24.02.2015, 13:15 Uhr | 0 |

Prothese für Tropenvogel Tukan Grecia bekommt neuen Schnabel aus dem 3D-Drucker

In Costa Rica soll ein Tukan eine Prothese aus dem 3D-Drucker bekommen. Der Vogel wurde mit einem abgeschlagenen Oberschnabel gefunden. Jetzt ist er in einem Zoo untergebracht, wo er unter großer Anteilnahme der Bevölkerung versorgt wird. Und vier regionale Anbieter von 3D-Systemen haben sich zusammengetan, um das fehlende Stück Schnabel zu ersetzen. 

Misshandelter Tukan bekommt neuen Schnabel aus dem 3D-Drucker
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Der verletzte Tukan, dem ein großes Stück Oberschnabel fehlt, wird von einer Veterinärin versorgt.

Foto: Ezequiel Becerra/dpa

Im Vergleich zu ihrem Körper haben Tukane einen ausgesprochen großen Schnabel. Je nach Gattung und Art ist er prächtig eingefärbt und dient nicht nur der Nahrungsaufnahme sondern auch zur Regulierung des Wärmehaushalts, zur Verteidigung und bei der Balz.

Dem jungen Tukan, der nach seinem Fundort „Grecia“ genannt wird, fehlt ein großer Teil seines oberen Schnabels. Jugendliche sollen das Tier mit einem Stock geschlagen und den Schnabel dabei abgebrochen haben. Übrig geblieben ist nur noch ein kurzer Stumpf vom Oberschnabel.

Der verwundete Vogel wird jetzt im Rettungszentrum des Zoos Ave in der Nähe der Hauptstadt San José versorgt. Sein Schicksal bewegt die Nation.

Künstlicher Schnabel als Projekt

In einer Hilfskampagne für Grecia kamen in kürzester Zeit Tausende von Dollar zusammen. Im Webforum der Zeitung La Nación, die ausführlich über die Prothese für Grecia berichtete, wurde der Vogel schon als „Sechs-Millionen-Dollar-Tucan“ bezeichnet.

Vier costa-ricanische Unternehmen, namentlich Elementos 3d, Ewa!corps, Publicidad Web und Grupo Sommerus, allesamt Anbieter von 3D-Systemen, beteiligen sich nun an einem Projekt, in dem ein künstlicher Schnabel für den Tukan entworfen und hergestellt werden soll.

Im 3D-Drucker soll das passende Stück Schnabel erzeugt werden. Damit soll sich Grecia zumindest wieder ohne Hilfe ernähren können. Allerdings bestehe das Risiko, dass der Vogel den künstlichen Schnabel nicht akzeptieren könnte, sagte Karley Fu von der Grupo Sommerus.

Scannen und Drucken in 3D

Der Schnabel des Tukan, beziehungsweise das, was davon übrig geblieben ist, wird von einem 3D-Scanner erfasst und in ein digitales 3D-Modell übersetzt. Am Computer wird das fehlende und exakt an den Stumpf passende Schnabelstück entworfen, das dann im 3D-Drucker via Stereolithografie nachgebildet werden kann.

Bei diesem 3D-Druckverfahren werden die einzelnen Schichten eines 3D-Modells mit flüssigem Kunststoff erzeugt, der nach einer gewissen Belichtungszeit erstarrt. Welches Material für Grecias Schnabel in Frage kommt, erforschen die Projektteilnehmer derzeit. Carmen Soto, Veterinärmedizinerin vom Zoo Ave hofft, dass Grecia in etwa einem Monat soweit geheilt ist, dass man den Tukan betäuben kann, um seinen Schnabel scannen zu können.

Flexible Kupplung

Um nicht direkt am Vogel experimentieren zu müssen, arbeiten die am Projekt beteiligten Ingenieure und Designer mit Schnabelproben von toten Tukanen, die ihnen der Zoo Ave zur Verfügung gestellt hat. Von der Beschaffenheit und Struktur des Schnabels hänge ab, wie man die Prothese am verblieben Stumpf befestigen könne, erklärte Nelson Martínez von Ewa!corps gegenüber der Zeitung La Nación.

Die Befestigung muss stabil genug sein, andereseits aber auch flexibel, da der Vogel noch wachsen wird und die Prothese mit der Zeit wohlmöglich ausgetauscht werden muss. So erforschen Martínez und sein Team, ob ein Kleber verwendet werden kann, der allerdings keine chemischen Bestandteile haben dürfe, oder ob die Verbindung von Schnabelstumpf und Prothese auch verschraubt werden kann.

Plänen der beteiligten Unternehmen zufolge könnte die Prothese über ein flexibles Verbindungsstück mit einer Brücke an einer Platte befestigt werden, die auf dem verbliebenen Schnabelstumpf aufgebracht wird.

Schnabelprothesen für Adler und Pinguin gab es bereits

Einem Weißkopfadler namens „Beauty“, dem ein Stück Schnabel abgeschossen worden war, verpflanzte ein Zahnarzt bereits im Jahr 2012 eine Prothese aus Nylon-Polymer. Sie wurde via Stereolithografie produziert. Und vor einem Jahr wurde einem lädierten Pinguin des Warschauer Zoos ebenfalls eine Schnabelprothese verpasst.

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Von Susanne Neumann
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