25.07.2013, 09:59 Uhr | 0 |

Formula Student 2013 Studenten machen Rennautos jedes Jahr ein Stück besser

Optisch machen die Rennwagen, die alljährlich für die Konstruktionswettbewerbe der Formula Student enthüllt werden, schon mächtig was her. Richtig beeindruckend ist aber, wie die Teams das Innere der Boliden optimieren. Wir sind der Frage nachgegangen: Was schrauben die eigentlich?

Elektroauto aus Augsburg für die Formula Student Germany
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Zeigt her eure Flitzer: Viele Veränderungen an den Fahrzeugen lassen sich nur ohne die Verkleidungskomponenten entdecken. Auch der Augsburger Elektrowagen von letztem Jahr wird nicht mehr derselbe sein, wenn Ende Juli die Formula Student Germany startet.

Foto: Zillmann

"Unser Motto lautet Revolution statt Evolution", verkündet Projektleiter Jannis Tsoufios. Doch nicht nur die Studenten der Hochschule Esslingen verbrachten Stunden in der Werkstatt und vor dem Computer, um Höchstleistungen aus ihrem neuen Formula-Student-Rennwagen herauszukitzeln.

57 Teams beteiligen sich an dem Rennen auf dem Hockenheimring

Alle 57 Teams, die dieses Jahr an der Formula Student Germany teilnehmen, arbeiten fleißig auf den Starttermin hin. Jedes Jahr stoßen neue Teammitglieder hinzu, verlassen alte Hasen die Bühne des internationalen Konstruktionswettbewerbs. Der stetige Fluss an neuen Mitstreitern lässt auch die Entwicklung des Boliden nie stillstehen: Die Teams sprudeln vor neuen Ideen und scheuen sich nicht, diese umzusetzen.

Der Kreativität der Studenten sind jedoch enge Grenzen gesetzt. Zunächst muss das rund 25-seitige Regelwerk des entsprechenden Veranstalters am Hockenheimring der Formula Student Germany eingehalten werden. Außerdem sind die Mannschaften auf Fördermittel, Wissensvermittlung und den Zugang zu Maschinen durch verschiedenste Unternehmen angewiesen und verfolgen kein geringeres Ziel, als innerhalb eines Jahres einen verkehrstauglichen Rennwagen zu entwickeln und zu konstruieren, der allen gängigen Sicherheitsbestimmungen entspricht.

In einer repräsentativen Erhebung befragten die VDI nachrichten die 57 deutschen Formula-Student-Teams, die dieses Jahr am Hockenheimring an den Start gehen, welcher Neuerung sie für die kommende Saison die meiste Zeit gewidmet haben. Überraschenderweise gleichen sich die größten Baustellen an den Fahrzeugen, unabhängig davon, wie lange die Rennställe schon bei der Formula Student mitfahren. Wo die Studenten ihr Werkzeug ansetzen, variiert jedoch deutlich, je nachdem, ob die Teams einen Verbrenner- oder einen Elektroboliden entwickeln.

Im klassischen Verbrenner-Wettbewerb der Formula Student Germany Student Germany kommen 28 von insgesamt 75 Teams aus Deutschland. Knapp ein Drittel von ihnen war in der Werkstattphase mit Neuerungen am Fahrwerk und dem Motor beschäftigt. Häufig verringerten sie während dieses Schrittes den Reifendurchmesser auf 10 Zoll, probierten aber auch komplett neue Konzepte aus.

Uni Magdeburg setzt auf Seitenmotorkonzept

Das Team der Universität Magdeburg präsentiert "das einzige Fahrzeug mit einem Seitenmotorkonzept", so der Technikverantwortliche Philip Müller. Solch eine Neuerung erfordert unmittelbar weitere Umbauten. "Aufgrund der ungleichen Gewichts- und Bauraumverteilung mussten wir den Rahmen asymmetrisch konzipieren und fertigen", sagt Müller.

Zu einem solch großen Schritt gehört auch eine gesunde Portion Mut. Das UMD Racing Team aus Magdeburg ist mit seinen drei Jahren immerhin eines der jüngsten Teams in der Verbrennerkategorie und konnte in den dynamischen Events bisher noch keine Punkte sammeln.

Höhere Ziele dürfte der Rennstall der Universität Stuttgart haben, der den Verbrenner-Wettbewerb im letzten Jahr für sich entschied. Sie versuchten wie rund jedes vierte Team, die Aerodynamik ihres Rennwagens zu verbessern. "Erstmalig in unserer siebenjährigen Geschichte fahren wir mit einem Aerodynamikpaket, bestehend aus Front- und Heckflügel, sowie Unterbodendiffusor", erklärt der Vorsitzende Daniel Sorgenfrei.

Uni Stralsund baut Verkleidungen aus laminierter Jute

An dritter Stelle folgten in den Werkstätten der Verbrenner-Teilnehmer Verbesserungen im Bereich des Leichtbaus, der Ergonomie und der Ökologie. Wobei die Studenten der Hochschule Stralsund sich nicht lumpen ließen. Um ihren neuen Boliden umweltfreundlicher zu gestalten, haben sie alle Verkleidungskomponenten aus Jute laminiert. Teammitglied Benjamin Müller weist auf einen weiteren, für viele studentische Teams entscheidenden Vorteil ihres Materials hin: "Im Vergleich zu carbonfaserverstärktem Kunststoff ist der Preis für Jute nur ein Achtzigstel."

Viele Fördergelder fließen inzwischen in die Teams der Formula Student Electric (FSE). Der Wettbewerb wird von der Formula Student Germany seit 2010 parallel zur FSC ausgetragen und von deutschen Teams dominiert: Von 106 Elektroteams aus der ganzen Welt kommt die Hälfte von deutschen Hochschulen, 29 von ihnen starten dieses Jahr am Hockenheimring. Das dominanteste Fahrzeug kam die letzten zwei Jahre allerdings vom niederländischen Nachbarn. Die deutschen Studenten haben sich einiges einfallen lassen, um ihre Konkurrenten von der TU Delft dieses Jahr vom Thron zu schubsen.

Uni Siegen bauten 50 kg leichteres Rennauto

Rund ein Drittel der Teams konzentrierte seine Entwicklungsarbeit auf den Leichtbau und reduzierte damit das Gewicht seines Wagens. Viele konstruierten ihr Monocoque neu oder stiegen auf Carbon um. Wie für die Baltic Racers aus Stralsund, wiegt das Preisargument bei Carbon für alle Teams schwer. Die Studenten der Uni Siegen entdeckten das größte Einsparpotenzial beim elektrischen Antriebsstrang und speckten ihr Fahrzeug im Vergleich zum Vorgänger um 50 kg ab.

Der größte Gewichtstreiber ist der Akku, dem in diesem Jahr jedes vierte Team besondere Aufmerksamkeit schenkte. Die Kieler Raceyards veränderten die Zellchemie, um die Rückspeiseraten und die Lebensdauer zu erhöhen, während die Stuttgarter DHBW Engineers die Systemspannung von 450 V auf 600 V erhöhten. Die Umbauten am Akku zwangen einige Teams dazu, eigene Batterie-Managementsysteme zu entwickeln.

Einige Neuerungen, die sich 2013 in den Rennwagen verstecken, lassen neben Siegeswillen auch die reine Lust am Basteln erkennen. So die Elektronik-Neuheit im Bayreuther Boliden: ein in das Lenkrad integriertes Smartphone, mit dem die Konstrukteure einerseits Einstellungen am Fahrzeug vornehmen und andererseits den Fahrer visuell und per Sprachausgabe über den Zustand des Fahrzeugs informieren können.

Die Formula Student ist eben kein Seifenkistenrennen. Für diesen Konstruktionswettbewerb opfern Studenten aus den unterschiedlichsten Fachrichtungen einen Großteil ihrer Freizeit. Am ersten Sonntag im August wird sich am Hockenheimring entscheiden, für wen es sich am meisten gelohnt hat und wer sich in der kommenden Saison erneut den Kopf zerbrechen muss über ausgefallene Bauteile.

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Von Lisa Schneider | Präsentiert von VDI Logo
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