21.10.2015, 07:00 Uhr | 0 |

Zurück in die Zukunft Was wurde aus dem Film wahr, was bleibt Fiktion?

Im 1989 erschienenen zweiten Teil von „Zurück in die Zukunft“ reist Marty McFly ins Jahr 2015. Genauer Ankunftstag: der heutige 21. Oktober! Der junge Protagonist und der verwirrte Tüftler Doc Brown treffen auf eine Welt, in der Autos fliegen und Skateboards schweben. Wir haben für Sie gecheckt, welche technische Vision tatsächlich wahr geworden ist.  

Filmszene aus Zurück in die Zukunft II
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McFly (gespielt von Michael J. Fox) zusammen mit dem Tüftler Doc Brown in "Zurück in die Zukunft II".

Foto: UniversalMovies

Mal ehrlich: Das irgendwie Unfaire an der Zukunft ist doch, dass man diese nie erreicht. Selbst wer heute von morgen spricht, lebt morgen wieder nur in der Gegenwart. Ähnlich gemein ist die Tatsache, dass die einzige Person, der man niemals direkt ins Gesicht blicken kann, man selber ist. Da ist es zumindest ein bisschen tröstlich, dass Marty McFly – der jugendliche Held aus Zurück in die Zukunft  – beides gelingt.

Um eine kriminelle Laufbahn seiner Kinder zu verhindern, reist McFly (gespielt von Michael J. Fox) zusammen mit dem Tüftler Doc Brown aus dem Jahr 1985, in dem der Film spielt, zum 21. Oktober 2015. Bereits im ersten Teil der Trilogie wurde der DeLorean vorgestellt, jener Sportwagen mit Flügeltüren, den Brown zur Zeitmaschine umgebaut hatte – Fluxkompensator sei Dank.

Mit ihrer Vorstellung, wie es in unserer heutigen Gegenwart zugehen könnte, lagen Produzent Steven Spielberg und Regisseur Robert Zemeckis in machen Punkten richtig. Bei anderen hingegen haben sich beide schwer vertippt. 

Verkehr und Fortbewegung

„Straßen?!? Wo wir hinfahren, brauchen wir keine Straßen.“ Mit diesem Satz geleitet der kauzige Doc Brown die Zuschauer in ein Jahr 2015, in dem asphaltierte Verkehrswege vor allen Dingen zum Starten und Landen dienen. Die meiste Zeit verbringen Autos in der Luft – fliegend halt.  In diesem Punkt haben die Filmschöpfer daneben getippt. Zwar gibt es bereits Prototypen, die eine Mischform aus herkömmlichem Auto und Ultraleichtflieger darstellen, marktreif ist das Ganze aber noch lange nicht. Autohersteller Toyota tüftelt zudem an Fahrzeugen, die zwar nicht richtig fliegen, aber zumindest wenige Zentimeter über der Straße schweben

Betankt werden Autos im fiktionalen Jahr 2015 unter anderem mit Bioabfällen wie Bier, Kompost oder sonstigem Müll. Im tatsächlichen Heute fahren die allermeisten Wagen noch immer mit fossilen Brennstoffen. Bemühungen, ökologische Antriebe zu etablieren, gibt es aber durchaus. Einige Tankstellen in Neuseeland bieten einen Biokraftstoff an, der aus Bierabfällen hergestellt wird – dem sogenannten Hefeschlamm. Die japanische Automobilindustrie verfolgt außerdem sehr konkret das Ziel, Mikroalgen in großen Mengen zu Biokraftstoff zu verarbeiten. Bereits im kommenden Jahr soll zu diesem Zweck ein eigenes Zentrum zur massenhaften Kultivierung der Pflanzen eröffnet werden.

Wie bereits im ersten Teil der Reihe, bewegt sich McFly auch in der Fortsetzung gerne auf Skateboards durch die Gegend. Im filmischen Jahr 2015 haben diese allerdings keine Rollen, sondern schweben über dem Boden. Hier reichen sich Realität und Fiktion zwar nicht gleich die Hand, aber zumindest den kleinen Finger.

Das amerikanische Start-up-Unternehmen Hendo hat ein Hoverboard entwickelt, das tatsächlich funktioniert. Das große Aber: leider nur dann, wenn der Untergrund aus einem nicht-ferromagnetischen Metall wie Aluminium oder Kupfer besteht. Zumindest dann heben vier Elektromagneten das Bord sanft an und lassen es geschmeidig dahin gleiten.

In einem Video demonstriert der Hersteller sein schwebendes Produkt. Im vergangenen Jahr hatte Hendo angekündigt, das Board ab dem heutigen Tag regulär verkaufen zu wollen. Auf der Webseite des Unternehmens ist von dieser Möglichkeit bislang nichts zu finden. Auch in einem PR-Video der Edel-Autoschmiede Lexus ist ein Mensch auf einem Hoverboard zu sehen. Der Autohersteller beteuert in einem weiteren Video, dass die Konstruktion, die übrigens ein Prototyp bleiben soll, tatsächlich funktioniert.

Kommunikation

Neben dem Zeitreisenden und jung gebliebenen Marty McFly zeigt der Film auch, wie sich die natürlich gealterte Version der Hauptfigur nach drei Jahrzehnten entwickelt hat: ein gestresster, fahriger Mann in der Midlife-Crisis. Was die Kommunikation angeht, ist er aber alles andere als rückständig. Ein großer Flachbildschirm überträgt Bewegtbild und Stimme seines Arbeitskollegens direkt in McFlys Zuhause. Ein prophetischer Volltreffer – Skype und Co. lassen grüßen. Neben dem Konterfei des Gesprächspartners werden am unteren Bildschirmrand zusätzlich persönliche Daten eingeblendet, darunter Alter, Hobbys, Adresse, Lieblingsessen, Kinder... Parallelen zu unseren Profilen auf diversen Social-Media-Plattformen lassen sich da wohl kaum leugnen.

Zudem tragen fast alle Bürger der damaligen Zukunft Brillen, die ihnen unterschiedlichste Informationen vor die Augen zaubern. Datenbrillen gibt es heute für verschiedenste Zwecke. Zu behaupten, dass diese in unserem Alltag angekommen seien, wäre aber wohl falsch.

Übrigens: Die schriftliche Kündigung von seinem zornigen Chef erhält der gealterte McFly per Fax. Warum nur glaubte man vor 26 Jahren, dass diese Errungenschaft derart zukunftssicher sei?

Kleidung

Im Jahr 2015 angekommen drückt Doc Brown dem jungen McFly erst einmal ein der Zeit angemessenes Schuhwerk in die Hand. Die grauen Sneaker kommen bei dem Teenager vor allem deshalb gut an, weil man sie nicht selbst zubinden muss. „Powerlaschen“ nennt der Film die Technik dahinter. Gibt’s nicht? Gibt’s doch! In einer Stückzahl von nur 1500 Exemplaren hat Bekleidungshersteller Nike Schuhe mit vergleichbarer Technik in den Verkauf gebracht. In der Realität vollzieht sich das automatische Zuschnüren allerdings deutlich weniger schnell als im Film.

Und was ist mit jener Superfunktionsjacke, deren Ärmel sich auf Knopfdruck an die Größe des jeweiligen Trägers anpassen? Gibt’s wirklich nicht. Aber zumindest Kleidungsstücke, die verschiedenste Sensoren in sich bergen, finden immer mehr Verbreitung.

Doc Brown zu McFly: „Krempel die Hosentaschen raus! Alle Jungs in der Zukunft lassen die Hosentaschen raushängen.“ Wir sagen: Bitte nicht, nein!

Zeitreisen

Gegenwärtig nicht möglich! Allerdings zieht die Physik sie zumindest in Betracht. Während die zeitliche Rückwärtsreise durch theoretisch existente, winzige Wurmlöcher mehr als schwierig sein dürfte, könnte der Sprung in die Zukunft ein bisschen einfacher gelingen (natürlich ebenfalls nur theoretisch).

Ein Gedankenspiel Einsteins besagt, dass Menschen, die sich etwa drei Monate lang mit Lichtgeschwindigkeit durchs All bewegen, bei ihrer Rückkehr zur Erde feststellen müssten, dass dort etwa 100 Jahre vergangen wären.

Zum Glück kein Hydrator

Den richtigen Riecher hatten Spielberg, Zemeckis und Drehbuchautor Bob Gale bezüglich der technischen Möglichkeiten zur Autorisierung und Identifizierung. Die Bürger des fiktiven Städtchens Hill Valley öffnen ihre Haustüren nicht mehr mit dem Schlüssel, sondern per Abdruck-Scanner und Daumen. Auch gegenwärtige Smartphone-Modelle bieten diese Möglichkeit. Die einzigartigen Merkmale eines Fingerabdrucks werden auch bereits zur Authentifizierung beim Online-Banking eingesetzt – als schnelle Alternative zum Pin. 

Einen gewaltigen Schrecken jagt dem jungen Zeitreisenden zu Beginn des Films das herabstürzende Holgramm eines Weißen Hais ein, welches den gleichnamigen Kultstreifen bewerben soll – in bereits 19. Auflage. Im Alltag des realen Jahres 2015 nehmen 3D-Darstellungen in Fernsehen und Kino einen festen Platz ein.

Hologramme allerdings noch nicht. Und dennoch sind sie möglich – bislang zumindest in kleiner Ausführung. Japanischen Forschern ist es bereits gelungen, ertastbare Hologramme mithilfe von Ultrakurzpulslasern zu erzeugen.

Eine geldstückgroße Miniatur-Pizza wächst im Film innerhalb weniger Sekunden auf das allseits bekannte gängige Format. Dafür legt McFlys stark gealterte Mutter das merkwürdige Nahrungs-Scheibchen in ein Gerät namens Hydrator. Jenen Automaten, der die kleine Pizza durch schnelle Zugabe von Flüssigkeit quasi aufpumpen soll, gibt es nicht – zum Glück!

Wie schwierig die scheinbar leichtesten Aufgaben 1989 zu lösen waren, zeigt hingegen ein ganz banales Beispiel: Im Film spricht Doc Brown von „Dienstag, dem 21. Oktober 2015“. Bekanntlich ist heute aber Mittwoch! Hätte man das vor 26 Jahren ohne größere Mühen herausfinden können? Offenbar nicht. Smartphones, die einem bei Bedarf den Kalender für das Jahr 4047 anzeigen, waren noch Zukunftsmusik. 

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Von Jan-Martin Altgeld
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