28.10.2013, 08:25 Uhr | 0 |

Geschosse fliegen 350 Meter weit Waffen der römischen Legion im Praxistest

 

Feldgeschütze der Römer waren erstaunlich zielgenau und hatten enorme Reichweiten: Bis zu 350 Meter flogen die Bolzen weit und durchschlugen problemlos jede Rüstung. Forscher aus Trier haben diese Waffen im Detail nachgebaut und ausgiebig getestet.

Prof. Schäfer testet nachgebaute Waffen der römischen Legion
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Das Team um Prof. Christoph Schäfer untersuchte Zielgenauigkeit, Reichweite und Durchschlagkraft römischer Waffen. Pro Minute konnte eine Legion 200 Geschosse abfeuern. 

Foto: Universität Trier

Soeben ist der Band 35 der Comicreihe Asterix erschienen. „Asterix bei den Pikten“ führt die beiden unerschrockenen Gallier Asterix und Obelix zu ihren schottischen Verwandten. Dort geht es darum, Römer zu versohlen. Das ist lustig, doch irgendwie auch unverständlich. Denn die römische Armee war ziemlich gut aufgestellt – personell und auch waffentechnisch. Das belegen Restfunde der Varus-Schlacht zwischen Römern und Germanen am Harzhorn und detailgenau rekonstruierte Feldgeschütze.

Flugplatz Föhren bei Trier wird Schauplatz des Spektakels

Der Flugplatz Föhren bei Trier war vergangene Woche Schauplatz des militärischen Spektakels, bei dem Wissenschaftler um den Althistoriker Prof. Christoph Schäfer von der Universität Trier detailgetreu nachgebaute römische Feldgeschütze abfeuerten – unter anderem das Pfeilgeschütz Scorpio. „Wir testen die Geräte bis an ihre Leistungsgrenze. Es kann also durchaus auch etwas kaputt gehen“, erläuterte der 52-Jährige, der von seinen wissenschaftlichen Mitarbeitern Marcel Simonis und Arne Döpke unterstützt wurde.

Ziel war es, den Umgang der Römer mit technischem Fortschritt sowie die Leistungsfähigkeit und den Einsatz der Geschütze zu erforschen. Die Historiker maßen dabei so unterschiedliche Parameter wie Zielgenauigkeit, Reichweite, aber auch die mögliche Schussfolge und die Durchschlagkraft. Schäfer betont: „Wir sind keine Militaristen.“

Torsionsgeschosse entfalten gewaltige Wucht und schmelzen Rüstungen

Die Römer nutzten für ihre Waffentechnik physikalische Gesetze aus, um die Reichweite ihrer Geschosse drastisch zu steigern. Im Prinzip funktionieren die römischen Feldgeschütze wie ein Bogen. Jedoch dreht sich beim Zurückziehen der Arme ein Bündel von Rosshaaren. Und dadurch entstehen große Torsionskräfte. Diese entladen sich beim Auslösen der Waffen mit gewaltiger Wucht. Die so beschleunigten, mit Eisenspitzen gespickten Rundbolzen und Pfeile fliegen dadurch mehr als 300 Meter weit. Sie verlieren auf der langen Flugbahn durch die Antriebswucht der Torsionskraft kaum an Geschwindigkeit und Durchschlagkraft.

 „Es gibt kaum einen Schutz gegen diese Bolzen mit Eisenspitzen“, sagt Christoph Schäfer. „Sie durchschlagen Helme und Schilde ohne Probleme.“ Bis zu 200 dieser Geschosse konnte eine Legion abfeuern – pro Minute. „Bei einem Schussversuch auf Rüstungen haben wir festgestellt, dass die Spitzen eine solche Hitze entwickeln, dass sie Rüstungen anschmelzen.“

Weitere getestete Kriegsgeräte stammen aus dem ersten Jahrhundert nach Christus und sind vom Typ Teruel, andere stammen aus dem dritten Jahrhundert nach Christus und sind vom Typ Orsova, benannt dem Fundort Orşova in Rumänien. Diese haben zwei eiserne Spannbüchsen und eine eiserne 145 Zentimeter lange Verbindungsstange. Die Bolzen, die von dieser Waffe abgeschossen werden, fliegen bis zu 350 Meter weit.

Geschichtsstunde: Arminus stellte Varus einen Hinterhalt

Auch wenn die Römer unter dem Senator und Feldherren Publius Quinctilius Varus die nach ihm benannte Schlacht im Teutoburger Wald krachend verloren haben, zeigen die jetzt untersuchten Waffen, dass die römische Armee auf Höhe der Zeit war.

Der Gegenspieler von Publius Quinctilius Varus war übrigens Arminus, ein Fürst der Cherusker. Dieser kämpfte als vorgeblich treuer Bundesgenosse als römischer Ritter Seite an Seite mit Varus. Im unbekannten, unwegsamen und unübersichtlichen Gelände ging er mit seinen Verschwörern voraus und stellte Varus einen Hinterhalt. Dieser nahm sich noch auf dem Schlachtfeld das Leben.

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Von Detlef Stoller
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