08.09.2014, 14:12 Uhr | 0 |

Bildarchiv für 285 Sprachen Wikimedia feiert 10. Geburtstag mit 22,6 Millionen freien Bildern

Zu Beginn ging es nur darum, Medieninhalte für die Internet-Enzyklopädie Wikipedia auf einer zentralen Plattform zu bündeln. Aus dieser Idee aus dem September 2004 ist heute ein gigantisches Archiv mit über 22 Millionen frei lizensierten Bildern und Videos geworden. Herzlichen Glückwunsch zum Zehnjährigen!

Nachtpanorama der Maly Krashokholmsky Brücke in Moskau
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Das Nachtpanorama der Maly Krashokholmsky Brücke über den Vodootvodny Canal in Moskau war am vergangenen Samstag das Foto des Tages auf der Wikimedia Commons Seite. Fotografiert wurde diese HDR-Aufnahme am 9. Dezember 2013.

Foto: Wikimedia Commons

Wie doch die Zeit vergeht: Das Multimedia-Archiv des rasant wachsenden Internet-Lexikons Wikipedia feiert seinen zehnten Geburtstag. Die Wikimedia Commons ist am 7. September 2004 auf Anregung des heutigen Vize-Chefs der Wikimedia Foundation, Erik Möller, freigeschaltet worden. Die eigentliche Idee war es, die Multimedia-Dateien für die verschiedenen Sprachausgaben des damals auch erst drei Jahre existierenden Lexikons Wikipedia auf einer zentralen Plattform zu lagern.

Das schien geboten, denn die Anzahl der Sprachen, in der Wikipedia aufgerufen werden kann, ist rasant gewachsen: Heute gibt es das Lexikon in 285 verschiedenen Sprachen. Allein die deutsche Fassung bietet über 1,7 Millionen Einträge, viele mit unterstützenden Mediendateien, wie Bilder oder Audiodateien.

Die Wikimedia-Foundation mit Sitz in San Francisco in den USA, die unter anderem Wikipedia und Wikimedia Commons betreibt, hat insgesamt rund 900 Server in Betrieb, um den gigantischen Datenstrom aus Text und Bild zu kanalisieren und zu verwalten.

22,6 Millionen Media-Dateien liegen bei Wikimedia Commons

Das Ziel der Wikimedia Commons: Lizenzprobleme zentral gleich für alle Sprachversionen abklären zu können und vor allem einen zentralen Ort für den Dateizugriff auf die Bilder zu haben. Das erklärt auch gleich den Begriff der Commons: Einen für alle zugänglichen Ort, in Gemeinden etwa mit dem zentralen Dorfplatz vergleichbar.

Zwar ist Wikimedia Commons auch Lagerstätte für Videos und Musik, aber klar ist auch: Fotos dominieren den Datenbestand. Mehr als vier Millionen registrierte Freiwillige haben zum dem riesigen Multimedia-Archiv beigetragen. Heute liegen auf den Servern der Wikimedia Commons über 22,6 Millionen frei lizenzierte und damit frei verwendbare Dateien.

Wikimedia wird zum Sammelbecken für freie Inhalte

Wikimedia Commons ist somit nicht mehr nur eine Ergänzung zum Internet-Lexikon Wikipedia. Schon lange landen auf der Plattform nicht mehr nur die Abbildungen, die für die enzyklopädischen Einträge auf Wikipedia gebraucht werden.

Wikimedia Commons ist zum Sammelbecken für freie Inhalte aller Art geworden: Von alten Meistern über technische Zeichnungen bis hin zu Bildern der jeweils aktuellen Teilnehmer des Gesangswettbewerbs der besonderen Art, dem Eurovision Song Contest.

Fotowettbewerb Wiki Loves Monuments läuft noch bis Ende September

Die Macher dieser gigantischen Bildersammlung sind ständig auf der Suche nach neuen freien Motiven. So hat der Fotowettbewerb Wiki Loves Monuments im Jahre 2011 dank mehr als 168.000 Fotos den Einzug in das Guinness Buch der Rekorde geschafft.

Auch in diesem Jahr läuft dieser Fotowettbewerb, der inzwischen in 40 Ländern stattfindet. Noch bis Ende September kann jeder Interessierte sein bisher noch nicht abgelichtetes Lieblingsdenkmal fotografieren und bei Wikimedia Commons hochladen. Besonders am Tag des Offenen Denkmals am 14. September sind in Deutschland Freiwillige aufgerufen, ihr Denkmal in die Reihe der öffentlich zugänglichen Fotos einzureihen.

Wikimedia streitet auch für die Rechte am freien Bild

Die Wikimedia Commons ist eine streitbare Community, die es sich zum Ziel gesetzt hat, möglichst viele Originalwerke alter Meister in digitaler Form der interessierten Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen.

So eskalierte vor fünf Jahren ein Streit zwischen der in London ansässigen National Portrait Gallery (NPG) und der Wikimedia Foundation. Ein Wikipedia-Nutzer hatte 3300 hochauflösende Bilder von der Webseite der Galerie heruntergeladen und beim freien Archiv Wikimedia Commons wieder hochgeladen.

Die Galerie verwies in dem Streit auf die hohen Kosten der Digitalisierung. 1,16 Millionen Pfund hatte NPG in die Digitalisierung der Bilder gesteckt, Einnahmen aus der Lizenzierung der Bilder seien daher notwendig. So kostet die Verwendung eines Portraits auf der Homepage einer Zeitung 100 Pfund, die Verwendung auf einer Firmenwebseite bis zu 400 Pfund.

„Das Reproduzieren von Originalwerken für kommerzielle Zwecke erfordert Geschick und Expertise und verursacht einen erheblichen finanziellen Aufwand“, meint auch der Geschäftsführer der British Association of Pictures Libraries and Agencies, Simon Cliffle. Schütze man diese Investitionen nicht, würde niemand mehr die eigenen Bestände digitalisieren. „Am Ende wäre jeder ärmer.“

Bundesarchiv stellte Wikimedia 170.000 Bilder zur Verfügung

Wikimedia-Vize Erik Möller hält entschieden entgegen und verweist auf die positiven Erfahrungen zum Beispiel mit dem Bundesarchiv, das über 170.000 digitalisierte Bilder aus der deutschen Geschichte unter freier Lizenz zur Verfügung gestellt hat. „Hier gewinnt jeder: Die Museen und Galerien erreichen so eine größere Öffentlichkeit, und Menschen auf der Welt haben die Möglichkeit, Kunstschätze zu sehen, zu denen sie sonst keinen Zugang gehabt hätten.“

Möller verurteilt die Bemühungen einzelner Galerien, ihre Werke online mit einer Kopierschutztechnik zu versehen: „Wenn die Einnahmequellen erfordern, dass eine Institution den Zugang zu ihren bildenden Werken einschränkt, statt diese Werke frei jedem zur Verfügung zu stellen, erscheint uns das als Widerspruch zu ihrem Bildungsauftrag“, kritisiert Möller. „Es ist schwer, ein plausibles Argument zu finden, gemeinfreie Inhalte einer freien und unkommerziellen Enzyklopädie vorzuenthalten.“

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Von Detlef Stoller
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