20.07.2016, 07:19 Uhr | 0 |

Rohre wie Orgelpfeifen Dieser Pavillon aus Regenrohren ist Kunst – und sammelt Wasser

Ein Pavillon aus Regenrohren? Wer braucht denn sowas? Die Stadt Rotterdam. Das Kunstwerk hat eine Botschaft: Es demonstriert nachhaltiges Wassermanagement. Nicht nur daheim, sondern in den vergangenen Wochen auch den Schotten. 

Pavillon Rotterdamwatershed
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Rotterdamwatershed: Dieser Pavillon besteht aus 2.400 Regenrohren und sammelt Wasser. 

Foto: Peter van der Wal/Rotterdamwatershed

Der Pavillon ist eine Wassermaschine, die das Regenwasser fängt, dessen Fluss reguliert und das Wasser für die Begrünung verwendet. Wenn es draußen trocken ist, erzählt die Architektur den Wasserkreislauf und wenn es schüttet, dann ist im Pavillon Party.

Irgendwie wirkt das Gebilde wie eine umgedrehte und dann begrünte Orgel. Es sind gleich 2.400 gebrauchte und recycelte PVC-Regenrinnen, die schräg in das Innere des Pavillons ragen und so das Orgel-Outfit unterstützen. Diese Regenrinnen machen allerdings keine Kirchenmusik, sondern sie sammeln das wichtigste aller Lebensmittel: Wasser.

Pop-up-Bauten als Kunstprojekt

Der Pavillon ist ein Kunstprojekt der Stadt Rotterdam, welches im Rahmen der Pop-up Cities Expo 2016 in der schottischen Stadt Edinburgh vom 21. Juni bis zum 17. Juli in der Innenstadt auf einem gepflasterten Platz aufgebaut war. Die Grundidee dieses Architektur-Festivals ist es, Pop-up-Bauten mit einer Grundfläche von 5 x 5 m zu entwerfen, um dort kreative innovative Gestaltungsideen zu verwirklichen und die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zu ziehen. 

Wasser sammeln und langsam und kontrolliert abgeben

Am Start war dort diesmal auch das Büro DoepelStrijkers aus Rotterdam. Und präsentierte besagten Pavillon Rotterdamwatershed, dessen Außenseite wie eine Scheune geformt ist. Die Rohre sind schräg abgesägt, so dass eine glatte Haut mit einer schwammähnlichen Struktur geschaffen wurde. Pflanzen verschließen die Hälfte der unterschiedlich langen 2.400 Regenrinnen und geben der Konstruktion so ihr grünes Aussehen.

Die andere Hälfte der Rohre ist von innen mit Klappen ausgestattet. Und das führt dazu, dass diese das Regenwasser zunächst sammeln und es dann langsam und kontrolliert in das Innere des Pavillons abgeben.

Stimmungsvolle LED-Beleuchtung in der Dunkelheit

Dort bildet sich im Laufe der Zeit je nach Regenangebot ein kleiner See. Für die Besucher der Wasserscheide besteht die Möglichkeit, das Wasser zu überqueren. Dazu wurden einige fest installierte Steinplattformen in den Pavillon integriert, so dass man trockenen Fußes die Seiten wechseln kann.

Abends und nachts wird es stimmungsvoll im Watershed-Pavillon: Dann beleuchten energiesparende LED-Lampen die Installation mit einem Himmel voller Sterne. 

1.500 Liter Regenwasser in zwei Monaten gesammelt

In Edinburgh regnet es statistisch in den Monaten Juni und Juli etwa 60 mm Niederschlag, verteilt über 20 Tage. Während der Ausstellung wird der Rotterdamer Pavillon so etwa 1.500 Liter Regenwasser eingefangen haben.

Videoquelle: Rotterdamwatershed

Parallel zum Pavillon haben die Architekten eine digitale Infrastruktur aufgebaut. Dort wird gezeigt, wie die Stadt Rotterdam mit dem Wasserhaushalt umgeht und es werden Lösungen für die Zukunft der Städte aufgeführt. Auch der in Pavillon in Edinburgh ausgestellte Pavillon wird weiterleben. Er kehrt er nach Rotterdam zurück und wird dort neu installiert. Wird er dereinst endgültig abgebaut können alle Materialien wiederverwendet und in den Stoffkreislauf zurückgeführt werden. Nichts geht verloren.

Bereits preisgekrönt sind die Türme aus Netzen namens Warka Water, die auf drei Arten Wasser aus der Luft ernten: Sie sammeln Regenwasser, fangen Nebeltropfen ein und ernten Tauwasser. Sie sollen in Ländern wie Äthiopien die Versorgung mit Trinkwasser verbessern.

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Von Detlef Stoller
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