29.01.2014, 15:40 Uhr | 0 |

Olympia in Sotschi Russischer Oppositionsführer listet angebliche Korruptionsfälle auf

Dass die Winterspiele von Sotschi die teuersten olympischen Wettkämpfe aller Zeiten werden würden, war längst klar. Wie viel von den mehr als 40 Milliarden Euro aber in dunklen Kanälen versickerte, ist schwer zu ermitteln. Der russische Oppositionelle Alexander Nawalny will zahlreiche Fälle belegen.

Bauarbeiten in Sotschi
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Bauarbeiten in Sotschi: Die Gesamtkosten für Sportstätten und Infrastruktur haben sich von zehn auf 40 Milliarden Euro erhöht. Der russische Oppositionelle Alexander Nawalny hat im Internet eine Liste veröffentlicht, mit der er belegen will, dass milliardenhohe Bestechungsgelder geflossen sind. 

Foto: EPA

Wenn Alexander Nawalny Recht hat, dann hätten die Spiele von Sotschi viel billiger sein können. Denn dann sind Milliardenbeträge versickert, als Bestechungsgelder gezahlt oder Freunden von Staatspräsident Putin in die Taschen geschoben worden. Nawalny ist einer der bekanntesten Putin-Gegner in Russland. Mit den auf einer neuen Webseite veröffentlichten Daten will er zeigen, dass Vergabe und Errichtung von Bauten wie Infrastruktur durch und durch von Korruption geprägt waren.

Einige illustre Beispiele: Allein beim Straßenbau hätten sich Oligarchen-Freunde Putins um mehrere Milliarden Euro bereichert, behauptet Nawalny. Statt der veranschlagten Summe von etwa 8,5 Milliarden Euro habe das Organisationskomitee mindestens 16 Milliarden bezahlt. Das Stadion Fischt, in dem die Eröffnungszeremonie stattfinden wird, sei zweieinhalb Mal so teuer geworden wie geplant. Und die Skisprung-Schanzen hätten sogar das 36-fache der ursprünglichen Kalkulation gekostet.

Teurer als Olympische Sommerspiele 2008 in Peking

Die Gesamtkosten für Sportstätten und Infrastruktur sind von ursprünglich geplanten rund zehn Milliarden Euro auf mehr als 40 Milliarden gestiegen – diese Rechnung ergibt sich zumindest dann, wenn man den enormen Kursverfall des Rubel in der Zwischenzeit herausrechnet. Offizielle Angaben dazu gibt es aktuell nicht.

Der Hauptgrund dafür, dass Sotschi sogar teurer wird als Peking 2008, ist der Umstand, dass kaum vorhandene Strukturen genutzt werden konnten. Sämtliche Sportanlagen und viele Straßen oder Zugstrecken mussten neu gebaut werden. Sotschi war in seiner subtropischen Lage kein Wintersportort, sondern ein Ziel für die Sommerfrische. Jetzt sind zahlreiche neue Bauten entstanden: Der so genannte Bolschoi-Eispalast für die Eishockeyspiele hat die Gestalt eines gefrorenen Wassertropfens und soll nach offiziellen Angaben etwa 200 Millionen Euro gekostet haben. Spezielle Mehrschichtscheiben schützen das Gebäude vor den milden Temperaturen. Zwölf Millionen Euro Kosten sollen es für das kleine Curling-Center gewesen sein, dessen Fassade zugleich ein gigantischer Bildschirm für TV-Übertragungen ist. Die Anlage der alpinen Skigebiete hat mehr als 200 Millionen Euro verschlungen.

Ähnlich sind die Dimensionen bei der Infrastruktur. Allein eine Schnellstraße soll mehrere Milliarden Euro gekostet haben. Öffentliche Verkehrsmittel für den Fernverkehr gab es zuvor fast gar nicht, nun wurden Gleise teils bis in die hochgelegenen Skigebiete verlegt. Die Bahnsparte von Siemens erhielt einen Auftrag für 38 Triebwagen im Wert von 410 Millionen Euro, die bei Temperaturen von bis zu 40 Grad minus noch reibungslos funktionieren müssen.

Großaufträge für deutsche Firmen

Viele weitere deutsche Unternehmen haben von dem olympischen Gigantismus profitiert. Die deutsche Auslands-Handelskammer listet rund 100 Firmen und einen Gesamt-Auftragswert von 1,5 Milliarden Euro auf. Darunter seien neben Konzernen wie Siemens auch viele Mittelständler. So ging einer der ersten Großaufträge im März 2008 an die süddeutsche Firma Herrenknecht, die für Straßen- und Schienenbauprojekte in Sotschi einen Tunnelbohrer lieferte. Ein weiteres Paradebeispiel ist die Firma Kannegiesser aus Vlotho bei Bielefeld. In Sotschi baute das Unternehmen eine Waschstraße, die täglich bis zu 100 Tonnen Textilien waschen kann.

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Von Werner Grosch
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