23.06.2013, 07:00 Uhr | 0 |

Erfinder und Tüftler Kuckucksuhren – eine gute Idee aus Pappe

Steffen Bittmann und Merlin Becker haben sich der Produktion von Kuckucksuhren verschrieben. Die Souvenirs aus dem Schwarzwald finden noch immer zahlreiche Käufer, vor allem wenn sie aus Pappe sind, wie die "einzigartigen und nachhaltigen" Produkte von "Bit & Becker".

Kuckucksuhr aus Pappe
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Grün ist nur eine Farbvariante der Kuckucksuhren aus Pappe. Immer dabei ist der ausruhende Müller auf seiner Bank.

Foto: Bit&Becker

Obwohl nur wenige Kilometer von der Industriestadt Gaggenau entfernt, erfüllt Michelbach alle Vorstellungen, die man sich von einem beschaulichen Schwarzwalddörfchen macht. Idyllische Fachwerkhäuser säumen den gleichnamigen Bach, der sich durch den beschaulichen Ortskern schlängelt. Umrahmt wird diese Szenerie von einer Gartenlandschaft, an die sich nahtlos die sanft ansteigenden Hänge des Nordschwarzwaldes anschließen.

In einer solchen Umgebung drängt sich der Gedanke an Kuhglocken, Wetterhäuschen und Kuckucksuhren auf. Jahrzehntelang haftete diesen Accessoires der Ruf des Antiquierten an. Durch Steffen Bittmann und Merlin Becker wurde zumindest das Image der Kuckucksuhren von seiner Patina befreit.

Knallbunte Kuckucksuhren aus der Backstube

Der Kommunikationsdesigner und der Ingenieur für Medientechnologie hatten die Idee, dem traditionsreichen Zeitmesser ein modernes Outfit zu verpassen. In der ehemaligen Bäckerei von Bittmanns Großmutter produzieren die Jungunternehmer knallbunte Kuckucksuhren aus Pappe. Wo früher Brot verkauft wurde, montieren sie jetzt ihre Uhren, die Backstube ist Ideenschmiede.

"Die Papp-Kuckucksuhren haben sich zu einem Renner entwickelt", erzählt Merlin Becker. Seit Herbst 2012 wurden rund 5000 Stück verkauft. Zwischen 25 € und 60 € kostet ein Mitbringsel aus dem Schwarzwald. "Die Leute haben die Nase voll von dem gängigen futuristischen Design", erklärt Steffen Bittmann die hausgemachte Erfolgsstory. "Mit unseren Uhren liegen wir voll im Trend eines neu aufkommenden Heimatgefühls."

Zwischen fünf unterschiedlichen Farbmodellen und drei verschiedenen Uhrwerken können die Fans von Kuckucksuhren wählen, darunter auch der Leopardenlook à la "Wildkatze". Bestückt sind sie entweder mit einem einfachen Quarzwerk oder mit einem Pendel- bzw. Schlagwerk. Der Kuckuck rührt sich aber bei allen Varianten nicht vom Fleck – noch nicht.

Erste Kuckucksuhr als App

Die erste Kuckucksuhr-Idee setzte Becker in Form einer App für iPhones um. "Das kam zwar ganz gut an, doch eine Uhr auf ein iPhone zu laden, ergibt eigentlich keinen Sinn." Warum die Kuckucksuhr nicht gleich an die Wand nageln? Das Projekt "Kuckucksuhr aus Pappe", mit Pepp und wenig Gewicht, war geboren. Ein bisschen Garagen-Flair klingt durch, wenn Steffen Bittmann und Merlin Becker von den Anfängen ihrer Kooperation erzählen. Die begann bereits während ihrer Schulzeit.

Schon damals tüftelten die beiden an Computerspielen, entwarfen Comics und Logos. Anschließend studierte Becker im thüringischen Ilmenau Medientechnologie, Bittmann machte in Mannheim, wo er noch immer einen Lehrauftrag hat, seinen Abschluss als Kommunikationsdesigner. Doch der Kontakt zwischen den beiden riss nie ab. Noch während des Studiums gründeten sie die Softwarefirma "Bit & Becker" und verdienten ihr Geld mit Webseiten und Shop-Systemen. Vor allem aber verfolgten sie eigene Ideen und deren Umsetzung. "An Marktanalysen und Businessplänen haben wir uns nie orientiert", so Steffen Bittmann.

Die beiden Jungunternehmer haben nichts gegen Begriffe wie Tüftler und Erfinder. Im Gegenteil. Sie bekennen sich dazu. Dieser Eindruck bestätigt sich, wenn Merlin Becker von den Anfängen der Pappuhrproduktion erzählt, die mit einer Bierbank und zwei Laptops begann. "Stanzen, kleben, alles machten wir in Eigenregie."

Pizzaschachteln als Verpackung

Als Verpackung verwendeten sie Pizzaschachteln. Auch heute noch geht keine Uhr auf Reise, ohne dass sie durch die Hände der Freunde gegangen ist. Zifferblatt, Pendel und Tannenzapfen werden auf Pappe geklebt und die Figuren aufgesetzt, die den Uhren den gewünschten 3-D-Effekt verleihen.

Stolz sind Steffen Bittmann und Merlin Becker, dass es sich bei ihren Kuckucksuhren um regionale und nachhaltige Produkte handelt. Den Rohstoff liefert eine Murgtäler Papierfabrik, gedruckt und gestanzt wird im nahe gelegenen Baden-Baden und das Uhrwerk kommt von einem Schwarzwälder Uhrmacher.

Auf ein ausgefeiltes Vertriebsnetz haben Steffen Bittmann und Merlin Becker von vornherein verzichtet. "Wir machen das so, wie es unseren Vorstellungen entspricht." Dazu zählen ein Online-Shop und Mund-zu-Mund-Propaganda. Auch in den Souvenirläden in und um Gaggenau sind die bunten Uhren zu bekommen. Da sie leicht zu transportieren sind, schafften sie den Sprung nach Sydney, New York und Tokio.

Große Nachfrage nach den schrillen Uhren

Das Geschäft läuft hervorragend. Die Nachfrage ist so groß, dass der Gedanke nahe liegt, Montage und Verpackung auszulagern, um mehr Raum zur Realisierung neuer Ideen zu schaffen. Ein Radiowecker aus Pappe für iPhones steht vor der Marktreife. In den Startlöchern befindet sich eine kleine Schwester der großen Kuckucksuhr für jüngere Käufer.

Freunde, Verwandte und Fans, die Vorschläge unterbreiten, beraten die beiden. Irgendwann könnte sich auch der bislang zurückhaltende Kuckuck aus seinem Häuschen melden. Das sollte nur eine Frage der Zeit sein.

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Von M. Etspüler | Präsentiert von VDI Logo
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