21.06.2017, 08:00 Uhr | 0 |

DFB nutzt VR-Technik Training mit Datenbrille: So trickst man auch Ronaldo aus

Wie trennt man Ronaldo vom Ball? Wie umdribbelt man Abwehrkünstler wie den Turiner Giorgio Chiellini? Das können deutsche Nationalspieler künftig mithilfe von VR-Brillen üben. Der Deutsche Fußball-Bund hat sich die Unterstützung des kalifornischen VR-Spezialisten Strivr gesichert.

Dribbel-Übung des deutschen Fußballspielers Kerem Demirbay in Sotschi
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Dribbel-Übung des deutschen Fußballspielers Kerem Demirbay in Sotschi: VR-Technik bietet sogar die Möglichkeit, Dribbelübungen auf ganz bestimmte Gegenspieler auszurichten.

Foto: Christian Charisius/dpa

Wie lässt sich Cristiano Ronaldo am Torschuss hindern? Deutsche Kicker können das künftig üben, ohne dass der geniale portugiesische Fußballer anwesend ist. Seine Kunststücke werden in eine Datenbrille eingespielt, die zum Beispiel die beiden deutschen Innenverteidiger Mats Hummels und Jerome Boateng tragen.

Die Spieler können dann im DFB-Trainingszentrum in Frankfurt versuchen, Ronaldo den Ball abzunehmen oder ihn wenigstens daran hindern, gezielt zu schießen. Der virtuelle Portugiese wird reagieren wie der echte.

Die Besten werden noch besser

Das ist noch eine Vision. Aber eins ist jetzt schon möglich: Sportler können mithilfe Virtueller Realität (VR) beispielsweise Spielzüge einstudieren, ohne auf dem Platz zu sein. Das Video, das in die Datenbrille eingespielt wird, reagiert auf jede Aktion des VR-Nutzers. Dessen Bewegungen werden mit Sensoren beispielsweise an Händen und Füßen gemessen. Sie fließen in die Berechnung des interaktiven Videos ein.

Fußball: Confederations Cup, deutsche Nationalmannschaft, Training am 17.06.2017 in Sotschi (Russland). Bundestrainer Joachim Löw (6.v.l) spricht nach dem Aufwärmen mit seinen Spielern. Foto: Christian Charisius/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Training der deutschen Fußball-Nationalmannschaft beim Confederations Cup in Sotschi: Demnächst werden die Nationalspieler auch mit VR-Brillen bestimmte Übungen absolvieren.

Foto: Christian Charisius/dpa

Mehrere Football- und Eishockeymannschaften sowie andere Sportler in den USA nutzen bereits die Technik des kalifornischen Unternehmens Strivr Labs. Künftig profitieren auch deutsche Fußballer davon. Die Akademie des DFB wird in ihrem neuen sportlichen Zentrum, das in Frankfurt entsteht, die Technik der Kalifornier nutzen, um die Besten noch besser zu machen und die Erfolgreichsten noch erfolgreicher, wie der DFB mitteilt. Er gab jetzt eine Partnerschaft mit den Amerikanern bekannt. Im Rahmen des Akademie-Moduls „Technology Lab“ wurde die Technik bereits probeweise eingesetzt.

Zunächst profitieren die Nationalspieler

Strivr Labs wurde von Derek Belch, einem ehemaligen Footballspieler der Stanford Cardinals, der Football-Mannschaft der kalifornischen Elite-Universität Stanford, und Jeremy Bailenson gegründet, der in Stanford das VR-Institut leitet. Die DFB-Teams sollen künftig vom Training unter neuesten technologischen Aspekten profitieren.

Die Videos sollen zur Diagnostik und zur Schulung der psychologischen und kognitiven Fähigkeiten der Fußballspieler genutzt werden. Zunächst sollen davon vor allem Nationalspieler profitieren, vielleicht noch für die Weltmeisterschaft, die 2018 in Russland stattfindet.

Einsatz im Trainingsalltag

Markus Weise, Leiter Konzeptentwicklung der DFB-Akademie, sagt: „Virtual Reality ist eine äußerst spannende Technologie, die noch am Anfang ihrer Entwicklung steht und viele Möglichkeiten bietet. Diese wollen wir von Beginn an nicht nur begleiten, sondern sie nach unseren Vorstellungen mitprägen.“ Sie soll im Trainingsalltag und bei Wettkämpfen getestet werden.

Fußball: Confederations Cup, Vorrunde, Gruppe B, 2. Spieltag, Australien - Deutschland am 19.06.2017 im Fischt Stadion in Sotschi (Russland). Australiens Aaron Mooy (unten) trennt Deutschlands Leon Goretzka vom Ball. Foto: Christian Charisius/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Leon Goretzka auf dem Weg zum australischen Tor: Wie kann man bestimmte Gegenspieler ausspielen? Solche speziellen Übungen ermöglichen VR-Brillen, die der DFB in Zukunft im Training einsetzen will.

Foto: Christian Charisius/dpa

„Mit der Akademie wollen wir das Innovationszentrum des Fußballs errichten“, sagt Oliver Bierhoff, Manager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und Projektleiter der DFB-Akademie. „Dabei sollen nicht nur unsere Nationalspieler von Forschung und Entwicklung profitieren, sondern alle Vereine in Deutschland, von den Profiklubs der Bundesliga bis hin zu den Amateuren an der Basis.“

Schmeicheleinheiten für den deutschen Fußball

Strivr-Manager Belch schmeichelt seinen neuen Kunden: „Trainingsmethodik und der ständige Wille des amtierenden Weltmeisters, sich weiterzuentwickeln, sind vorbildlich und bewundernswert. Genau das, was wir von unseren Partnern erwarten. Die deutschen Fußballmannschaften zählen konstant zu den besten der Welt. Wir wollen unseren Teil dazu beitragen, dass das auch so bleibt.” Wir werden es bei der WM in Sotschi erleben.

Schon heute nutzen einige Bundesliga-Clubs moderne Techniken, um Motorik und Reaktionsvermögen der Profis zu verbessern. Borussia Dortmund und die TSG Hoffenheim besitzen beispielsweise den Footbonauten.

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Von Wolfgang Kempkens
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