14.06.2016, 11:46 Uhr | 0 |

Statistiker haben gerechnet Elfmetertipp für Nationalelf: Immer in die gleiche Ecke schießen

Hoffentlich legt Bundestrainer Jogi Löw diese Zahlen seinen Elfmeterschützen in den Spind: Bei Elfmeterduellen am besten immer in die  gleiche Ecke schießen wie der Spieler zuvor. Nach Berechnungen Kieler Statistiker ist das die erfolgreichste Strategie für Elfmeterschützen. Besser als Daumen drücken.

Mats Hummels verschießt einen Elfmeter gegen Ajax Amsterdam
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Mats Hummels verschießt einen Elfmeter gegen Ajax Amsterdam: Jetzt haben Forscher ausgerechnet, wie man die Chancen für einen erfolgreichen Elfmeter erhöht.

Foto: Federico Gambarini/dpa

Ulrich Schmidt könnte der deutschen Nationalmannschaft zum Titel bei der Europameisterschaft in Frankreich verhelfen. Der Verhaltensökonom am Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel weiß, wohin die Schützen bei einer Entscheidung per Elfmeterschießen zielen müssen. „Sie sollten immer in die gleiche Ecke schießen, wie der Mannschaftskollege beim Schuss davor“, so Schmidt.Gemeinsam mit IfW-Ökonom Sebastian Braun wertete Schmidt über 350 Elfmeterduelle bei internationalen Fußballturnieren aus.

Das Ergebnis scheint eindeutig. „Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Torwart in die entgegengesetzte Ecke wie beim Schuss davor hechtet, ist mit durchschnittlich 55 Prozent signifikant höher, als dass er in die gleiche Ecke hechtet“, so Schmidt.

„Kopf“ und „Zahl“ sind immer gleichwertig

Die beiden Wissenschaftler wollten herausfinden, ob Torwart oder Schütze im Elfmeterduell einem so genannten Spielerfehlschluss (gambler´s fallacy) unterliegen. Damit wird die irrtümliche Annahme bezeichnet, die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses hinge von der Häufigkeit seines Eintretens in der Vergangenheit ab.

ARCHIV - Die deutschen Fußball-Nationspieler Andreas Brehme (l) und Jürgen Klinsmann laufen am 08.07.1990 jubelnd über das Spielfeld des Olympiastadions von Rom, nachdem Brehme per Elfmeter zum 1:0-Führungstreffer für Deutschland verwandelt hat. Das deutsche Team bezwang im Finale der Weltmeisterschaft die Mannschaft Argentiniens mit 1:0. Foto: Frank Kleefeldt/dpa (zu dpa-Meldung: «WM-Sieg in magischer Nacht von Rom - Beckenbauer triumphiert und irrt » vom 03.07.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Andreas Brehme (l.) behielt im WM-Finale 1990 in Rom gegen Argentinien die Nerven. Obwohl die Argentinier den schon zurecht gelegten Ball wegschossen, verwandelte Brehme in der 85. Minuten den Elfmeter gegen den argentinischen Torwart Sergio Goycocheakt. Deutschland wurde mit 1:0 Weltmeister. Im Bild jubeln Brehme und Jürgen Klinsmann.

Foto: Frank Kleefeldt/dpa

Ein typisches Beispiel für einen solchen Irrtum ist die Annahme, dass bei einem Münzwurf die Wahrscheinlichkeit, dass beim nächsten Mal „Kopf“ oben liegt, geringer ist, wenn diese Seite der Münze zuvor mehrmals hintereinander oben lag. Wissenschaftlich eindeutig sei erwiesen, dass die Wahrscheinlichkeit immer bei 50 zu 50 liegt, völlig unabhängig von den Vorereignissen.

Das wollen auch Glücksspieler nicht glauben. Wenn etwa beim Roulette die Kugel mehrmals nacheinander bei „Schwarz“ landet, setzen viele auf „Rot“, weil sie die Wahrscheinlichkeit für größer halten, mit diesem Einsatz zu gewinnen.

Wissenschaftlich erwiesen: Torwart hält jeden vierten Ball

Beim Elfmeter hat der Schütze die besseren Chancen. Der Torwart kann nur 22 Prozent der Fläche abdecken, hat der Dortmunder Physiker Metin Tolan ausgerechnet und in seinem Buch „Manchmal gewinnt der Bessere. Die Physik des Fußballspiels“ veröffentlicht. Und obwohl der Spieler 78 Prozent der Fläche zur – zumindest statistisch gesehen – freien Verfügung hat, hat der Torwart noch eine 25-prozentige Chance, den Ball zu halten. Wenn der Schütze dann noch die Ratschläge der Kieler Ökonomen beherzigt, müsste er seine Trefferquote noch erhöhen können.

Munich's Thomas Mueller (R) scores 1-0 lead from the penalty spot against Stuttgart's goalkeeper Sven Ulreich during the German DFB Cup final soccer match between FC Bayern Munich and VfB Stuttgart at the Olympic Stadium in Berlin, Germany, 01 June 2013. Photo: Bernd Weissbrod/dpa (ATTENTION: The DFB prohibits the utilisation and publication of sequential pictures on the internet and other online media during the match (including half-time). ATTENTION: BLOCKING PERIOD! The DFB permits the further utilisation and publication of the pictures for mobile services (especially MMS) and for DVB-H and DMB only after the end of the match.) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Thomas Müller vom FC Bayern München verwandelt einen Elfmeter gegen Sven Ulreich vom VfB Stuttgart: Müller hat in diesem Jahr schon vier von acht Elfmetern verschossen. Tipp von Forschern aus Kiel: Immer in die gleiche Ecke schießen wie der Schütze zuvor.

Foto: Bernd Weissbrod/dpa

Schmidt und Braun begnügten sich aber nicht mit der Analyse realer Elfmeterduelle. Sie verwandelten einen Fußballplatz in ein Labor. Dort ließen sie 650 Duelle zwischen Torhütern und Schützen ausführen. Das Ergebnis: Weder sei ein Spielerfehlschluss im Torwartverhalten in realen Elfmeterduellen nachzuweisen, noch unter perfekten Laborbedingungen. Natürlich kann der Torwart einfach stehen bleiben und auf einen mittigen Schuss hoffen. Oder in eine Ecke hechten, während der Spieler seelenruhig in die Mitte zielt.

Topspieler fallen aus dem Raster

Nicht statistisch aufzuarbeiten ist allerdings die technische Fähigkeit von Topspielern, den Ball bewusst im letzten Moment, abhängig von der Torwartbewegung, in der freien Ecke zu platzieren. Das spricht eindeutig für Thomas Müller. Der Stürmer des FC Bayern München hat in dieser Saison vier von acht Elfmetern verschossen. Mit dem Wissen aus Kiel dürfte ihm das bei der EM  nicht mehr passieren.

Das könnte dann doch die Chance erhöhen, dass Deutschland Europameister wird. Die Chancen stehen eh schon gut, haben Forscher aus Innsbruck ausgerechnet. Demnach sind Frankreich und Deutschland klar die Top-Favoriten.

Und hier können Sie auf Stadiontour gehen. Wir haben für Sie die spektakulärsten Stadien der Fußball-EM herausgesucht.

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Von Wolfgang Kempkens
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