26.11.2013, 14:29 Uhr | 0 |

Trainingsroboter für Spieler Footbonaut ist die Wunderwaffe von Borussia Dortmund und der TSG Hoffenheim

Das unglaublich schnelle Kurzpass-Spiel der Bundesliga-Fußballer von Borussia Dortmund hat ein Geheimnis: Im modernsten Trainingsgerät der Welt, dem Footbonauten, trainieren die Spieler ihre Reaktionsfähigkeit. Das Gerät, das BVB-Trainer Jürgen Klopp vergangenes Jahr aufstellen ließ, will im Winter als weltweit zweiter Club die TSG 1899 Hoffenheim aufbauen.

Footbonaut
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Mit dieser Ballmaschine, die Fußbälle aus vier verschiedenen Richtungen einem Spieler zuspielt, trainiert Borussia Dortmund die Passgenauigkeit seiner Spieler. Im Bild Mario Götze, der inzwischen bei Bayern München spielt. Jetzt hat auch die TSG Hoffenheim eine solche Maschine des Berliner Ingenieurs Christian Güttler bestellt und wird sie im Januar in Betrieb nehmen.

Foto: BVB

Der Footbonaut mutet an wie ein futuristisches Raumschiff und ist die neue Wunderwaffe des BVB: Der Spieler steht auf einem 14 mal 14 Meter großen Rasenfeld. Umgeben ist er von Gitterwänden, die aus 72 Quadraten bestehen. In der Mitte jeder Wand ist eine Ballmaschine installiert. Mit einem Pieps spukt sie nach Zufallsprogramm einen Ball mit maximal 120 km/h aus, der per Fuß, Brust oder Kopf in eines der aufleuchtenden Quadrate bugsiert werden muss.

Möglichst schnell muss der Spieler dabei den Ball annehmen, unter Kontrolle bringen und durch das aufleuchtende Viereck schießen. 200 Bälle kann die Maschine auswerfen, wobei das Zufallsprogramm dazu führt, dass der Stress gleichmäßig hoch bleibt und sich der beste Trainingseffekt einstellt. Die Bälle  können sogar mit Drall aus der Maschine schießen. Daher eignet sie sich auch für Torwarttraining.

Anlage ist für Spieler riesiger Motivationsschub

Borussia Dortmund ist erster Besitzer des Footbonauten. Eine Million Euro hat sich der Bundesligist das Trainingsgerät kosten lassen. „Das schnelle Spiel auf dem Platz steht und fällt mit der Qualität von Ballannahme und Ballweitergabe“, erklärt Andreas Schlumberger, Athletik-Chef beim BVB, gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Es ist das perfekte Trainingsgerät und fördert auch Handlungsschnelligkeit und Konzentrationsfähigkeit unter körperlicher Belastung.“ Profis haben eine Trefferquote jenseits der 90 Prozent und brauchen durchschnittlich weniger als zwei Sekunden, um den Ball zu verarbeiten. Und sie arbeiten hart, um diese Leistung noch zu verbessern. „Wir sehen hier klare Trainingseffekte. Für die Spieler ist die Anlage ein riesiger Motivations-Push.“

Technische Ausbildung auf höherem Niveau

Auch Trainer Jürgen Klopp ist vom Footbonauten überzeugt, da Spieler gezielter und effektiver als auf dem Übungsplatz trainieren können. Zum Einsatz kommt die Wundermaschine auch beim Training der sogenannten Interaktionsgeschwindigkeit. Dabei stehen zwei Spieler auf dem kleinen Kunstrasen. Der Eine nimmt den Ball an und passt, der Andere schießt ihn durch das Quadrat. Klopp kann dann aus den Statistiken ableiten, welche Spieler am besten harmonieren. Ein unschätzbarer Vorteil, wenn es um die Zusammenstellung einzelner Mannschaftsblöcke geht. „Das heißt nicht, dass man auf einmal 20 anstatt zehn Tore erzielt“, sagt Klopp in den Ruhr Nachrichten. „Die technische Ausbildung wird aber auf eine andere Basis gestellt. Damit ist jeder Euro perfekt investiert.“

Der Footbonaut lässt sich über ein Tablet oder Smartphone an den Leistungsstand des Spielers anpassen. Direkt nach dem Training sieht der Spieler seine Statistiken, etwa wie lange er für den Abschluss gebraucht hat und wie erfolgreich er dabei war. Der Footbonaut ist auch eine geeignete Reha-Maßnahme. Erste Erfolge erzielte Jakub Blaszczykowski in seiner Reha-Phase vergangenen Herbst. Der BVB-Mittelfeldspieler erarbeitete sich im Footbonauten die alte Tempohärte mit dem Ball.

TSG Hoffenheim wartet auf Bestellung

Erfinder des Footbonauten ist Christian Güttler, Inhaber der Berliner Firma CGoal. „Ich habe viele Ballsportarten ausprobiert, und in fast allen kann man Abläufe isolieren und mit technischer Hilfe trainieren: im Tennis, im Tischtennis, im Golf. Nur im Fußball nicht.“ Das wollte er ändern.

 Güttler bastelte in einem alten Flugzeughanger an Prototypen des Footbonauten. Er investierte rund 3,8 Millionen Euro. Als Jürgen Klopp die Maschine zu Gesicht bekam, war er direkt begeistert. Allerdings nicht als Einziger: Die TSG Hoffenheim hat die Maschine mittlerweile ebenfalls bestellt und baut dafür während der Winterpause der Bundesliga extra eine neue Halle.

Der Hoffenheimer Sportdirektor Bernhard Peters will Trainingsleistungen in wichtigen Segmenten objektivierbar machen: „Das hat ja bislang ein bisschen gefehlt. Ich halte den Footbonauten für das ideale Trainingsgerät zur individuellen Entwicklung von technisch-koordinativen Elementen: Ballannahme, Ballmitnahme, Passspiel, Passhärte, aber auch zur Verbesserung von schnellen  Wahrnehmungs- und Entscheidungsprozessen. Wir versprechen uns einiges davon.“ Angeblich liebäugeln mittlerweile auch der FC Bayern München, Bayer 04 Leverkusen und sogar internationale Clubs mit der Investition.

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Von Patrick Schroeder
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