04.09.2013, 16:52 Uhr | 0 |

Hitzeschäden Glasfassade von Wolkenkratzer lässt Autos schmelzen

Derzeit wird in London ein 160 Meter hoher Wolkenkratzer mit 37 Stockwerken gebaut. Noch vor Fertigstellung dieses Hochhauses gibt es Probleme mit der Glasfassade. Sie reflektiert Sonnenstrahlen so stark, dass Plastikteile an nahe parkenden Autos schmelzen. 

Londoner Wolkenkratzer 20 Fenchurch Street
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Die gekrümmte Glasfassade des "Walkie Talkie" genannten Londoner Wolkenkratzers in der 20 Fenchurch Street kann bei intensiver Sonneneinstrahlung zur Gefahr werden und Autoteile wegschmelzen. 

Foto: 20 Fenchurch Street

Erst einmal unvorstellbar, doch für Martin Lindsay bittere Wahrheit: Der Geschäftsmann hatte seinen Jaguar XJ im Wert von 80 000 Euro zwei Stunden lang vor dem Hochhausin der 20 Fenchurch Street beipraller Mittagssonne geparkt. Als er zurückkehrte, befanden sich Teile seines Luxuswagens in butterähnlichem Zustand.

Straße stinkt nach angeschmortem Plastik 

„Ich spaziere die Straße hinunter und sehe, wie ein Mann Fotos schießt", berichtete Lindsay der „BBC". „Ich frage ihn, was los sei und er antwortet mir 'Haben Sie dieses Auto gesehen? Der Besitzer wird nicht glücklich sein'. Ich sagte darauf nur: Ich bin der Besitzer", erzählte Lindsay von seinem Erlebnis.

Einige Teile seines Jaguars waren geschmolzen. Überall auf der Straße stank es nach angeschmortem Plastik. „Das Auto sah furchtbar aus – jedes Stück Plastik auf der linken Seite und alles auf dem Armaturenbrett war geschmolzen“, erzählte der Geschäftsmann der britischen Zeitung "Daily Mail". Auch ein Seitenspiegel und das Jaguar-Emblem waren beschädigt.

Die Bauform des „Walkie Talkie“ genannten Hochhauses ist skurril. Die Außenverkleidung ist verkrümmt und das Gebäude besteht hauptsächlich aus Glas. Nach oben hin wird die Fläche eines jeden Stockwerkes immer größer. Die Londoner vergleichen die Bauform mit dem englischen Bierglas „Pint“ und gaben dem Hochhaus daher schon diesen Spitznamen.

Schick sollte der Wolkenkratzer mit dem Glas aussehen. Doch das Glas birgt starke Nachteile, die insbesondere zur Mittagszeit so gravierend werden, dass die vor dem Haus parkenden Autos zu schmelzen beginnen. Denn dann bündelt sich das Sonnenlicht in der Fassade so stark, dass die Karosserie der Autos zu schmelzen beginnt und Passanten ihre Augen vor dem grellen Licht schützen sollten. Die Straße und auch drei Parkplätze wurden inzwischen aus Sicherheitsgründen gesperrt.

Architekt hätte es besser wissen müssen

Entworfen wurde der „Walkie-Talkie“-Tower von dem uruguayischen weltweit renommierten Architekten Rafael Vinoly. Er sollte sich mit dem Problem der Sonnenreflektion eigentlich auskennen. Hatte er doch ähnliche Probleme, als er vor drei Jahren das Vdara Hotel in Las Vegas bauen ließ. Gebaut wird das 37-stöckige Hochhaus von den Immobilienunternehmen „Land Securities and Canary Wharf“.

Experten wollen das Problem der intensiven Bündelung der Sonnenstrahlung durch die gekrümmte Form des Hauses nun beheben und spezielle Folien an einigen Fenstern anbringen. Nach Aussage des Bauunternehmens besteht die Schmelz- und Blendgefahr nur etwa zwei bis drei Wochen im Jahr für dann zwei Stunden am Tag, wenn die Sonne in einem ganz bestimmten Winkel steht.

Wolkenkratzer wurde in „Walkie-Scorchie“ umgetauft

Arbeiter des Bauunternehmens haben inzwischen den Wolkenkratzer umgetauft. Der Spitzname „Walkie-Talkie“ wurde umgewandelt in „Walkie-Scorchie“. „To scorch“ bedeutet in diesem Fall „anbrennen“ oder „ansengen“.

Im März 2014 soll das Gebäude fertig gestellt sein. Dann wird es Büroflächen von insgesamt 680 000 Quadratfuß bieten. 14 Doppeldecker Aufzüge und zwei Lastenaufzüge werden für den Transport der Personen und Lasten eingebaut sein. Ein Sky-Garten wird auf drei Stockwerke verteilt sein und soll einen unbeschreiblichen Blick über London bieten. Verwendetes Holz stammt zu 100 Prozent  aus nachweislich nachhaltiger Forstwirtschaft (FSC-zertifiziert). Außerdem bietet das Gebäude 422 sichere Fahrradstellplätze und 119 Motorrad-Parkplätze – Duschen und Umkleidemöglichkeiten inklusive.

Entschädigung für Lindsay

Die Baufirma hat sich bei dem Geschädigten Martin Lindsay entschuldigt und ihm die Reparaturkosten von knapp tausend Pfund erstattet. Trotzdem sieht Lindsay die Gefahren: "Das ist doch gefährlich. Man muss sich mal vorstellen, was passiert, wenn es auf den falschen Teil des Körpers reflektiert."

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Von Petra Funk
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