19.07.2013, 11:00 Uhr | 0 |

42. WorldSkills Olympisches Flair bei der Leipziger Berufs-WM

Bei den Weltmeisterschaften der Berufe trafen sich über 1000 junge Fachkräfte in Leipzig, um die Besten unter sich zu ermitteln. Die Asiaten erwiesen sich in den meisten der 46 Disziplinen als wahre (Welt-)Meister ihres Fachs, die Deutschen schafften es neunmal aufs Siegertreppchen.

World Skills Leipzig 2013
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Der deutsche Fliesenleger Björn Bohmfalk wird von Zuschauern bei den "World Skills Leipzig 2013" auf dem Messegelände in Leipzig (Sachsen) gefeiert. Mehr als 1000 Teilnehmer aus 53 Ländern suchten bei den viertägigen Wettkämpfen in 46 Berufen ihre Weltmeister. 

Foto: dpa/Jan Woitas

Konzentriert schauen Thomas Kühler und Martin Reichert auf ihren Laptop. Die Thüringer stehen vor dem Wettkampffeld und warten auf den Start. Ihre Aufgabe: Aufspüren von Kindern, die sich im Schwarzwald verlaufen haben. Schwarze Klötze auf dem 4,40 m x 2,20 m großen Parcours bilden die Schwarzwaldbäume – darüber orange Paletten, in denen fünf Holzköpfe hocken: Sie symbolisieren die Schüler. Eine schräge Aufgabe! Zumal für einen Computer, der aussieht wie eine Kreuzung aus Mondfahrzeug und Keksdose, ergänzt um Sensoren, Kamera und einen Gabelstaplerarm.

Drei Stunden zuvor hatten sie die Aufgabenstellung erfahren. Der Zeitdruck, unter dem sie den Roboter programmieren müssen, ist extrem. Dennoch gibt sich der 21-jährige Thomas Kühler locker. Schließlich war der Mechatroniker Europameister und Deutscher Meister im Fach "Mobile Robotik" und zählt zu den Favoriten unter den 19 Teams aus aller Welt.

Dann geht es ganz schnell. Zu schnell. Kaum hat der kanadische Wettkampfleiter "Three, two, one – go!" gezählt, ist es schon vorbei. Der elektronisch gesteuerte Kinderretter rutscht auf seinen Rollen über den Boden und prallt gegen die Bande. Null Punkte für die Deutschen. "Das Tempo war zu hoch, die Räder haben nicht gegriffen", ärgert sich Kühler.

Noch ist aber nichts zu spät. In Runde zwei läuft es für die Thüringer, die bei Schuler Pressen in Erfurt arbeiten, planmäßig: Sie sollen den mobilen Roboter neun Paletten mit je fünf Kegeln in ein Zielfeld fahren lassen, ohne dass etwas umfällt. Nach einigen Minuten stehen diesmal alle Paletten sauber im Ziel. Das Publikum applaudiert. Die Jungs atmen durch.

Dennoch reicht es für die Europameister am Ende nicht aufs Treppchen. Die Konkurrenz aus Asien ist zu stark. Deutlich siegt das Duo aus Südkorea, gefolgt von den Teams aus dem Iran und Japan. Die Deutschen landen im Mittelfeld.

Ein ähnliches Bild bieten die meisten anderen der 46 Disziplinen: Südkorea, Taiwan und Japan holen die meisten Medaillen, lediglich die Schweiz schlägt sich stark für den alten Kontinent. Die Bundesrepublik schafft es immerhin zweimal auf Platz 1. Hinzu kommen viermal Silber und dreimal Bronze und damit unterm Strich ein siebter Platz in der Nationenwertung.

Die erste WorldSkills in der Bundesrepublik seit 40 Jahren dürfte dem Berufsnachwuchs hierzulande aber Auftrieb gegeben haben. Denn an den 900 Wettkampfstätten, die sich über das 81 300 m² große Leipziger Messegelände verteilten, ging es fast zu wie bei Olympia: Es gab Nationalmannschaften, internationale Wertungsjurys, eine große Eröffnungsfeier, ein bombastisches Abschlusszeremoniell und 205 000 Besucher. Wo auch immer gewerkelt und getüftelt, programmiert und montiert, geschweißt und lackiert wurde, bildeten sich Trauben meist junger Leute.

Leipzig bot eine große Autowerkstatt, in der Dank Sponsoren je ein halbes Dutzend fabrikneue Cabrios und Kombis standen. Es wurden Werkstätten für Maurer, Schreiner und Rohrleger errichtet, Kabinen für Autolackierer aufgebaut, ganze Batterien an E-Schaltkästen installiert, Krankenstationen, Kosmetiksalons und Großküchen simuliert und gewaltige Computerbüros arrangiert.

Immerhin konkurrierten erstmals über 1000 junge Fachkräfte aus 53 Ländern um die Weltmeistertitel. Jeder hatte sich zuvor in nationalen Ausscheiden durchsetzen müssen. "Die Berufe-WM ist eine Bewegung", freute sich der Brite Simon Bartley, der als Präsident der globalen Dachorganisation WorldSkills International vorsteht.

Auch Elfi Klumpp, geschäftsführendes Vorstandsmitglied von WorldSkills Germany, war hochzufrieden: Man wolle den "Schwung dieser fantastischen Weltmeisterschaft" nutzen, noch mehr Unternehmen und Partner für die Ausrichtung von beruflichen Leistungswettbewerben zu gewinnen. Motto: vom Spitzen- zum Breitensport.

Dass diese Berufe-WM in Deutschland noch Anerkennung über Fachkreise hinaus sucht, bestätigt auch Hubert Romer, Geschäftsführer der WorldSkills Leipzig. Er wünscht sich eine "zentrale, nationale Berufe-Meisterschaft, wie es sie in anderen Ländern gibt". Bisher werden die WorldSkills-Starter bei Veranstaltungen wie Fachmessen ermittelt.

In Asien kommt eine WorldSkills-Auszeichnung fast schon einer Olympiamedaille gleich. Auch in Brasilien, das ebenso viele Starter wie das Gastgeberland aufbot, können erfolgreiche Teilnehmer mit einer schillernden beruflichen Zukunft rechnen und werden bei ihrer weiteren Entwicklung massiv unterstützt.  HARALD LACHMANN

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Von Harald Lachmann | Präsentiert von VDI Logo
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