Strom für seine Bürger und will mit einem "bürgerfreundlichen, ökologisch glaubwürdigem Auftritt" überzeugen. Michael Maxelon, Technischer Geschäftsführer, sieht Stuttgart bei der Gestaltung der Energiewende vorn. Dabei ist aus seiner Sicht eines der wichtigsten Argumente, "näher dran zu sein" am Verbraucher.

Auch in Solingen zählt Bürgernähe. Hier wurde rekommunalisiert. "Wir wollten die Energiewende mitmachen", erklärt Geschäftsführer Andreas Schwaberg, und "Infrastrukturpolitik machen" – aber nicht länger der "Finanzierungsesel" der Stadt sein. Allerdings betont er auch, dass es der politische Mehrheitswille der Gemeinde war, die Stadtwerke neu aufzustellen. Für Sven Becker vom Stadtwerke-Netzwerk Trianel liegt ein Vorteil der Stadtwerke ganz klar auf der Hand: "Sie schaffen leichter den Spagat zwischen Zentralität und Dezentralität." Allerdings rät Becker zu Kooperationen, um die finanziellen Risiken zu mini-
mieren.

Kleinstädte gründen Bürgergenossenschaften

Geradezu problemfrei klingt der Bericht des Geschäftsführers der Stadtwerke im hessischen Wolfhagen, Martin Rühl. Für die 15 000 Einwohner des Ortes haben sie eine Bürgergenossenschaft gegründet. Um möglichst viele zu beteiligen, liegt der Anteilspreis bei 500 €. Der kann außerdem in Raten einbezahlt werden. Mehr als 20 Anteile erhält niemand. Die Dividende wurde auf 6 % begrenzt. Aktuell ist fast jeder zehnte Haushalt Mitglied der Genossenschaft.

Während es in der hessischen Kleinstadt 2008 massiven Widerstand gegen einen neuen Windpark gab, laufen heute Planungen mit genossenschaftlicher Unterstützung. Insgesamt halten die Genossen zwar nur 25 % an den Stadtwerken, doch verkauft werden dürfte das Unternehmen nur mit ihrer Zustimmung.

"Wir haben die Hoheit über den Stammtisch"

Rühl, der sich noch gut an die Anti-Windkraft-Proteste erinnert, sagt heute: "Wir haben die Hoheit über den Stammtisch." Die Genossenschaft sei so was wie "ein Fanclub" der Stadtwerke. Da jeder Genosse auch verpflichtet ist, Kunde zu werden oder zu bleiben, ist die Bindung noch ein wenig enger.

In Trier läuft das Geschäft mit einem Kooperationspartner. Zuständig für ein Gebiet mit über 500 000 Einwohnern, waren die Stadtwerke auf der Suche nach Wachstumsfeldern. "Wir wollten aber nicht jedes Rad neu erfinden", begründet Vorstandschef Olaf Hornfeck den Zusammenschluss mit einem Partner. Der Projektentwickler Juwi aus dem rheinhessischen Wörrstadt sitzt mit im Boot und liefert fehlendes Know-how.

Am Bodensee wurde aus zwei Stadtwerken eins. Überlingen und Friedrichshafen waren überzeugt, dass sie gemeinsam mehr erreichen können. In nur acht Monaten fusionierten hier Schwaben und Badener. Das gemeinsame Projekt heißt nun "Stadtwerke am See" und beide Oberbürgermeister wechseln sich im Aufsichtsrat ab. Geschäftsführer Alfred Müllner hält es für "einen großen wirtschaftlichen Erfolg", der sich aber nur dank "exzellenter Berater" und eines guten Miteinanders der Führungsebenen so reibungslos einstellte.

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Von Birgit Böhret | Präsentiert von VDI Logo
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