10.02.2015, 12:39 Uhr | 0 |

Schummel-App am Handgelenk Immer mehr Unis verbieten Armbanduhren während Prüfungen

Nun hat auch die City University in London ihren Studierenden verboten, während schriftlicher Prüfungen Armbanduhren zu tragen. Damit folgt sie diversen anderen Hochschulen in Großbritannien aber auch Belgien. Der Hintergrund ist die Angst vor zunehmenden Spick-Versuchen mittels Smartwatch. Dass solche Befürchtungen nicht unbegründet sind, zeigt eine eigens entwickelte Schummel-App. 

Samsung "Gear S" Smartwatch
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Schlichte Armbanduhr oder Smartwatch? Weil sich das auf einen Blick nicht feststellen lässt, verbieten einige Universitäten inzwischen bei schriftlichen Prüfungen generell das Tragen von Uhren. Schliesslich können mit einer Smartwatch prima Informatione reingeholt werden.

Foto: Rainer Jensen/dpa

An manchen Universitäten ticken die Uhren erstens anders und zweitens neuerdings gar nicht mehr. Diverse Hochschulen in Großbritannien sowie Belgien haben das Tragen von Armbanduhren während schriftlicher Prüfungen bereits untersagt. Hintergrund ist die Angst vor möglichen neuen Varianten des Spickens.

Hinter so mancher scheinbar normalen Armbanduhr könnte sich eine Smartwatch verbergen – quasi ein verlängerter Arm des Smartphones. Oft sehen die virtualisierten Ziffernblätter inklusive rotierender Sekundenzeiger denen mechanischer oder batteriebetriebener Uhren derart ähnlich, dass Smartwatches alles andere als leicht zu erkennen sind.

Außerdem scheuen die Universitäten wohl den logistischen Aufwand, überhaupt solche Kontrollen durchzuführen. Deswegen gilt für alle: Uhren aus!

Uni stellt eigene Uhren zur Verfügung

An der City University in London müssen Studierende ihre Armbanduhren während Klausuren in fest verschlossenen Kunststoff-Boxen unter dem Tisch verstauen. Um den Prüflingen aber nicht komplett das Zeitgefühl zu nehmen, steuerte die Hochschule gegen und hat zusätzliche Uhren an den Wänden der Hörsäle angebracht. Bei Bedarf stellt die Uni für die Prüfungszeit auch kleine Tischuhren zur Verfügung.

Eine Reihe von Weckern in dem Regal eines Kaufhauses in Frankfurt/Main zeigen die Uhrzeit "halb drei" (Archivfoto vom 28.10.2004). Am kommenden Sonntag (30.10.2005) endet die Sommerzeit - um 3.00 Uhr werden die Uhren um eine Stunde auf 2.00 Uhr zurückgestellt. Die Zeitumstellung gibt es in Deutschland seit 1980. Vor allem sollte nach den Erfahrungen der Ölkrise 1973 durch eine bessere Nutzung von Tageslicht Energie gespart werden. Foto: Jan Woitas (zu dpa-Korr "Zurück zur Normalzeit: Eine Stunde mehr - Fluch oder Segen?" vom 24.10.2005) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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In der City University in London gibt es auch schon mal eine Tischuhr für den Prüfling.

Foto: Felix Heyder

Vorreiter des Uhren-Verbots am Handgelenk dürfte die Arteveldehogeschool gewesen sein. Auch diese katholische Hochschule im belgischen Gent sieht in Armbanduhr-Kontrollen vor Prüfungen einen zu zeitintensiven und deshalb nicht durchführbaren bürokratischen Aufwand.

Schummel-App für Smartwatch entwickelt

Dass die Angst der Hochschulen vorm digitalen Spicken gar nicht allzu weit hergeholt ist, zeigen Forscher der University of Michigan. Die Wissenschaftler haben in einer Fallstudie aufgeführt, welche Möglichkeiten eine Smartwatch betrugswilligen Studierenden bieten kann und die App namens ConTest entwickelt.

Das kleine Programm für die recht weit verbreitete Pebble-Smartwatch ermöglicht den Prüfungsteilnehmern, sich mithilfe der Uhr über die Antworten in Multiple-Choice-Tests abzustimmen. Was die jeweils mehrheitlich gewählte Lösung ist, wird dem Uhrenträger in Form äußerst unauffälliger Pünktchen in der Datums- und Zeitanzeige vermittelt.

Was für Außenstehende aussieht wie ein simpler Pixelfehler, ist in Wahrheit ein Spick-Code. Die Studierenden müssen allerdings vorher lernen, diesen auch richtig zu lesen. Ein mögliches Hindernis: Um zu funktionieren, benötigt die Pebble-Watch den Kontakt zu einem Smartphone. Aber auch diese sind an vielen Unis in Prüfungen längst verboten.

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Von Jan-Martin Altgeld
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