05.09.2014, 10:59 Uhr | 0 |

Beweis für soziales Lernen Kluger Kakadu bringt Artgenossen Werkzeuggebrauch bei

Der Goffini Kakadu Figaro hat männliche Artgenossen auf die Idee gebracht, ein Holzstäbchen zu benutzen, um sich eine Nuss zu ergattern. Die gelehrigen Schüler entwickelten sogar ihre eigene Art, das Stöckchen als Werkzeug zu gebrauchen. Für die Forscher der Universität Wien der Beweis, dass die Tiere errungene Erkenntnisse durch soziales Lehren und Lernen weitergeben.

Kakadu Figaro an der Universität Wien
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Kakadu Figaro hatte herausgefunden, dass man mit einem langen Holzstab eine leckere Nuss in einem Gitterkäfig erreicht. Er hat diese Errungenschaft im Experiment anderen Kakadus beibringen können. 

Foto: Universität Wien

Wie komme ich an eine leckere Nuss, die unerreichbar in einer Gitterbox liegt? Für Goffini Kakadu Figaro kein Problem. Der Versuchsvogel der Wissenschaftlerin Alice Auersperg von der Universität Wien schiebt einen länglichen Holzspan durchs Gitter und holt sich die Nuss damit so nah heran, dass er sie mit dem Schnabel packen kann.

Jetzt sollte er den Trick seinen Artgenossen zeigen. Und siehe da: Zumindest die männlichen Kollegen guckten sich nicht nur ab, dass sie das Stäbchen als Werkzeug benutzen können, sie machten es sogar auf ihre eigene Art. Mit ihrem Experiment konnten Forscher der Universitäten Wien und Oxford und des Max-Planck-Institut Seewiesen erstmals nachweisen, dass Goffini Kakadus in der Lage sind, errungene Kenntnisse durch soziales Lehren und Lernen weiterzugeben. Und zwar durch Emulationslernen, wie Psychologen es nennen: Die Versuchsprobanden imitierten ein Verhalten nicht einfach nur, sie entwickelten ihre eigene Methode, die aber zum selben Ergebnis führte.

Zum Lernen brauchte es den Lehrer

Alice Auersperg und ihr wissenschaftliches Team bauten folgenden Versuch auf: Eine Gruppe von drei männlichen und drei weiblichen Goffini Kakadus konnten den Demonstrator Figaro dabei beobachten, wie er sich mit einem Holzstäbchen eine Nuss aus einer Gitterbox holte. Für eine zweite Gruppe von männlichen und weiblichen Kakadus wurden Nuss und Stöckchen zur Kontrolle der sozialen Interaktion mit Hilfe von Magneten wie von Geisterhand bewegt. Diese Kakadus konnten also nur beobachten, wie die Nuss ohne Zutun Figaros ganz von selbst in Reichweite kam.

Danach wurden alle Beobachter einzeln vor die gleiche Aufgabe gestellt wie ihr Lehrer. Das Ergebnis: Die drei männlichen Versuchsvögel aus der Gruppe, die Figaro beobachtet hatten, setzten das Stöckchen ebenfalls ein, um an die Nuss zu kommen. Alle anderen nicht. Als wäre das nicht schon erstaunlich genug, konnten die Forscher obendrein feststellen, dass der Stöckchen-Einsatz bei den Schülern anders vonstatten ging als beim Lehrer.

Eigene Strategie – gleiches Ergebnis

Figaro hält das Werkzeug am äußersten Ende mit dem Schnabel, schiebt es mehrfach durchs Gitter und benutzt es als Harke. Sein Schüler, Kakadu Doolittle, hält das Stöckchen ebenfalls am Ende, schiebt es jedoch unter dem Gitter hindurch und schubst sich die Nuss entgegen, indem er das Stöckchen als Hebel benutzt. Schüler Pipin schiebt das Werkzeug mit der Zunge am Stöckchen entlang, Stück für Stück unter dem Gitter hindurch, um der Nuss dann ebenfalls einen Stubbs in seine Richtung zu versetzen. Nicht im Film zu sehen: Der dritte erfolgreiche Kakadu namens Kiwi verfuhr ebenso wie Doolittle.

Schon im Jahr 2012 hatte ein Team um Alice Auersperg veröffentlicht, dass Figaro in der Lage ist, sich selbst einen länglichen Span aus einem Stück Holz zu piddeln, um es sodann als Werkzeug zu nutzen. Wie die Forscher damals schlussfolgerten, waren diese Fähigkeiten nicht angeboren, sondern wurden aufgrund einer unspezialisierten Intelligenz des Kakadus erworben. Mit ihrem aktuellen Versuch konnten die Forscher nun erstmals nachweisen, dass Goffini Kakadus in der Lage sind, errungene Kenntnisse durch soziale Übertragung weiterzugeben.

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Von Susanne Neumann
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