20.10.2014, 11:25 Uhr | 0 |

KAUM NOCH WIRKUNG Chefin des Umweltbundesamtes hält Umweltzonen für nutzlos

Die Präsidentin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger, hält Umweltzonen in Städten für praktisch wirkungslos. Fast alle Fahrzeuge erfüllten heute die dafür geltenden Abgasnormen. Krautzberger favorisiert andere Maßnahmen gegen Feinstaub und weitere Luftschadstoffe.

Umweltzone in Frankfurt
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Umweltzone in Frankfurt: Die Präsidentin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger, hält Umweltzonen in Städten für praktisch wirkungslos. 

Foto: dpa/Arne Dedert

Das Umweltbundesamt hat sich schon immer als politisch unabhängige, meinungsfreudige Behörde gezeigt. Das ändert sich offenbar auch unter der erst seit Mai amtierenden Präsidentin Maria Krautzberger nicht: Mit ihrer Aussage, dass die Umweltzonen in Städten „keine wirkliche Wirkung mehr entfalten“, hat sie eine heftige Debatte ausgelöst und Umweltschützer auf den Plan gerufen.

In einem Interview im Deutschlandfunk sagte Krautzberger: „Die Umweltzonen waren ein wichtiges Instrument, um Feinstaub zu verringern in großen Städten. Sie haben dazu geführt, dass wir bundesweit unsere Kraftfahrzeugflotten erneuert haben. Sie sind jetzt in einer Situation, wo sie keine wirkliche Wirkung mehr entfalten, aufgrund der Flottenerneuerung, die wir inzwischen vollzogen haben.“

Strengere Abgasnorm kommt erst 2015

Heißt das, die Fahrverbotszonen für „Stinker“ sind überflüssig? Heißt das, man kann all die Schilder abschrauben und die grünen, gelben und roten Plaketten von den Windschutzscheiben abknibbeln? Gar so weit geht die UBA-Präsidentin – entgegen mancher Darstellung in Medien – nicht. Die Umweltzonen könnten durchaus „wieder bedeutsam werden, wenn wir den Eurostandard 6 umsetzen“, sagte sie. 

Ab dem 1. September 2015 dürfen Autos, die nicht den neuen Standard Euro 6 einhalten, nicht mehr neu zugelassen werden. Bei der Typprüfung neuer Modelle gilt der strengere Standard allerdings schon jetzt seit dem 1. September 2014. Bis diese Fahrzeuge einen so hohen Marktanteil haben, dass man den Standard zum Maßstab für die grüne Plakette machen kann, wird es also noch Jahre dauern. So lange, meint Krautzberger, werden die Umweltzonen kaum etwas nützen.

WHO setzt viel niedrigere Grenzwerte an

Wie viel die Umweltzonen bislang bewirkt haben, ist ohnehin schon lange umstritten. Tatsache ist indes, dass die Feinstaubbelastung immer noch ein großes Problem für Umwelt und Gesundheit darstellt. Die in Deutschland geltenden Grenzwerte wurden zwar im vergangenen Jahr nur an drei Prozent der Messstationen im Jahresmittel überschritten.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD/r.) und die Präsidentin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger, stehen am 14.08.2014 gemeinsam auf dem begrünten Dach des Umweltbundesamtes in Dessau-Roßlau (Sachsen-Anhalt). Hendricks informiert sich im Rahmen ihrer Sommerreise im Umweltbundesamt über energieeffizientes Bauen. Foto: Hendrik Schmidt/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD/r.) und die Präsidentin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger, auf dem begrünten Dach des Umweltbundesamtes in Dessau: Die Umweltzonen haben dafür gesorgt, dass wir unsere Fahrzeugflotten erneuert haben.

Foto: dpa/Hendrik Schmidt

Legt man aber die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen, deutlich strengeren Werte an, dann gab es eine Überschreitung an 51 Prozent der Messstellen. Das sind offizielle Zahlen des Umweltbundesamtes, das sich seit Jahren für die Übernahme der WHO-Empfehlungen ausspricht. Es gebe jedes Jahr in Deutschland 47.000 vorzeitige Todesfälle durch Feinstaub, hat das UBA errechnet.

UBA-Chefin fordert neue Verkehrspolitik

Die neue Behördenchefin will deshalb auch keine bloße Debatte über die Umweltzonen. Sie fordert vielmehr: „Wir brauchen eine Verkehrspolitik in den Städten, die auf Verlagerung der Verkehre vom Kraftfahrzeug hin auf umweltverträgliche Verkehrsträger orientiert ist. Also auf den ÖPNV, auf das Fahrrad, auf den Fußverkehr, einschließlich des Carsharing. Und das sind die richtigen Wege, die auch zu einer Vermeidung von Kraftfahrzeugverkehr in den Städten führen. Und das ist das Ziel, das auch zu einer besseren Luftqualität beiträgt.“

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Von Werner Grosch
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