07.03.2016, 14:18 Uhr | 0 |

Ray und das @ E-Mail-Erfinder Raymond Tomlinson ist tot

Vor 45 Jahren verschickte Raymond Tomlinson die erste E-Mail und gab dem @-Zeichen eine neue Bedeutung, die sich bis heute erhalten hat. Der Mann, der unsere Art, online zu kommunizieren wie kaum ein anderer geformt hat, ist am Wochenende im Alter von 74 Jahren gestorben. 

Raymond Tomlinson
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Raymond Tomlinson: Der Erfinder der E-Mail-Adresse mit @-Zeichen ist am Wochenende mit 74 Jahren gestorben. 

Foto: J.L. Cereijido/dpa

Wollte man unsere moderne Form der Kommunikation, die zu einem großen Teil online stattfindet, mit einem einzigen Symbol vermitteln, wäre es sicher das at-Zeichen: @. Der Klammeraffe in der E-Mail-Adresse verbindet den Benutzernamen mit seiner Domain und gibt uns im weltweiten Online-Netzwerk ein Gefühl der räumlichen Verortung. Als Raymond Tomlinson das @-Zeichen 1971 in seiner ersten E-Mail von tomlinson@bbn-tenexa nach tomlinson@bbn-tenexb verwendete, war das revolutionäre Ausmaß, das die neue Kommunikationsart annehmen sollte, noch nicht klar. Inzwischen ist Tomlinson, der am Wochenende 74-jährig vermutlich an einem Herzinfarkt gestorben ist, mit zahlreichen Preisen bedacht worden und hat seinen festen Platz in der Internet Hall of Fame.

@ gab es bereits, wurde aber in der Schriftsprache nicht verwendet

Raymond Samuel Tomlinson, der 1941 im Amsterdam im US-Bundesstaat New York geboren wurde, hatte Elektrotechnik studiert und wechselte 1963 zum Massachusetts Institute of Technology (MIT), wo er seinen Masterabschluss machte. Ab 1967 arbeitete Tomlinson im privaten Forschungsunternehmen Bolt, Beranek & Newman (BBN) in Cambridge. BBN erhielt ein Jahr später vom amerikanischen Verteidigungsministerium den Auftrag das Arpanet, den Vorgänger des Internets aufzubauen. Tomlinson war damals für die Entwicklung des Betriebssystems Tenex zuständig.

Tomlinson entwickelte, zunächst eher neben seinem eigentlichen Job, eine Möglichkeit Nachrichten zwischen zwei miteinander verbundenen Computersystemen übertragen zu können. Das at-Zeichen – das es bereits gab, aber in der Schriftsprache nicht genutzt wurde – nahm Tomlinson, um den Adressaten vom Computer zu unterscheiden. „Die erste Nachricht wurde zwischen zwei Maschinen versendet, die unmittelbar nebeneinander standen“, rekapituliert Tomlinson auf seiner Website die Ereignisse von 1971.

Rasch wurde das Mailprogramm zur beliebtesten Anwendung

„Ich schickte einige Testnachrichten an mich selbst von einer Maschine zur anderen. Der Inhalt war nicht bedeutsam, deshalb habe ich ihn vergessen. Wahrscheinlich war es QWERTYUIOP oder so etwas Ähnliches. Als das Programm zu meiner Zufriedenheit zu funktionieren schien, schickte ich eine Nachricht zu den anderen aus meiner Gruppe und erklärte darin, wie man Nachrichten über das Netzwerk verschickte. Die erste Verwendung der Netzwerk-Mail kündigte also ihre eigene Existenz an.“

ARCHIV - Besucher der Internationalen Tourismusbörse ITB stehen am 05.03.2001 an Computern vor einer großen Werbewand mit dem e-mail-Zeichen "@". Foto: Jens Kalaene/dpa (zu dpa ´Erfinder der E-Mail-Adresse mit ´@»-Zeichen gestorben» vom 07.03.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Das @-Zeichen ist heute in der E-Mail-Adresse nicht mehr wegzudenken. 

Foto: Jens Kalaene/dpa

Im darauffolgenden Jahr, es gab inzwischen eine weitere Version von Tenex, entdeckten Tomlinson und seine Kollegen, dass Net-Mail das beliebteste Programm unter den Anwendern geworden war. In einem früheren Interview mit Cnet erinnert sich Tomlinson an die Anfänge seiner „Erfindung“. „Im Grunde haben die Leute damals das Mailprogramm sehr ähnlich benutzt wie heute. Allerdings war es noch nicht so vielseitig und man konnte zum Beispiel noch keine Anhänge verschicken.“ Dass er wirklich etwas Großes geschaffen habe, sei ihm erst ungefähr sieben Jahre später aufgefallen, als er nach den genauen Hintergründen gefragt worden sei, sagt Tomlinson.

„Einfachheit der Kommunikation macht E-Mail zu einer zweischneidigen Sache“

Dass das Verschicken von E-Mails sich zu einem Mainstream-Phänomen entwickeln würde, habe sich schon recht früh abgezeichnet, erzählt Tomlinson. Dem stand in den Anfängen der E-Mail-Versendung aber noch entgegen, dass beide Computer gleichzeitig eingeschaltet sein mussten. Die Teilnehmer schrieben sich gewissermaßen live gegenseitig auf die Mailbox. Das funktionierte zwar, aber das Bedürfnis, eine Nachricht nach den eigenen zeitlichen Bedürfnissen empfangen, lesen und bearbeiten zu können, war naheliegend. „Schon vier oder fünf Monate, nachdem das Programm geschrieben worden war, diskutierten wir bereits darüber, wie man eine Mail in einem File Transfer Protocol (FTP) verschicken könne.“ Damit wurde die Handhabung der Mail einfacher und praktischer.

Das Beste, das die E-Mail hervorgebracht habe, sei die Möglichkeit für Menschen einfacher und global miteinander zu kommunizieren, findet Tomlinson in der Rückschau. „Aber ich sehe auch, dass die Einfachheit der Kommunikation es zu einer zweischneidigen Sache macht. Etwa durch Spams, die für alle, die sie erhalten, eine große Belästigung darstellen.“ Generell bedauere er, dass die Leute in E-Mails dazu neigen würden, die Nettigkeiten und die Etikette, wie sie in einem Brief noch üblich sind, nicht anzuwenden. „Diese Auslassungen muss man sich als Leser der Mail im Grunde dazu denken.“

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Von Gudrun von Schoenebeck
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