09.12.2014, 14:15 Uhr | 0 |

Bis 2020 Bürgermeisterin Hidalgo will Dieselfahrzeuge aus Pariser Innenstadt verbannen

Ein gewagter Plan der Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo: ein autofreies Paris. Im ersten Schritt sollen Dieselfahrzeuge aus der Innenstadt verbannt und in Radwege investiert werden. Hidalgo will so den Traum von frischer Luft in der französischen Hauptstadt verwirklichen. Immer wieder werden die Grenzwerte für Feinstaub in Paris überschritten. 

Champs Élysées: weihnachtlich beleuchtet und mit Autos verstopft
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Die Champs Élysées erstrahlt in weihnachtlichem Lichterglanz. Und in Scheinwerferlicht. Geht es nach Bürgermeister Anne Hildago dürfen Dieselfahrzeuge künftig nicht mehr in der Pariser Innenstadt fahren. Dabei haben die Selbstzünder in Frankreich Tradition, werden sogar steuerlich gefördert. Entsprechend gering ist der Anteil der Benziner auf Frankreichs Straßen.

Foto: Ian Langsdon/dpa

"Ich will ein Aus für die Diesel bis 2020", erklärte die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo gegenüber dem "Journal du Dimanche". Sie nimmt den Kampf gegen die Luftverschmutzung und die chronischen Staus im Pariser Großraum auf und folgt damit ihrem Vorgänger Bertrand Delanoe mit der Umsetzung der Öko-Strategie für ein grüneres Paris. Feinstaub-Messungen zeigen immer wieder einen erhöhten Ausstoß krebserregender Rußpartikel.

Keine Dieselfahrzeuge auf den großen Boulevards

Ziel der Bürgermeisterin ist ein Fahrverbot für  Dieselfahrzeuge bis 2020 in Paris. Zunächst sollen die großen Boulevards wie die Champs-Élysées testweise für dieselbetriebene Fahrzeuge geschlossen werden. Im Anschluss plant Hidalgo dieses Verbot auch über die Ringautobahn Périphérique auszudehnen, die Paris umschließt.

Das erste bis vierte Arrondissement in Paris als eine riesige Fußgängerzone – das ist der Wunsch Hidalgos. Nur noch Busse, Taxis und Autos der Anwohner sowie Lieferanten dürfen dann noch in der Innenstadt fahren. Diese Regelung soll zu Beginn erst nur an den Wochenenden gelten und könnte später möglicherweise auch auf andere Bezirke ausgedehnt werden. Denn am liebsten wäre Hidalgo ein autofreies Paris. 

Davon wären aber auch zahlreiche Touristen betroffen, die die französische Hauptstadt mit ihrem Dieselfahrzeug besuchen.

Computerchips sollen bei der Umsetzung helfen

Zur Umsetzung des Dieselverbotes will Hidalgo Computerchips im Auto integrieren, die den genauen Schadstoff-Ausstoß feststellen und übermitteln können. Ein Vignetten-System und Kameras in den geplanten Bezirken sollen die Kontrollen unterstützen.

Mehr Fahrradwege für Paris

Die Zukunft soll den Pariser Radfahrern und Fußgängern gehören. Nach Angaben der sozialistischen Politikerin bevorzugen die Pariser inzwischen ohnehin zwei statt vier Räder: Schon 60 Prozent der Pariser besitzen kein eigenes Auto. Im Jahr 2011 waren es nur 40 Prozent.

Bis 2020 plant Hidalgo eine Verdoppelung der Radwege. Das vor sieben Jahren gestartete öffentliche Fahrradverleihsystem Vélib’ erfreut sich großer Beliebtheit. Zur Verfügung stehen mehr als 20.000 Fahrräder an über 1.200 Stationen in Paris und einigen Gemeinden im Umland. Nun soll parallel ein Verleih von Elektro-Fahrrädern aufgebaut werden. Zusätzlich sollen auch die Fußgängerzonen für ein grünes Paris ausgebaut werden. Insgesamt will die Bürgermeisterin dafür 100 Millionen Euro in die Hand nehmen.

Aufschrei der Pendler und Autolobby

Die Opposition ist skeptisch gegenüber Hidalgos Plänen. Pendler müssen sich schon jetzt über überfüllte Vorstadt-Züge während der Hauptverkehrszeiten ärgern. Auch die Autolobby steigt auf die Barrikaden und beklagt, Dieselfahrer würden zu Unrecht stigmatisiert. Der französische Automobil-Verband erklärte Hidalgos Plan als „irrational und ideologisch“. Hidalgo ist erst seit April diesen Jahres im Amt.

Selbstzünder haben in Frankreich Tradition

Während in Deutschland etwa 47,4 Prozent der Autofahrer einen Selbstzünder fahren, sind es in Frankreich ungefähr 67 Prozent. 82 Prozent des Treibstoffverbrauchs in Frankreich ist Diesel. Der Kraftstoff wird seit Jahrzehnten steuerlich gefördert.

Doch dieselbetriebene Fahrzeuge belasten die Umwelt mit den von ihnen ausgestoßenen, krebserregenden Feinstaubpartikeln. Die Stickstoff-Oxide reizen die Schleimhäute,  verursachen Husten und schaden der Lunge. Besonders schlimm ist die Belastung für Asthmatiker.

Diskussion im Stadtrat von Paris

Der Stadtrat von Paris wird am 15. Februar 2015 über das Konzept der Pariser Bürgermeisterin diskutieren. Es enthält zudem Pläne für die Verdoppelung der Parkgebühren und eine Ausdehnung der Tempo-30 Zone auf ganz Paris. 

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Von Petra Funk
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