24.06.2016, 12:59 Uhr | 0 |

Weltrekordauto Grimsel Elektrisches Rennauto braucht nur 1,513 Sekunden von 0 auf 100 km/h

Ein Team aus 30 angehenden Ingenieuren hat den Beschleunigungsweltrekord für Elektroautos zurückerobert: Der Bolide der Schweizer brauchte gerade 1,513 Sekunden, um von 0 auf 100 km/h zu beschleunigen. Das waren 2,5 Zehntel schneller als der Bolide der Uni Stuttgart. Wie haben das die Schweizer nur geschafft? 

Wer glaubt, dass man mit Elektroautos grundsätzlich Abstriche bei Leistung und Geschwindigkeit machen muss, irrt gewaltig. Den Beweis dafür hat das Formula Student Team des Akademischen Motorsportvereins Zürich (AMZ) jetzt im Rahmen des jährlichen Wettbewerbs Formula Student, dem mit rund teilnehmenden 500 Teams weltweit größten Wettbewerb für Ingenieur-Studenten, geliefert – mal wieder.

Höhere Beschleunigung als jedes Serienfahrzeug

Ganze 1,513 Sekunden brauchte der Elektro-Rennwagen namens Grimsel, um von 0 auf 100 km/h zu beschleunigen – Weltrekord in der Kategorie Elektroautos für das 30-köpfige Studenten-Team der Hochschule Luzern und der Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich, das den Elektro-Boliden entwickelt hat. Den bisherigen Rekord hatte ein Team der Hochschule Stuttgart 2015 aufgestellt. Ihr Elektroauto beschleunigt in 1,779 Sekunden auf 100 km/h.

Mit der neuen Bestmarke lässt Grimsel, das gerade einmal 168 Kilo schwere Geschoss auf Rädern, jedes Serienfahrzeug, egal ob mit Elektro- oder Verbrennungsmotor, in einer Staubwolke zurück. Selbst ein Supersportwagen wie der Porsche 918 Spyder braucht als schnellster Sportwagen in einem Test der Zeitschrift sport auto 2,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Sogar Formel-1-Boliden beschleunigen etwas langsamer als der Rennwagen aus der Schweiz.

Gemessen wurde die Rekordbeschleunigung auf dem Militärflugplatz Dübendorf bei Zürich. Um mögliche Verfälschungen durch Gefälle und Wind auszugleichen, fuhr der Wagen zweimal: einmal in die eine Richtung, danach in die andere. Gewertet wurde am Ende der Mittelwert. Wer bei den Starts allerdings einen satten Sound erwartete, wurde – natürlich – enttäuscht. Nur zur Erinnerung: Es handelt sich um ein Elektroauto! Mit einem energischen Sirren schießt es los und ist nach 30 Metern auch schon am Ziel: Länger ist die Strecke nicht, die es bei 1,513 Sekunden für die Beschleunigung von 0 auf 100 zurücklegt.

200 PS bei gerade einmal 168 Kilo

Erreicht haben die Studenten diese Beschleunigung, indem sie ein Jahr lang an Grimsel getüftelt haben – immerhin schon dem fünften seiner Art. Sein geringes Gewicht von 168 Kilo erreichten die angehenden Ingenieure durch die Verwendung von extrem leichten Kohlefaser-Werkstoffen. Für den Antrieb sorgen vier selbst entwickelte Radnabenmotoren, die die kleine Rennsemmel mit 1.700 Newtonmeter Drehmoment und 200 PS oder 147 Kilowatt per Allradantrieb über die Strecke fliegen lassen.

Die speziell angepasste Traktionskontrolle überträgt Leistung an jedes Rad individuell, was sich zusätzlich in der Beschleunigung niederschlägt. Über den verbauten Elektro-Akku allerdings schweigen sich die Studenten aus.

Ihr diesjähriger Sieg war für die Truppe sicherlich auch eine Frage der Ehre: Mit ihren 1,513 Sekunden holten sie sich den Weltrekord zurück, der ihnen 2015 von einem Team der Universität Stuttgart mit gerade einmal sechs Tausendstel Vorsprung abgejagt worden war. Die Stuttgarter hatten eine Beschleunigung von 1,779 Sekunden erreicht. Der Rekord aus dem Jahr 2014 – von den Schweizern aufgestellt mit einem ebenfalls 168 Kilo leichten Vorgängermodells des aktuellen Grimsel – lag bei „nur“ 1,785 Sekunden.

Platz eins der Formel-Student-Weltrangliste

Mit ihrem Fahrzeug sind die Studenten insgesamt sehr erfolgreich bei der Formula Student, die jährlich an verschiedenen Orten auf der ganzen Welt ausgetragen wird. Drei Gesamtsiege und 920 von 1.000 möglichen Punkten kann Grimsel bereits für sich verbuchen, womit es das erfolgreichste Fahrzeug des AMZ ist. Durch die Führung des AMZ an der Spitze der Formula-Student-Weltrangliste seit 2013 zeige Grimsel, welches Potenzial in elektrischen Antriebskonzepten stecke, heißt es dazu in einer Pressemitteilung der ETH Zürich. 

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Von Judith Bexten
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