16.08.2016, 14:15 Uhr | 0 |

In Krisengebieten Drohnen werfen Bibeln statt Bomben ab

Im Nahen Osten soll es in Kürze Bibeln vom Himmel regnen. Dafür will eine evangelische Freikirche aus Schweden sorgen. Drohnen sollen die Heilige Schrift bringen. Und zwar in miniatursierter elektronischer Form. 

Mit Drohnen will die schwedische Freikirche Livets Ord digitale Bibeln in IS-Gebieten abwerfen
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Mit Drohnen will die schwedische Freikirche Livets Ord digitale Bibeln in IS-Gebieten abwerfen.

Foto: Patrick Pleul/dpa

Die schwedische Freikirche Livets Ord („Wort des Lebens“) bereitet im Nahen Osten den Einsatz von Drohnen zur Verbreitung des christlichen Glaubens vor. Unbemannte Flugkörper sollen elektronische Bibeln etwa so groß wie eine Tablettenschachtel über umkämpften Krisenzentren abwerfen. Dabei geht es in erster Linie um Syrien. Irak soll folgen. Die Texte liegen in arabischer Übersetzung vor. Die digitalen Bibeln verfügen über ein Display. Einen Stromanschluss benötigen sie nicht.

Es handelt sich um militärische Drohnen

Die schwedische Kirche ist äußerst zurückhaltend, soweit es um technische Einzelheiten der im Nahen Osten einzusetzenden Drohnen geht. Zu erfahren ist lediglich, dass es sich um “militärische” Flugkörper mit einem Durchmesser von drei Metern handelt.

Bei der Entscheidung für ein militärisches Muster scheinen vor allem drei Gründe ausschlaggebend gewesen zu sein: Das sind die Einsatzdauer je Flug, die Nutzlast und die erreichbare Flughöhe bei voller Nutzlast. Mit herkömmlichem zivilen unbemannten Fluggerät konnten diese drei Forderungen offenbar nicht allesamt erfüllt werden. Livets Ord betont dabei, dass es sich um “angemietetes” Fluggerät handele.

Eine ferne Basis bedingt lange Flugzeiten

Die Forderung nach einer langen Einsatzdauer je Flug erklärt sich wohl vor allem daraus, dass die Startbasis der Schweden weit vom Zielgebiet entfernt liegt. Näheres zum Standort der Startbasis ist nicht zu erfahren. Er dürfte aber wohl in Ostgriechenland oder Ost-Zypern liegen.

Eine Drohne vom Typ Heron wird am 02.10.2013 im Feldlager der Bundeswehr in Masar-i-Scharif in Afghanistan nach ihrer Rückkehr von einem Aufklärungsflug in den Hangar gezogen. Erstmals lernen Soldaten in Deutschland das Fliegen unbemannter Militär-Drohnen. Die Theorie findet vor einem Simulator in Kropp (Schleswig-Holstein) statt, die Praxis weiter in Israel. Foto: Michael Kappeler/dpa (Zu dpa "Steuerung per Mausklick - Tornado-Piloten lernen das Fliegen von Drohnen" vom 28.02.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Eine Drohne vom Typ Heron im Feldlager der Bundeswehr in Masar-i-Scharif in Afghanistan wird nach ihrer Rückkehr von einem Aufklärungsflug in den Hangar gezogen. Gesteuert werden die unbemannten Militär -Drohnen per Mausklick – auch das will gelernt sein. 

Foto: dpa

Bei den abzuwerfenden Bibeln handelt es sich um eine miniaturisierte elektronische Bibel in der Größe einer Pillenschachtel. Die Schweden sprechen davon, dass jeweils Tausende Exemplare abgeworfen werden sollen. Selbst bei einem unterstellten Stückgewicht von nicht viel mehr als 10 g wären das zusammengenommen mindestens mehrere Kilogramm Nutzlast, die über die weite Anreisestrecke ins Zielgebiet zu befördern sind.

Große Flughöhe vor allem aus Sicherheitsgründen

Die nicht weiter präzisierte große Flughöhe soll verhindern, dass die Drohnen vom Boden her beobachtet oder gar abgeschossen werden können. In großer Höhe sind die relativ kleinen Fluggeräte nur mit Präzisionswaffen zu treffen, über die die meisten Kämpfergruppen in Nahost bislang nicht verfügen.

Christian Akerhielm, der Missions-Direktor der Kirche, wehrt sich dagegen, diese Drohnen-Einsätze mit jenen “Airstrikes” zu vergleichen, die bisher durch Bomben die nahöstlichen Regionen traumarisiert haben. Die in sicherer Höhe heran geflogenen Bibeln sollen den Empfängern in arabischer Sprache geistliches “Licht und Liebe” bringen und vielleicht manche Muslime zu Christen machen.

Karge Informationen

Die technische Einsatzsteuerung der Drohnenflüge liegt bei einem Unternehmen, das die Kirche aus Schweden für diese Zwecke unter Vertrag genommen hat. Nicht heraus zu bekommen ist, ob dieser Drohnen-Betreiber mit Krieg führenden Parteien in Nahost irgendwelche Abmachungen über diese Flüge getroffen hat.

Der Kirchenname Livets Ord bedeutet korrekt übersetzt Lebensworte. Die schwedische Kirche ist schon seit längerem im Nahen Osten engagiert und unter andern an der Verteilung der Hilfsgüter für die Bevölkerung beteiligt.

Nachrichten über Drohnen sind inzwischen an der Tagesordnung. Selten sind es so vergnügliche wie zu Beginn des Jahres, als es Intel mit tanzenden Drohnen ins Guiness-Buch der Rekorde geschafft hat. Was Sie sonst noch über Drohnen wissen sollten, können Sie hier nachlesen. 

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Von Peter Odrich
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