04.04.2013, 17:20 Uhr | 0 |

Ausstellung Unesco-Welterbe Deutschlandreise: Staunen von Aachen bis Bayreuth

Das Deutsche Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt am Main nimmt seine Besucher mit auf eine Reise. Diese führt zu allen 34 Weltkultur- und drei Weltnaturerbestätten in Deutschland, die auf der Unseco-Welterbeliste verzeichnet sind.

Das Deutsche Architekturmuseum zeigt noch bis zum 26. Mai 2013 die Ausstellung "Unesco Welterbe – Eine Deutschlandreise".
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 Das Deutsche Architekturmuseum präsentiert noch bis zum 26. Mai 2013 die Ausstellung "Unesco Welterbe – Eine Deutschlandeise".

Foto: DAM/Uwe Dettmar

Als erste Welterbestätte wurde hierzulande 1978 der Aachener Dom aufgenommen, im Jahre 2012 mit dem Markgräflichen Opernhaus Bayreuth die vorerst letzte. "Wohl keine andere Auszeichnung ist für Regionen, Städte und einzelne Monumente so begehrt wie der Unesco-Welterbe-Titel", ist Gerd Weiß, Präsident des Landesamts für Denkmalpflege Hessen, sicher. Er gilt heute als ein Gütesiegel für die Kommune und die Region. Das gute Renommee fördert den (Denkmal-)Tourismus, die Wohnqualität am Ort und die Ansiedlung von Unternehmen.

Welterbestätten sind "von so außergewöhnlich universeller Bedeutung, dass sie als Erbe der gesamten Menschheit gelten. Sie zu schützen, liegt nicht allein in der Verantwortung eines einzelnen Staates, sondern ist Aufgabe der Völkergemeinschaft", mahnt Brigitta Ringbeck, Welterbekoordinatorin im Auswärtigen Amt.

Einfluss auf die heutige lokale Baukultur herausgearbeitet

Um diesen Schutz und die Bewahrung sicherzustellen, hat das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung das "Investitionsprogramm nationale Unesco-Welterbestätten" aufgelegt. Damit werden Maßnahmen gefördert, die der Erhaltung, Sanierung oder Weiterentwicklung dienen und die Modellcharakter für die städtebauliche Entwicklung haben. Deshalb arbeitet die Ausstellung besonders heraus, welchen Einfluss die Welterbestätten auf die heutige lokale Baukultur, die Planung und Entwicklung von Stadt- und Landschaftsräumen, gewissermaßen auf den "Weiterbau" des Welterbes haben.

Die Liste des Welterbes umfasst 936 Stätten in 153 Ländern. Deutschland zählt mit seinen 37 Erbestätten nach China, Italien, Frankreich und Spanien zu den Staaten mit den meisten Standorten. Diese werden mit erläuternden Texten, Fotografien, Modellen und charakteristischen Exponaten vorgestellt. Dominiert werden sie von Sakralbauten, historischen Altstätten sowie Schloss- und Gartenanlagen aus Renaissance und Barock. Es finden sich aber auch Repräsentanten der Ingenieurbaukunst aus Bergbau und Industrie.

Die "Oberharzer Bodenstampfer", mit denen die Grassoden von Staudämmen verdichtet wurden, erwecken in der Ausstellung die Geschichte des Erzbergwerks Rammelsberg zum Leben. Im Jahre 1992 wurde es zusammen mit der Altstadt von Goslar und ihrer Kaiserpfalz in die Welterbeliste aufgenommen, ergänzt 2010 um die Oberharzer Wasserwirtschaft. Als in den 1980er-Jahren der Bergbau zum Erliegen kam, blickte er auf über tausend Jahre ununterbrochener Erzgewinnung zurück.

Erz und Kohle

Ungefähr gleichzeitig musste auch die Zeche Zollverein in Essen ihre Förderung einstellen. Seit ihrer Gründung im Jahre 1851 war sie weltweit eines der größten und modernsten Steinkohlenbergwerke der Welt. Heute werden dort die Bergbaugeschichte und die Entwicklung der Industriearchitektur in einer der größten Industrieregionen Europas dokumentiert und im Ruhr Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Erz und zu Koks veredelte Kohle waren auch die Grundlage der Stahlerzeugung: Die im Jahre 1873 gegründete Völklinger Hütte, Deutschlands größte Produktionsstätte für Eisenträger, verdeutlicht anschaulich, dass Stahl noch heute der treibende Werkstoff von Industrialisierung und Wirtschaftswachstum ist.

Schon diese drei Beispiele zeigen, wie sehr die (Industrie-)Architektur die Aufnahme eines Standorts ins Welterbe bestimmen kann. Umso mehr gilt dies für das Bauhaus mit seinen Stätten in Weimar und Dessau. Im Jahre 1919 von Walter Gropius, dem Erfinder des standardisierten Bauens, als Kunstschule gegründet, hat es die gesamte Kunst und das Design des 20. Jhd. entscheidend geprägt, allen voran mit Architektur und Städtebau. Der erste große Gropius-Bau war eine Fabrikanlage zur Herstellung von Schuhleisten in Alfeld an der Leine. Die Gebäude des Fagus-Werks gelten als Ursprungswerk der modernen Industriearchitektur. Schuhleisten wurden damals aus dem Holz der Buche gefertigt, lateinisch "Fagus". Die deutschen Buchenwälder stehen übrigens auch auf der Unesco-Liste.  

Die Ausstellung "UNESCO WELTERBE – Eine Deutschlandreise" ist noch bis zum 26. Mai 2013 im DAM zu sehen.

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Von Eckart Pasche | Präsentiert von VDI Logo
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