23.01.2015, 14:36 Uhr | 0 |

Beliebt bei Drogenschmugglern Drohne im Einsatz: Auf beiden Seiten des Gesetzes

Nicht nur Ingenieure, Wissenschaftler, Katastrophenhelfer und Polizisten nutzen die zahlreichen Einsatzmöglichkeiten von ferngesteuerten Drohnen. Auch Gangster mit krimineller Energie und einem Minimum an technischem Verständnis setzen inzwischen auf das preiswerte Fluggerät, das sich prima  zum schmuggeln und spionieren eignet.

Drohne Hexo+ auf der CES
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Die Drohne Hexo+ auf der Messe Consumer Electronics Show (CES): An Drohnen ist leicht heranzukommen und der Umgang mit der Technik relativ einfach. Das macht sie leider auch für Kriminelle interessant. 

Foto: Britta Pedersen/dpa

Das nie endende technische Wettrüsten um die beste und neueste Technologie zwischen der Ordnungsmacht und der kriminellen Gegenseite ist vermutlich so alt wie die Kriminalität selbst. Und mindestens seit James Bond und den Jungs von Oceans Eleven berühmt-berüchtigt. Aber nicht nur im Actionfilm lassen sich die Bösen einiges einfallen. Echte Gesetzesbrecher haben in den vergangenen Jahren die kriminellen Möglichkeiten der Drohne für ihre Zwecke entdeckt, zumal die einfache Drohnentechnik leicht zugänglich ist.

Einfache Drohnen können auch von ungeübten Piloten gesteuert werden

So ein unbemannter Quadrokopter, etwa vom Typ „DJI Multikopter Phantom RTF“, lässt sich für rund 400 Euro im Internet bestellen, hat ohne die Rotoren einen Durchmesser von 35 Zentimetern und eine Reichweite von 300 Metern. Außerdem ist er mit einer Stabilisierungselektronik und einer Kamerahalterung ausgerüstet und kann auch von „völlig ungeübten Piloten sicher und präzise gesteuert“ werden, wie der Hersteller betont.

Von derartigen Angaben lassen sich offensichtlich nicht nur die Landschaftsfotografen unter uns beeindrucken, denn im Dezember 2014 wurde ein solcher Multikopter auf dem Gefängnishof der Justizvollzugsanstalt Bremen vom Wachpersonal entdeckt.

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Eine Drohne der Polizei: Sie verfügt über eine Kamera, mit der aus der Luft – beispielsweise zu Überwachungszwecken – gefilmt werden kann. 

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Die kleine Drohne war offenbar abgestürzt, noch bevor die Kugel an ihrer Unterseite, in der zehn Gramm Marihuana steckten, ihr vorbestimmtes Ziel erreichen konnte. Wer die Bruchpiloten waren und warum die Drohne herunterkam, ist noch nicht geklärt. Am Gewicht der Drogenfracht kann es nicht gelegen haben, denn der Multikopter kann bis zu 300 Gramm Zuladung transportieren.

Drohnen werden für Schmuggelversuche in Gefängnisse eingesetzt

Aus Mexiko wurde am vergangenen Donnerstag dagegen ein Fall bekannt, bei dem das Gewicht der Zuladung dem Schmuggelflug ein jähes Ende bescherte. Die abgestürzte Drohne, die sich auf dem Flug in die USA befunden hatte, war auf einem Parkplatz der mexikanischen Grenzstadt Tijuana gefunden worden. An Bord waren mehrere Pakete mit insgesamt drei Kilogramm der synthetischen Droge Chrystal Meth.

Ein Paket-Drohne der Deutschen Post landet am 09.12.2013 in Bonn (Nordrhein-Westfalen). Die Deutsche Post DHL hat erstmals einen Drohnen-Einsatz für die Paketzustellung getestet. Bei dem Probelauf brachte ein "DHL-Paketkopter" am Montag ein Paket von einer Apotheke in Bonn zur Konzernzentrale auf der anderen Rheinseite.Foto: Oliver Berg/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Nicht nur seriöse Unternehmen wie die Deutsche Post DHL testet Drohnen für die Paketzustellung. Kriminelle haben die kleinen unbemannten Flugkörper auch für sich und den Drogenschmuggel entdeckt.

Foto: Oliver Berg/dpa

Auch im US-Bundesstaat South Carolina versuchten letztes Jahr Schmuggler mit einer Drohne Marihuana, Mobiltelefone und Tabak über die Mauern eines Hochsicherheitsgefängnisses zu fliegen. Direkt vor dem Ziel stürzte das Fluggerät jedoch ab und wurde von Gefängniswärtern entdeckt.

Englische Kleinkriminelle spionierten Weed-Plantagen mit Drohnen aus

Aus Dänemark ist bekannt geworden, dass die Händler der Kopenhagener Drogenszene Drohnen benutzen, um die Bewegungen der Polizei zu überwachen und deren Einsätze aufzudecken. Eine gewisse Kreativität können auch englische Kleinkriminelle aus der Gegend von Birmingham für sich geltend machen. Sie hatten Drohnen mit Infrarot-Kameras ausgestattet, um Cannabis-Plantagen in Wohnungen damit aufspüren zu können.

Der Techniker von Westnetz, Eric Blandfort lässt am 11.02.2014 in Essen (Nordrhein-Westfalen) während der E-World - Energy & Water Messe einen Hexacopter fliegen. Um Abschaltzeiten zu verkürzen, werden Stromleitungen jetzt unter Vollast gecheckt- aus der Luft und milimetergenau mit Drohnen. Foto: Caroline Seidel/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Mit Drohnen wie diesem Hexacopter lassen sich Stromleitungen aus der Luft millimetergenau checken.

Foto: Caroline Seidel/dpa

Anschließend wurden sie bei den Plantagen-Besitzern vorstellig, nahmen sich, was sie brauchten und erpressten die derart Ausgespähten. Er habe sich die erste Drohne für ein paar Hundert Euro gekauft, das Fliegen damit trainiert und anschließend in Fenster geschaut, gab einer der Kleingangster gegenüber der örtlichen Presse zu. Schließlich sei ihm aufgefallen, dass die Polizeihubschrauber Wärmebildkameras benutzten, um die Wärme der Zuchtlampen solcher Plantagen zu entdecken. Daraufhin habe er sich eine gebrauchte Wärmebildkamera gekauft und sie mit seinem iPad verbunden.

Mysteriöse Drohnenflüge über sieben AKWs in Frankreich

Auch in Frankreich sind Drohnenflüge bekannt geworden, deren Hintergründe noch nicht aufgeklärt worden sind. Trotz höchster Terrorwarnstufe in Paris, ausgelöst durch die islamistischen Anschläge der vergangenen Woche, konnte eine unbekannte Drohne des Nachts offenbar für einige Sekunden den Elysée-Palast überfliegen. Die Dohne sei sofort entdeckt worden, habe sich dann aber „umgehend vom Elysée entfernt“, teilte die Präsidentschaft mit.

ARCHIV - Das französische Atomkraftwerk Cattenom nahe der deutschen Grenze, spiegelt sich am 09.02.2007 im Wasser des nahegelegenen Sees. Foto: Karaba/epa (zu dpa Berichterstattung vom 25.11.2014 über Greenpeace-Studie zu Drohnen-Überflügen von französischen Atomkraftwerken) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Das französische Atomkraftwerk Cattenom nahe der deutschen Grenze: Auch hier wurden schon Drohnen gesichtet. 

Foto: Karaba/dpa

Die Drohne über dem Präsidentenpalast ist nicht das erste Flugobjekt seiner Art, das die Franzosen nervös macht. Erst im Herbst letzten Jahres hatte es eine Reihe von Drohnenflügen über Atomkraftwerken gegeben. Nachdem Anfang Oktober eine erste mysteriöse Drohne im Südosten des Landes gesichtet worden war, wurden an sechs weiteren Atomkraftwerken mysteriöse Drohnen gemeldet. Im November wurden drei Personen festgenommen, die etwa hundert Meter entfernt vom AKW Belleville-sur-Loire mit einer Drohne angetroffen wurden. 

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Von Gudrun von Schoenebeck
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