27.07.2015, 15:11 Uhr | 0 |

Kultauto 2CV Vor 25 Jahren war Schluss für die Ente

Ein grauer 2CV6 Charleston rollte am 27. Juli 1990 als letztes Exemplar eines wahren Kultautos in Portugal vom Citroen-Band. Das simple Auto mit dem Zweizylinder-Boxermotor wurde insgesamt über fünf Millionen Mal verkauft. Abgas- und Sicherheitsbestimmungen beendeten die Erfolgsgeschichte aus Frankreich.

Ente mit Kunstrasen
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Hingucker: Ein mit Kunstrasen beklebter Citroen 2CV steht am 21. Juli 2015 in Essen. Vor 25 Jahren, am 27. Juli 1990, rollte das letztes Exemplar des Kultautos "Ente" in Portugal vom Citroen-Band.

Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Es sollte ein Auto für den kleinen Mann vom Land werden, robust und billig: „Entwerfen Sie ein Auto, dass Platz für zwei Bauern in Stiefeln und einen Zentner Kartoffeln oder ein Fässchen Wein bietet, mindestens 60 km/h schnell ist und dabei nur drei Liter auf 100 Kilometer verbraucht.“ Das war 1934 die klare Ansage von Citroen-Chef Pierre-Jules Boulanger an seinen Konstrukteur André Lefèbre.

„Es muss ausgesprochen gut gefedert sein, sodass ein Korb mit Eiern eine Fahrt über holprige Feldwege unbeschadet übersteht. Auf das Aussehen kommt es dabei überhaupt nicht an“, fügte er noch hinzu. Heraus kam der 2CV dann erst nach dem Krieg, der „Regenschirm auf Rädern“, wie ihn die Franzosen auch heute noch liebevoll nennen. Hierzulande wurde der 2CV schon immer als Ente verspottet. Trotzdem wurde das seltsame Gefährt auf vier Rädern heiß geliebt.

Wartelisten von bis zu sechs Jahren

Am 7. Oktober 1948 auf dem Pariser Automobil-Salon stellte Citroen das „Toute pétite voiture“, das „ganz kleine Auto“ erstmals öffentlich vor. Es wurde sehr schnell zum Symbol der Freiheit und erfreute sich äußerst starker Nachfrage. Rohstoffe waren in der Nachkriegszeit Mangelware.

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Eine aussterbenede Spezies: Vor zehn Jahren gab es die dicht an dicht fahrenden sogenannten Enten auf einer Straße in Oberbayern zu sehen. Die jüngsten sind inzwischen mindestens 25 Jahre alt. 

Foto: Peter Kneffel/dpa

So entstanden rasch ellenlange Wartelisten von bis zu sechs Jahren. Das lag nicht zuletzt auch am extrem günstigen Preis: Der 2CV kostete weniger als 4.000 DM. Zudem punktete der „Deux Chevaux“ mit seinen „Zwei Pferdestärken“. Diese standen nicht für die bescheidene Motorkraft, sondern für die sehr günstige französische Steuerklasse.

Nicht zwei sondern neun Pferdestärken

Ginge es um die Motorkraft, so müsste der „Deux Chevaux“ eigentlich „Neuf Chevaux“ heißen, denn er kam zuerst nicht mit zwei sondern mit neun Pferdestärken auf den Markt. Am Ende verbarg die Ente sogar 30 Pferde unter ihrer gebogenen Motorhaube, was Geschwindigkeiten von über 110 km/h ermöglichte. Fast 3,9 Millionen der viertürigen Limousinen und über 1,2 Millionen der eckigen Kastenenten watschelten über die Jahre vom Citroen-Band.

Ein grauer 2CV6 Charleston

Strenge Abgas- und Sicherheitsvorschriften beendeten eine kaum zu glaubende Erfolgsgeschichte des Anti-Autos. Im Februar 1988 wurde die Produktion der Ente im französischen Citroen-Werk in Lavallois eingestellt und vor 25 Jahren, am 27. Juli 1990 um Punkt 16 Uhr, rollte im portugiesischen Mangualde der letzte seiner Art vom Band. Es war ein grauer 2CV6 Charleston.

Entenfreunde sind gut vernetzt und organisiert

Fast 350.000 Exemplare des französischen Bauernautos fanden in Deutschland ihre Käufer. Heute, 25 Jahre nach Produktionsende sollen immer noch gut 12.000 Enten über die Straßen watscheln. Es ist eine eingeschworene Gemeinschaft, die gut organisiert dafür sorgt, dass es auch heute noch recht problemlos möglich ist, Ersatzteile zu bekommen. Dabei hilft auch der Minimalismus der Ente.

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Die Ente mit dem Kennzeichen EN - TE 13 wurde im Juli 2014 beim Deutschlandtreffen der Freunde des Citroen 2CV gesichtet. 

Foto: Arne Dedert/dpa

„Die Ente ist aber auch so konzipiert, dass man mit relativ wenig Ahnung sehr viel in Eigenarbeit machen kann“, schwärmt der 77-jährige Entenfreund Ludger Müller aus Friesoythe in Niedersachsen. Zudem lässt sich mit wenigen Handgriffen die Rückbank ausbauen. „Dann hat man einen kleinen Lieferwagen.“ Völlig klar ist: Die Ente hat schon immer polarisiert: „Man liebt sie oder man hasst sie. Dazwischen gibt es nichts“, so Müller – der seine Ente liebt.

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Von Detlef Stoller
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