17.04.2017, 11:30 Uhr | 0 |

Hermes Award 2017 Fünf Neuheiten für Technologie-Wettbewerb nominiert

Schon vor der Eröffnung der Hannover Messe 2017 sorgen diese Produkte für Aufsehen: Datenbrillen, mobile Sitzgelegenheiten und ein intelligenter Greifer – allesamt nominiert für den diesjährigen Hermes-Award. Doch nur eines kann ihn gewinnen…

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Der Gewinner des Hermes Award 2017 wird bei der offiziellen Eröffnung am Sonntag bekanntgegeben.

Foto: Deutsche Messe AG

Wie der Mensch in der Smart Factory in den Mittelpunkt gerückt werden kann, war eines der Trendthemen der diesjährigen Einreichungen. Die Lösungen? „Vereinfachte Bedienkonzepte, verbesserter Arbeitskomfort und sichere Mensch-Roboter-Kollaboration", erzählt Wolfgang Wahlster, Juryvorsitzender und Geschäftsführer des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI). Bevor die Hannover Messe am 23. April 2017 von Bundeskanzlerin Merkel offiziell eröffnet wird, hat er sich gemeinsam mit sieben Experten aus Forschung, Politik und Medien über allerlei Produktideen und Verfahrenslösungen gebeugt und fünf Neuheiten für den diesjährigen Hermes-Award nominiert.

Nominiert: Maschinensteuerung mittels Datenbrillen

Das finnische Unternehmen Augumenta hat sich auf tragbare Geräte für Industrie 4.0 spezialisiert und für den Hermes Award ein Smart Panel eingereicht, das ohne physisches Bedienfeld auskommt. Die Informationen werden ausschließlich autorisierten Nutzern eingeblendet, die spezielle Datenbrillen, sogenannte Smartglasses, tragen. So können dem Anwender 3D-Benutzeroberflächen und Steuerelemente, aber auch Datenfelder und Grafen auf einem virtuellen Bildschirm angezeigt werden, der im Vergleich zu herkömmlichen Touchscreens weder angefasst noch eigens eingekauft werden muss. Die Smart-Panel-Displays kommen mit einer eindeutigen ID daher und zeigen jedem Nutzer eine individuelle Bedienoberfläche an, bestehend nur aus den Daten, die für ihn relevant sind. Die Oberflächen können über eine Cloud-basierte Lösung jederzeit angepasst werden. Das Produkt befindet sich derzeit in der Testphase.

Auf der HMI 2017 ist Augumenta auf dem Gemeinschaftsstand Finnland in Halle 16, Stand D10 zu finden.

Nominiert: Intelligenter Greifer für die Mensch-Roboter-Kollaboration

Je mehr Roboter in Produktionshallen eingesetzt werden, desto größer wird der Ruf nach einer sicheren Zusammenarbeit von Mensch und Maschine. Den Greifer, den das Familienunternehmen Schunk aus Lauffen am Neckar vorstellen wird, zeichnet eine eigene sensorische Aura aus. Damit überwacht er seine Umgebung, verarbeitet die anfallenden Signale (etwa ein näherkommender menschlicher Arm) in Echtzeit und verhindert selbstständig Kollisionen an der Werkbank. Abgesehen von seiner Kommunikationsfähigkeit ist der Greifer mit Kraftmessbacken und taktilen Sensoren ausgestattet und erfasst die zu greifenden Teile zusätzlich mit zwei Kamerasystemen als dreidimensionale Objekte. Er soll damit mehr Flexibilität und Sicherheit etwa in den Montageprozess bringen. Das Produkt ist marktfähig.

Schunk präsentiert sich auf der HMI 2017 mit einem eigenen Stand in Halle 17, Stand B26.

Nominiert: Mobile Sitzgelegenheit in der Produktion

Da Produktionshallen mit Sitzgelegenheiten in der Regel eher mau bestückt sind, hat das Schweizer Unternehmen Noonee eine mobile Variante eines Stuhls entwickelt, den die Mitarbeiter stetig bei sich tragen können. Der Chairless Chair wird mit einem Eigengewicht von rund 4 kg am Körper befestigt und kann durch Knopfdruck eine Sitzposition einnehmen. Das Produkt wird individuell auf die Figur des Nutzers und seine gewünschte Sitzposition eingestellt und soll die Bewegungsabläufe des Mitarbeiters unterstützen.

Noonee ist auf dem Schweizer Gemeinschaftsstand in Halle 2, Stand C39 vertreten.

Nominiert: Die gefühlvolle Blechbiegemaschine

Blech ist nicht gleich Blech. Jedes Werkstück kann sich in seinen Materialeigenschaften von dem vorhergehenden unterscheiden und Blech-Biegeautomaten etwa vor große Herausforderungen stellen. Das Linz Center of Mechatronics aus Österreich wird auf der Hannover Messe einen Blech-Biegeautomaten des italienischen Herstellers Salvagnini präsentieren, der verschiedene Charakteristiken erkennt und darauf reagiert. Dafür haben die Forscher sämtliche Gesetzmäßigkeiten und mechanische Eigenschaften von Blechen in eine Software übertragen, die den Automaten in Millisekunden Antworten zur Art der Behandlung liefert. So soll Ausschuss vermieden und Losgröße 1 wettbewerbsfähig produziert werden.

Das Linz Center of Mechatronics stellt seine Neuheiten zur HMI 2017 in Halle 2, Stand A44 aus.

Nominiert: Materialschonende Kabelverlegung

Die AGS-Verfahrenstechnik GmbH aus Stade hat eine Technik des Kabelverlegens zum Hermes Awards eingereicht, bei der das Kabel zugbelastungsfrei in ein wassergefülltes Leerrohrsystem eingeführt wird. Der Clou: Das Kabel wird dazu in einem Transportrohr über Rollen in ein bewässertes Leerrohrsystem eingelassen und kann jederzeit gekühlt und ohne größere Baumaßnahmen ausgetauscht werden. Das Verfahren ist geeignet für Schmaltrassen mit einer Länge von bis zu 2km und spart neben Kabelverbindungsmuffen vor allem Zeit für aufwendige Erdarbeiten.

Die AGS-Verfahrenstechnik GmbH ist Partner beim Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr in Halle 27, Stand E50.

Hintergrund: Was ist eigentlich der Hermes Award?

Der Hermes Award ist ein Industriepreis. Er wird seit 2004 für technologische Innovationen und Produkte ausgelobt, die erstmals auf der Hannover Messe der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Die Schirmherrschaft liegt beim Bundesforschungsministerium und dem Land Niedersachsen. Der Hermes Award ist mit insgesamt 100.000 EUR dotiert und wird dieses Jahr am 23. April von Bundesforschungsministerin Johanna Wanka übergeben.

Der Vorjahressieger Harting bezeichnete den Hermes Award als „den Oscar für Technologien und Innovationen in Industrieunternehmen“. Harting erhielt den Hermes Award 2016 für dessen Mica, einen smarten Minicomputer, der z.B. in einem Konzeptfahrzeug die Antriebsdaten erfassen und die Emissionsdaten auf ihre Validität überprüfen konnte.

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Von Lisa Schneider
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