10.05.2013, 15:29 Uhr | 0 |

Lange Nacht der Industrie Hinter die Kulissen blicken

Auch in diesem Jahr öffnen zahlreiche Unternehmen deutschlandweit ihre Pforten im Rahmen der „Langen Nacht der Industrie“ und gewähren Interessierten Einblick in ihre Tätigkeiten. Die Teilnahme lohnt sich. 

Das Krefelder Unternehmen Cargill öffnete sich 2012 für die Lange Nacht der Industrie.
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Das Krefelder Unternehmen Cargill öffnete sich 2012 für die Lange Nacht der Industrie.

Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation

Eine laue Nacht, ein kühles Bier direkt aus dem Sudhaus – so sieht ein gelungener Abend bei der Besichtigung eines Industriebetriebes aus, der sonst eher wenig romantisch arbeitet. Möglich wurde dies im vergangenen Jahr bei der Berliner „Kindl-Schultheiss-Brauerei“. Dort hatte man sich für einen Mix aus klassischer Brauereiführung und individueller Besichtigung entschieden. Nachdem die Gäste zusammen mit einem Bier eine kurze Einführung in die Geschichte der Brauerei und der Bierproduktion am Standort erhalten hatten, stellten die Mitarbeiter der Brauerei Produktionsteile vor, die während der üblichen Besichtigungstermine sonst normalerweise verschlossen bleiben. So wurden die Besucher etwa im Sudhaus darüber informiert, wie sich die Arbeit der Brauer und Mälzer im Alltag gestaltet.

Deutschlandweites Angebot

So ein intensiver Blick hinter die Kulissen ist nur bei der „Langen Nacht der Industrie“ möglich, die in diesem Jahr zum sechsten Mal deutschlandweit stattfindet.

Und das mit zunehmendem Erfolg: 2008 erstmals in Hamburg durchgeführt, nahmen 2011 bereits sechs und 2012 zehn deutsche Regionen an der Veranstaltung teil. Die Anzahl der teilnehmenden Unternehmen wuchs allein zwischen 2011 und 2012 von 125 auf 229, also um mehr als 80 %. Rund 10 000 Besucher nahmen an den Veranstaltungen im Vorjahr teil. In diesem Jahr werden Industriebetriebe in zwölf deutschen Regionen in elf Bundesländern dieses Veranstaltungskonzept nutzen, um für mehr Transparenz und Bekanntheit ihrer Arbeit zu sorgen.

„Die Industrie kämpft traditionell mit einem lauten, schmutzigen Image. Und zunehmend leidet gerade die produzierende Wirtschaft unter akutem Fachkräfte- und Nachwuchsmangel“, sagt Jürgen Henke, Geschäftsführer des Veranstalters prima events GmbH.

Spannende Produktionsprozesse hinter den Werkstoren

Mehr noch: Typische Zulieferer – selbst Weltmarktführer, sogenannte Hidden Champions – seien der Öffentlichkeit häufig völlig unbekannt und damit auch potenziellen Mitarbeitern. Mehr noch: „Viele Menschen wissen nur ansatzweise, welche Branchen in der eigenen Region angesiedelt sind, warum Industrie die Grundlage unseres Wohlstands ist, welche Ressourcen sie benötigt. Was sich heute hinter den Werkstoren der Unternehmen an spannenden Produktionsprozessen abspielt“, so Henke.

Dies zu ändern, ist Hauptanliegen der „Langen Nacht der Industrie“. Industriebetriebe und die Menschen in einer Region sollen zueinander gebracht werden. Die Erwartungen sind dabei durchaus unterschiedlich, doch eine Erkenntnis haben alle Unternehmen, dass es an gewisser Stelle an Sichtbarkeit mangele. Das kann bei dem einen die Bekanntheit bei den Arbeits- und Ausbildungsplatzsuchenden sein, andere Unternehmen wünschen sich mehr Aufmerksamkeit innerhalb des Konzerns.

So könne beispielsweise ein Hersteller von Steuerungssystemen für Hochgeschwindigkeitszüge auf spezialisierte Mitarbeiter angewiesen sein, jedoch außerhalb seiner Branche so gut wie unbekannt sein. Ein bekannter Automobilhersteller dagegen habe eine große Markenbekanntheit, jedoch sei der Standort Berlin innerhalb des Konzerns weit weniger präsent als die Werke in anderen Regionen.

„Hier helfen gezielte, regional ausgerichtete Maßnahmen, um die Unternehmen sowohl intern als auch extern mit Repräsentanten aus Wirtschaft und Politik, mit Verbänden und Anwohnern in Kontakt zu bringen“, so Henke.

Betriebe in kleinen Gruppen kennenlernen

Besucher haben während der „Langen Nacht der Industrie“ die besondere Gelegenheit, in kleinen Gruppen je zwei Betriebe von innen kennenzulernen und sich ein persönliches Bild von den Unternehmen zu machen. Anders als bei offiziellen Führungen, könnten die Gäste direkt mit den Mitarbeitern und Auszubildenden sprechen und Fragen stellen. Es wird dabei nicht nur Sachliches und Fachliches vermittelt, sondern unter Umständen auch, wie wohl die Angestellten sich in dem Betrieb fühlen. Bei der Aktion können Unternehmen und potenzielle Bewerber daher intensive Kontakte knüpfen: In jedem Betrieb sind Personalverantwortliche vor Ort und viele Gäste, die sich gezielt Touren ausgesucht haben, bringen sogar Bewerbungsunterlagen mit.

Manche Unternehmen lassen sich zu diesem Anlass etwas Besonderes einfallen, um sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren. So konnten Teilnehmer beim Nahrungsmittelhersteller „Mondelez“ in Bremen beim letzten Mal z. B. in Polarforscher-Outfits steigen und in eine Kältekammer bei minus 55° C steigen, in der Instant-Kaffee schockgefrostet wird. Beim Gerätehersteller für Labortechnik „eppendorf“ in Poppenbüttel war es den Besuchern mithilfe der hauseigenen Geräte möglich, einen fingierten Mord zu lösen. 

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Von Oliver Klempert
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