10.08.2013, 08:01 Uhr | 0 |

Bei Diebstahl zur Polizei EC- und Kreditkarten im Urlaub sind begehrt auch bei Dieben

Bargeld gilt als das unsicherste Zahlungsmittel überhaupt. Erst recht im Urlaub und ganz bestimmt im Ausland. Doch wie sicher sind EC- und Kreditkarten? Und was passiert bei Verlust?

Karten und Geld im Urlaub
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Damit der Urlaub auch zur schönsten Zeit des Jahres wird, sollte man einige Regeln im Umgang mit Zahlungsmitteln beachten.

Foto: GLOBUSpress

Hacker haben von März bis Mai dieses Jahres EC-Cash-Terminals eines Kölner Spielwarenhändlers ausgelesen und die Daten von rund 2300 Karten abgegriffen. Anfang Juli wurde der Betrug bekannt, weil bei vielen Betroffenen Geld aus dem Ausland abgebucht wurde. Leider kein Einzelfall: Allein im vergangenen Jahr wurden laut Polizeistatistik rund 130 000 Fälle von Diebstahl unbarer Zahlungsmittel erfasst. Die Aufklärungsquote liegt unter 9 %, der Schaden bei über 50 Mio. €. Kartenbetrug über das Internet – sogenanntes Skimming – ist in diesen Zahlen noch nicht einmal enthalten. Vorsicht ist also geboten.

Nach Einschätzung von Judith Jussenhofen, Sprecherin der genossenschaftlichen Kölner Bank, kann der Verbraucher "sehr viel dazu beitragen, dass Girocard und Kreditkarte für ihn sichere Zahlungsmittel bleiben". Für den Bankkunden heißt das: Die sogenannten Sorgfaltspflichten im Umgang mit dem kleinen Plastikteil sind genau zu beachten. "Nur dann haftet der Kunde nämlich nicht für den finanziellen Schaden bei Kartenmissbrauch", warnt Jan-Henning Ahrens, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht und Partner der KWAG Kanzlei für Wirtschafts- und Anlagerecht in Bremen.

Karte muss sofort auf der Rückseite unterschrieben werden

So muss die Karte grundsätzlich nach Erhalt unverzüglich auf der Rückseite unterschrieben werden. Außerdem ist die Geheimzahl (Pin) unbedingt getrennt von der Karte aufzubewahren. "Sie darf außerdem nicht an andere Personen – auch nicht an Familienmitglieder – weitergegeben werden", erläutert Jussenhofen.

Bei Verlust oder Diebstahl ist die Bank oder Sparkasse, die die Girocard ausgegeben hat, zu informieren. Und zwar "umgehend, nachdem man festgestellt hat, dass die Karte nicht mehr da ist", präzisiert Jussenhofen. Das gilt unabhängig davon, ob das Plastikviereck im In- oder Ausland verloren geht oder gestohlen wurde.

Schwierig wird das abends und an den Wochenenden, weil zu diesen Zeiten in den Geldhäusern niemand mehr zu erreichen ist. Für diese Fälle gibt es die zentrale Sperrhotline unter der einprägsamen Nummer 116 116 für Giro- und Kreditkarten.

Kartensperrung funktioniert auch aus dem Ausland

Mit der Ländervorwahl 0049 für Deutschland funktioniert die Nummer auch aus dem Urlaubsland – kostenlos. Alternativ wählen Betroffene aus dem Ausland die Nummer 0049 30 40504050.

Wichtig: Nach einem Kartendiebstahl, egal ob im In- oder Ausland, muss bei der Polizei in jedem Fall eine Anzeige erstattet werden. Außerdem hat der Betroffene seine Bank sofort über unrechtmäßige Abbuchungen zu informieren. Die Empfehlung lautet deshalb, Kontoauszüge regelmäßig und lückenlos zu überprüfen.

Für finanzielle Schäden nach einem Missbrauch von Girocard oder Kreditkarte haften Verbraucher grundsätzlich nicht. Das ist Sache der Bank oder Sparkasse, allgemein: des Instituts, das die Karte ausgegeben hat. Einzige Ausnahme: Dem Karteninhaber wird nachgewiesen, dass er seine Sorgfaltspflichten verletzt hat. In diesem Fall muss der Bankkunde allein für den finanziellen Schaden durch Kartenmissbrauch geradestehen.

Banken versuchen Ansprüche abzuwehren

Mittlerweile gibt es Hunderte Gerichtsentscheidungen zum Thema Schadenersatz nach Kartenmissbrauch. Häufig versuchen die Institute – aus ihrer Sicht verständlich – den betroffenen Kunden eine Verletzung der Sorgfaltspflicht nachzuweisen.

"Grundsätzlich hängt es vom Einzelfall ab, ob das Institut oder sein Kunde den Kürzeren zieht", erklärt Anwalt Ahrens. In zahlreichen Urteilen hat sich die Rechtsprechung bis zur höchsten Instanz, dem Bundesgerichtshof (BGH), aber eher auf die Seite der Verbraucher geschlagen.

Ausnahmen bestätigen jedoch die Regel: Eine Kundin handelte nach Auffassung des Landgerichts Halle (Az: 14 0 97/00) grob fahrlässig, als sie ihre EC-Karte beim Hineinstecken in die Jackentasche verlor. Genauso grob fahrlässig handelt, wer sich am Geldautomaten leichtsinnig verhält und zulässt, dass Dritte das Tastenfeld einsehen können.

In einem anderen Fall entschied das Amtsgericht Essen (Az: 21 C 599/02) zugunsten einer Bankkundin, deren EC-Karte nach Diebstahl missbraucht worden war. Das Institut musste den Schaden von 500 € übernehmen. Es konnte nicht nachweisen, dass die Klägerin ihre Pin auf der Karte vermerkt oder gemeinsam mit ihr verwahrt hatte. 

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Von Eva Neuthinger | Präsentiert von VDI Logo
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