19.08.2014, 16:15 Uhr | 0 |

hitchBOT erreicht Pazifik In drei Wochen trampte Roboter hitchBOT quer durch Kanada

Das Experiment ist geglückt: Unbeschadet hat der trampende Roboter hitchBOT am Sonntag die kanadische Pazifikinsel Vancouver Island erreicht. Am Donnerstag wird er zu seiner großen Willkommensparty im Kunstzentrum Open Space in Victoria auf Vancouver Island erwartet. Am 27. Juli hatte die ungewöhnliche Reise des kleinen Roboters mit dem freundlichem LED-Gesicht begonnen. 

Ankunft von hitchBOT auf Vancouver Island
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Der kanadische Roboter hitchBOT ist auf Vancouver Island angekommen und hat damit als erster trampender Roboter der Welt 6000 Kilometer quer durch Kanada zurückgelegt. 

Foto: Twitter

In Halifax, der am Atlantik gelegenen Hauptstadt Neuschottlands, hatten ihn seine Erfinder, Ingenieure und Informatiker der Universitäten in Toronto und Hamilton, vor drei Wochen am Straßenrand ausgesetzt. Ganz allein und auf sich und seine vorprogrammierten Möglichkeiten gestellt, musste hitchBOT aufbrechen. Man schickte ihn auf eine über 6000 Kilometer lange Reise per Anhalter, um zu testen, ob ein Roboter den Menschen trauen kann.

hitchBOT konnte den Menschen vertrauen

Denn hitchBOT sollte nicht etwa erkunden, ob ein Roboter trampen kann, sondern ob die Maschine sich dabei auf den Menschen verlassen kann. Das soziale Experiment hitchBOT ist sozusagen das Baby der Wissenschaftlerin Frauke Zeller von der Ryerson University Toronto und des Assistenzprofessors David Harris Smith von der McMaster-Universität in Hamilton (Ontario).

hitchBOT sollte also nicht möglichst schnell Mama oder Papa rufen, sondern die zentrale Frage beantworten, ob der Roboter dem Menschen vertrauen kann. Er kann, wie die jetzt geglückte Reise zeigt – zumindest dann, wenn der Roboter so prominent ist wie der kanadische Teenie-Star Justin Bieber und von einer gewaltigen Medienlawine begleitet wird.

Damit das Experiment überhaupt gelingen konnte, hatten die Ingenieure und Informatiker der beiden Universitäten hitchBOT mit künstlicher Intelligenz, Internetanschluss und GPS, Spracherkennungs- und Sprachverarbeitungssoftware und einem Servomotor ausgerüstet, der einen Arm des Roboters zum Autostopp heben und senken kann.

Sie steckten den Computerchip des BOTs in einen Eimer als Torso, klebten auf die Oberfläche ordentlich Solarzellen für die Stromversorgung und spendierten auch noch einen Anschluss für Zigarettenanzünder in Autos, damit sich hitchBOT während der Fahrt tüchtig aufladen konnte. An eine Billigproduktion erinnern die montierten Arme und Beine aus Schwimmnudeln samt Händen aus herkömmlichen Spülhandschuhen. Als Laufwerkzeuge mussten ein paar schicke Gummistiefel herhalten.

Ein Kopf aus einer Kuchenhaube, in der ein einfaches Gesicht aus LED-Lichtern steckt, toppt die Tonne. Insgesamt ist hitchBOT etwa so groß wie ein Sechsjähriger, schwer genug, um nicht vom Zugwind vorbeifahrender Autos umgepustet zu werden, aber leicht genug, dass ihn ein Erwachsener bequem in sein Auto verfrachten konnte. „Wie eine Radarfalle, die als Mülltonne getarnt ist“, sehe der hitchBOT aus, kommentiert ein Deutscher auf der Facebook-Seite des Roboters.

Zehntausende Fans verfolgten die Reise per Facebook, Twitter und Instagram

Die Gesamtkonstruktion erwies sich als Erfolgsrezept: Die kanadischen Autofahrer rissen sich darum, den von einer enormen Medienkampagne begleiteten hitchBOT mitzunehmen. In drei Wochen transportierten sie das Kerlchen über 6000 Kilometer quer durch das riesige Land Kanada.

Per GPS-Daten konnten die Fans seine Reise auf seiner Internetseite verfolgen. Rund 34.000 Follower hatte hitchBOT auf Twitter, 11.800 auf Instagram und fast 45.000 Personen klickten auf seiner Facebookseite, dass sie den kleinen Roboter mögen. Und auch diejenigen, die das Glück hatten, hitchBOT im echten Leben zu treffen, zeigten fleißig ihre Bilder von den Begegnungen im Internet. So ist das Experiment geglückt, und es wäre bewiesen: „Yes, they can“. Roboter können den Menschen vertrauen – zumindest ein vermenschlichter Roboter.

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Von Susanne Neumann
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