13.11.2013, 14:09 Uhr | 0 |

Ölverschmutzung im REGENWALD Chevron soll Rekordstrafe von 9,5 Mrd. Dollar für Umweltschäden bezahlen

Zu 9,5 Milliarden Dollar Strafe hat das höchste Gericht in Ecuador den Ölkonzern Chevron verurteilt. Das Unternehmen Texaco, 2001 von Chevron übernommen, soll für gewaltige Umweltschäden im Regenwald und schwere gesundheitliche Folgen für die Bevölkerung verantwortlich sein.

Demonstration gegen Ölverschmutzungen
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Demonstration gegen Ölverschmutzungen im Amazonas in Ecuador: Schon vor 30 Jahren förderte Texaco im Amazonas Öl. Bis heute sind große Flächen durch Öl verseucht.

Foto: Amazon Watch

Das höchste ecuadorianische Gericht hat die Strafe für Chevron gegenüber früheren Instanzen halbiert – dennoch sind die umgerechnet sieben Milliarden Euro ein Rekord bei Umweltschäden und liegen rund doppelt so hoch wie die Summe, die Exxon Mobil nach der Ölpest in Alaska im Jahr 1989 zahlen musste. Der US-Ölkonzern hält die Vorwürfe für unberechtigt und zweifelt an der Unabhängigkeit der Justiz in dem mittelamerikanischen Land.

Das Unternehmen Texaco, das heute zu Chevron gehört, hat in Ecuador drei Jahrzehnte lang bis in die 1990er Jahre Öl gefördert. Umweltschützer rechnen vor, dass in dieser Zeit rund 50 Milliarden Liter vergifteter Abwässer in den Regenwaldboden gesickert seien. Texaco habe diesen gewaltigen Umweltschaden einfach in Kauf genommen. Die Folgen seien eine Häufung von Krebserkrankungen, Fehlgeburten und Missbildungen bei Neugeborenen.

Chevron hält Verurteilung für ungerecht

Etwa 30 000 Bewohner der Provinz Sucumbios im Nordosten Ecuadors hatten sich zu einer Opfervereinigung zusammengeschlossen und 1993 gegen die Verschmutzung von Böden und Flüssen geklagt. Der juristische Streit zog sich über viele Jahre hin, schon weil umstritten war, ob ein Gericht in Ecuador oder in den USA zuständig sei. Das erste Urteil gab es 2011, eine weitere Instanz bestätigte im Jahr darauf das Strafmaß von 19 Milliarden Dollar.

Chevron hatte schon diese ersten Urteile als illegal bezeichnet. Den Anwälten der Kläger warf das Unternehmen Betrug, Manipulation von Daten und Bestechung von Richtern vor. Texaco habe seine Aktivitäten in Ecuador 1992 eingestellt und damals alle Umweltschäden, die im Zusammenhang mit der Ölförderung entstanden, beseitigt. „Korrupte Richter arbeiten mit den ,Anwälten‘ zusammen an einem gravierenden Fall von Ungerechtigkeit”, sagte Chevron-Vizepräsident Hewitt Pate im vergangenen Jahr.

Vorwürfe auch gegen Shell aus dem Niger

Ob sich Chevron weiter gegen die Strafzahlung wehren kann, ist aber fraglich. Umweltschäden durch Ölförderung in sensiblen Regionen sind kein Einzelfall, und die Unternehmen bestreiten regelmäßig ihre Verantwortung. Erst vor wenigen Tagen hat Amnesty International dem Ölkonzern Shell vorgeworfen, das wahre Ausmaß von Lecks an Ölleitungen im Nigerdelta in Nigeria zu verschleiern, um Schadenersatzzahlungen zu entgehen.

Die Zahl der Öllecks sei „atemberaubend“, erklärte die Menschenrechtsorganisation, die in einer verrottenden Infrastruktur die Hauptursache für die Verschmutzung durch auslaufendes Öl sieht. Shell selbst macht Öldiebstahl dafür verantwortlich: Menschen zapften an vielen Stellen die Leitungen an.

Gleichwohl sind auch Behörden in den Heimatländern der Ölkonzerne den Umweltschäden, die sie anrichten, auf der Spur: Erst im September verhängte die US-Umweltbehörde eine Strafe von einer Milliarde Dollar gegen Shell, weil das Unternehmen bei Ölbohrungen in Alaska gegen das Luftreinhaltegesetz verstoßen hatte.

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Von Werner Grosch
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