19.01.2016, 14:10 Uhr | 0 |

Stress überstanden Zinnie blüht: Astronaut Kelly erweist sich als Blumenflüsterer

Die erste Blume im Weltall. Sie blüht. Auf der Internationalen Raumstation ISS. Das verdankt die orangene Zinnie dem grünen Daumen von Astronaut Scott Kelly. Der hatte sich über Pflegeanleitungen von Experten hinweg gesetzt und sie nach Gefühl gegossen. 

Orangene Zinnie blüht im All
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Orangene Zinnie: Die erste Blume blüht im Weltall. Weil sie von US-Astronaut Scott Kelly intuitiv richtig gepflegt wurde. 

Foto: Scott Kelly/Twitter

„Unsere Pflanzen sehen nicht gut aus. Auf dem Mars gäbe das Probleme. Ich werde meinen inneren Mark Watney machen lassen“, twitterte US-Astronaut Scott Kelly im letzten Dezember von der ISS.

Dort hatte er die Pflege der Blumen übernommen, die im November im Rahmen des Veggie-Programms der US-Raumfahrtbehörde Nasa in einer speziellen Weltraum-Gewächskammer gepflanzt wurden. Ihre Aufzucht sollte den Wissenschaftlern insbesondere helfen zu verstehen, wie Pflanzen in der Schwerelosigkeit wachsen und blühen.

Anzeichen von Stress

Doch schon kurz nach ihrer Keimung begannen die Pflänzchen zu kränkeln. Sie zeigten deutliche Anzeichen von Stress: Während der Wachstumsphase begannen sich die Blätter zu neigen und aufzurollen, außerdem bildeten sich an den Kanten der Blätter Wassertröpfchen. Herausgepresst von der Pflanze. Wegen hoher Feuchtigkeit in ihrem Innern. Guttation nennt man diesen Vorgang, der den Nährstofftransport in den Kapillaren bei Wassersättigung gewährleistet und der Pflanze dabei hilft Haltung zu wahren. Denn bei optimal mit Wasser gefüllten Zellen bleibt auch eine Pflanze, die kein Holzgerüst hat gut in Form. Bei den Zinnien werteten die Astronauten die Guttation jedoch als Stressanzeichen und dafür, dass die Wurzeln überflutet waren.

Die Zinnien im Weltraum-Gewächshaus begannen schließlich sogar zu schimmeln und die Blätter starben ab. Nasa-Astronaut Kelly – der schon mehr Tage im All verbracht hat, als jeder andere Astronaut – arbeitete zusammen mit den Gartenexperten am Boden an Rettungsplänen: Man drosselte die Wasserzufuhr, drehte an der Lüftung im Weltall-Gewächshaus. Doch es half nichts. Erst als Kelly, der übrigens einen Zwillingsbruder hat, alle Anleitungen und ausgeklügelten Rettungspläne über Bord warf und nur noch nach seinem eigenen Gefühl goss, erholten sich die Blumen. Letztlich überlebte nur eine, doch die blüht nun umso schöner. Das Experiment erlaubt nun Rückschlüsse unter anderem auf den Anbau von Tomaten im Weltall.

Wachstum in der Schwerelosigkeit

Die Veggie genannte Weltraum- Gewächskammer wurde im Mai 2014 auf der ISS installiert. Sie soll Erkenntnisse zur Produktion von frischen Nahrungsmitteln im Weltraum zum Beispiel bei Langzeit-Missionen liefern. Auf der Erde nutzen Pflanzen die Schwerkraft offenbar, um in die richtigen Richtungen zu wachsen – die Wurzeln in die Erde und die grünen Pflanzenteile ins Licht. Wie das Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) informiert, haben Pflanzen in den Wurzeln und im Spross spezialisierte Zellen, in denen schwere, weil stärkereiche Zellpartikel immer in Richtung der Schwerkraft fallen. Die Zelle erkennt die Lage dieser Partikel und korrigiert die Ausrichtung von Wurzel und Spross entsprechend.

Da Pflanzen atmen, muss man auch für die optimale Luftzirkulation in der Gewächskammer sorgen, damit sie nicht an ihren eigenen Emissionen ersticken. Ein weiteres Problem in Schwerelosigkeit besteht darin, dass sich das Wasser im Nährboden so verteilen kann, dass es die Wurzeln luftdicht umschließt. Im Veggie-Bewässerungssystem wird das Wasser daher über Dochte transportiert, damit die Wurzeln sicher genügend Sauerstoff abbekommen.

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Von Susanne Neumann
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