24.01.2014, 14:57 Uhr | 0 |

Papst zur sozialen Kommunikation „Internet ist ein Geschenk Gottes“

In einem Schreiben zum Welttag der sozialen Kommunikation am 1. Juni hat Papst Franziskus jetzt seine Gedanken zur Rolle des Internets in der global vernetzten Welt geäußert. Der Heilige Vater steht den modernen Kommunikationsmitteln durchaus offen gegenüber, warnt aber gleichzeitig vor deren Gefahren.

Papst Franziskus
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Papst Franziskus: Der Heilige Vater steht den modernen Kommunikationsmitteln durchaus offen gegenüber, warnt aber gleichzeitig vor deren Gefahren.

Foto: dpa/Michael Kappeler

Papst Franziskus ruft den Gläubigen seiner katholischen Kirche starke Worte zu: „Habt keine Angst, Bürger der digitalen Umwelt zu werden!“ Der Heilige Vater sieht im Internet eine Chance für die Verbreitung des kirchlichen Glaubens. „Besonders das Internet kann allen größeren Möglichkeiten der Begegnung und der Solidarität untereinander bieten, und das ist gut, es ist ein Geschenk Gottes“, sagt der Papst.

Franziskus hat auf Twitter über zehn Millionen Followers

Der 77-jährige Franziskus selbst geht mit gutem Beispiel voran: Er twittert seit seinem Amtsantritt am 13. März 2013 regelmäßig zu seinen über zehn Millionen Followern Nachrichten wie diese, gesendet am 27. Oktober 2013: „Liebe Follower, wie ich sehe, seid ihr jetzt mehr als zehn Millionen! Ich danke euch herzlich und bitte euch, weiter für mich zu beten.“ Die Idee zu twittern stammt von Papst Benedikt XVI, dem Vorgänger Franziskus, der im Dezember 2012 mit dem regelmäßigen Versenden der digitalen Kurznachrichten begonnen hatte. Allerdings erweckte der kurz danach am 28. Februar 2013 spektakulär zurückgetretene Benedikt XVI nicht den Eindruck, als sei für ihn das Internet ein Geschenk Gottes. Im Gegenteil: Im April 2010 warnte er vor einer „Verschmutzung des Geistes“ durch das Netz. Anders Franziskus.

„Dank des Netzes kann die christliche Botschaft bis an die Grenzen der Erde gelangen“

Das Oberhaupt der katholischen Kirche sieht im Internet die Chance, zu missionieren: „Auch dank des Netzes kann die christliche Botschaft bis an die Grenzen der Erde gelangen. Die Türen der Kirchen öffnen bedeutet auch, sie der digitalen Umwelt zu öffnen.“ Der Pontifex warnt allerdings auch vor den problematischen Seiten des Internets. „Die Geschwindigkeit der Information übersteigt unsere Reflexions- und Urteilsfähigkeit und gestattet es nicht, dass wir uns selbst in abgewogener und rechter Weise ausdrücken.“ Die Verbindung durch das Netz müsse begleitet sein von einer wirklichen Begegnung, denn der Mensch könne nicht allein und in sich selbst verschlossen leben. „Die Vielfalt der Meinungen kann als Reichtum wahrgenommen werden; aber es ist auch möglich, sich in einen Raum von Informationen zu verschließen, die nur unseren Erwartungen und Vorstellungen oder auch bestimmten politischen oder wirtschaftlichen Interessen entsprechen. Die kommunikative Umwelt kann uns behilflich sein zu reifen oder, im Gegenteil, die Orientierung zu verlieren.“

„Nicht ein Netz aus Leitungen, sondern aus Menschen“

Der in Argentinien geborene Jorge Mario Bergoglio bietet in seinem zum katholischen Welt-Kommunikationstag veröffentlichten Brief an die Gläubigen eine durchaus kundige und kritische Würdigung des Internets: „Wenn die Kommunikation überwiegend dazu dient, zum Konsum zu veranlassen oder die Menschen zu manipulieren, haben wir es mit einer gewalttätigen Aggression zu tun“, warnt Papst Franziskus: „Das digitale Netz kann ein an Menschlichkeit reicher Ort sein, nicht ein Netz aus Leitungen, sondern aus Menschen.“

Franziskus will die Kirche wieder mehr auf der Straße sehen

Franziskus hält die Medien nur scheinbar für neutral. „Nur wer in die Kommunikation sich selbst einbringt, kann einen Orientierungspunkt darstellen.“ Und dann bekennt der Papst Farbe: „Ich wiederhole es oft: Bei der Alternative zwischen einer Kirche, die auf die Straße geht und dabei Probleme bekommt und einer Kirche, die an Selbstbezogenheit krank ist, habe ich keinen Zweifel, der ersten den Vorzug zu geben. Und die Straßen sind die der Welt, wo die Menschen leben, wo man sie erreichen kann. Unter diesen Straßen sind auch die digitalen, überfüllt von Menschen, die oft verwundet sind: Männer und Frauen, die eine Rettung oder eine Hoffnung suchen.“

Franziskus möchte den Blick für die immer größere Spaltung der Gesellschaft wieder schärfen. „Auf globaler Ebene sehen wie den skandalösen Abstand zwischen dem Luxus der Reichsten und dem Elend der Ärmsten. Oft genügt es, durch die Strassen einer Stadt zu gehen, um den Kontrast zu sehen zwischen den Menschen, die auf dem Bürgersteig leben und den funkelnden Lichtern der Geschäfte.“ Letztlich ist es ein fruchtbarer Dialog zwischen den Menschen, den Papst Franziskus einfordert. Und für diesen ist das Internet nur eine Möglichkeit unter vielen.

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Von Detlef Stoller
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