28.12.2016, 12:45 Uhr | 0 |

Resteküche Erster Foodtruck mit geretteten Bio-Lebensmitteln rollt an

Die Zucchini ist zu klein, die Gurke zu krumm, der Apfel zu schrumpelig: Das sind Kriterien, nach denen in Deutschland Obst und Gemüse aussortiert und weggeworfen wird. Ein gemeinnütziger Verein in Frankfurt will nun in einem Foodtruck aus solchen Zutaten Speisen kochen. Und der Lebensmittelverschwendung ein Ende bereiten.

Krumme Möhren und Zucchini
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Krumme Möhren und Zucchini: Der Verein ShoutOutLoud will künftig in einem eigenem Foodtruck aus solchen Zutaten gesunde, schmackhafte Speisen kochen. 

Foto: ShoutOutLoud

Es ist sinnlos und es ist teuer: In jeder Sekunde werden in Deutschland 313 Kilogramm Lebensmittel einfach weggeworfen und nicht gegessen. Ein kleines Zahlenspiel für die Tage zwischen den Jahren. Pro Minute sind es 18.780 kg Lebensmittel, die in der Tonne landen, pro Stunde 1.126.800 kg und pro Tag 27.043.200 kg.

Gutes Essen statt Verschwendung

„Ob krumm gewachsen, nah am Mindesthaltbarkeitsdatum oder durch Transportschäden an der Verpackung beschädigt – unterschiedliche Gründe führen dazu, dass es ein Großteil der Nahrungsmittelproduktion nicht in den Supermarkt schafft“, erklärt Daniel Anthes. Der 30-jährige Journalist ist als Mitglied des gemeinnützigen Vereins ShoutOutLoud angetreten, dies zu verändern. „Resteküche – Beste Küche“ heißt die Idee, unter deren Motto schon bald ein Foodtruck durch die Frankfurter Region rollen soll.

Es soll der weltweit erste Foodtruck werden, der hauptsächlich mit geretteten Bio-Lebensmitteln kocht. Gutes Essen statt Verschwendung. Der Foodtruck wird Sandwiches und Suppen sowie verschiedene Tagesgerichte anbieten, die fast vollständig aus Naturalien hergestellt werden, die für die Abfalltonne bestimmt waren.

Kooperation mit Biogroßhändler Phönix

Der erste Zulieferer für die Naturalien ist der Biogroßhändler Phönix, den sich die Frankfurter Lebensmittelretter ganz bewusst ausgesucht haben. „Da ist das Vermeidungspotential am größten“, erläutert Anthes. Supermärkte sortieren einzelne angefaulte Zuccinis oder Paprika aus, der Großhändler sortiert hingegen gleich die ganze Kiste aus.

Erzeuger wiederum verfüttern ihr unverkäufliches Obst und Gemüse an ihre Tiere. Phönix-Sprecher Joerg Weber bestätigte zum Kampagnenstart die Kooperation mit ShoutOutLoud und betonte, dass Phönix die „innovative Idee“ unterstützen will.

Crowdfunding-Kampagne auf Startnext gestartet

Die Kampagne ist eine Crowdfunding-Initiative auf der Plattform Startnext.com. Mit aktuell gut 17.000 Euro hat der gemeinnützige Verein dort bereits mehr als die Hälfte der für den Foodtruck benötigen 30.000 Euro eingesammelt. Bis zum 20. Januar 2017 läuft die Sammlung noch. Zwei Menschen sollen auf dem Foodtruck die Resteküche betreiben. „Wir wollen jeden Einzelnen, der zu uns kommt, überzeugen, dass Lebensmittelverschwendung scheiße ist“, betonte mit drastischen Worten Anna-Maria Schön, die Vorsitzende des Vereins ShoutOutLoud zum Kampagnenstart.

„Genußvolle, spaßige Art“

Zunächst wollen die Frankfurter Lebensmittelretter einmal pro Woche mit ihrem Foodtruck auf Streetfood- und auf Wochenmärkten stehen und die Resteküche bekannt und beliebt machen. „Man kann Leute nur für solche Themen begeistern, indem man sie auf genussvolle, spaßige Art in den Bann zieht“, so Daniel Anthes, der als stellvertretender Vorsitzender von ShoutOutLoud das Projekt „Resteküche – Beste Küche“ leitet.

Informationskampagne zum Thema Lebensmittelverschwendung

Deshalb soll es nicht bei den Auftritten des Foodtrucks auf den Märkten bleiben. Ab Frühjahr 2017 will der Verein auch Catering aus dem Wegwerfgemüse anbieten und eine umfassende Informationskampagne zu dem Thema Lebensmittelverschwendung starten.

„Impulsvorträge von Experten, Gruppendiskussionen und Live-Cooking machen diese Workshops spannend, intensiv und interaktiv“, sagt Anthes. Unternehmen, Organisationen und Schulen sollen sich künftig die mobile Resteküche ins Haus holen können, um gegen die Lebensmittelverschwendung anzukochen.

Mit Essen auf Tour gegangen ist im Sommer auch das britische Unternehmen Food Ink. Mit dabei war auch Druckerhersteller byFlow: Denn vom Teller bis zum Tisch stammte alles aus dem 3D-Drucker – auch die Gerichte. Mehr darüber finden Sie hier.

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Von Detlef Stoller
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