24.10.2017, 13:25 Uhr | 0 |

Crowdfunding-Erfolg aus Japan Der Motorradhelm, der Biker beim Fahren unterstützt

Seit 1976 müssen Motorradfahrer in Deutschland Helm tragen. Doch ihr wichtigstes Gadget hat sich kaum weiterentwickelt. Nun will ein japanisches Start-up den Markt revolutionieren.

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Er sieht nicht nur gut aus, der Motorradhelm von Borderless, er ist auch voller Technik.

Foto: Borderless

Zur Grundausstattung eines jeden Motorradfahrers zählt der Helm. Während er bislang nur wenige Funktionen hatte und den Fahrer in erster Linie bei einem möglichen Unfall schützen sollte, arbeitet ein japanisches Unternehmen unter Leitung von Atara Oono intensiv daran, den Funktionsumfang deutlich zu erhöhen. Als Resultat daraus entsteht derzeit der CrossHelmet. Ein Helm, der eine Vielzahl smarter Technologien vereint und das Motorradfahren revolutionieren könnte. Demnächst soll die Serienproduktion anlaufen.

180-Grad-Kamera, LED und Noise Cancelling – die Ausstattung des Helms

Das Design des CrossHelmet wirkt auf den ersten Blick futuristisch und sportlich zugleich. Ganz seiner Optik entsprechend, kommen auch die technischen Features nicht zu kurz. Das wohl wichtigste Feature in puncto Sicherheit ist die integrierte Rückfahrkamera. Dank ihr ist es möglich, einen 360-Grad-Rundumblick über die Straße sowie die Umgebung zu erhalten. Das durch die Kamera übertragene Bild ist im Head-up-Display am oberen Rand des Visiers zu sehen. Somit reicht ein kurzer Blick, um auch den rückwärtigen Verkehr im Auge zu behalten oder tote Winkel erfassen zu können. Um die Sicherheit weiter zu steigern, wurden an den Seiten des Helms zudem Leuchtdioden (LED) angebracht. Damit werden die Motorradfahrer insbesondere während nächtlicher Fahrten besser gesehen.

Videoquelle: Borderless

Und auch für den Komfort haben sich die japanischen Entwickler etwas einfallen lassen. Dank Noise Cancelling wird der Straßenlärm drastisch reduziert, die Biker sollen möglichst stressfrei über den Asphalt gleiten können. Mithilfe der integrierten Lautsprecher können Fahrer zudem während der Fahrt ihre Wunschmusik abspielen oder telefonieren. Besonders für Motorradfahrer, die gemeinsam mit ihren Freunden auf den Straßen unterwegs sind, dürfte die Kommunikationsoption interessant sein, denn auch Gruppengespräche sind möglich. Einzige Voraussetzung: Jeder Teilnehmer muss den CrossHelmet besitzen. Energie erhalten all diese Features von einer Lithium-Keramik-Batterie, die an der Rückseite des Helmes verbaut ist und ausgetauscht werden kann. Auch eine App zum Helm soll es geben.

Konfigurierbares Head-up-Display während der Fahrt

Neben dem 360-Grad-Umblick bietet das Head-up-Display weitere Funktionen, die teils als Spielerei, teils als wichtiges Feature verstanden werden können. So zeigt das Head-up-Display auf Wunsch unterschiedliche Informationen etwa zum Wetter, relevanten Fahrdaten oder der Akkuladung an. Wichtig war den Entwicklern, dass sich das Display im Sichtfeld des Fahrers befindet, sodass die gewünschten Informationen erfasst werden können, während der Blick weiterhin auf die Straße gerichtet ist. Das allerdings will gelernt sein.

Darüber hinaus lassen sich mithilfe von Apps weitere Funktionen wie ein Navigationssystem implementieren, mit deren Hilfe die geplante GPS-Route stets verfolgt werden kann. Ist eine Funktion temporär unerwünscht, kann sie via Touch-Oberfläche an der Seite des Helms ausgeschaltet und bei Bedarf erneut eingeschaltet werden. Um die Steuerung der Touch-Oberfläche auch mit Motorrad-Handschuhen zu ermöglichen, enthält der Lieferumfang unter anderem kapazitive Aufkleber. Wie diese Aufkleber für Handschuhe funktionieren, lesen Sie hier.

Markteinführung des CrossHelmet bereits 2018

Nach aktuellem Stand der Entwicklungen, geht man bei Borderless davon aus, dass der CrossHelmet bereits im nächsten Jahr an die Vorbesteller ausgeliefert werden kann. Die Gründer kündigten an, dass jene Kunden, die den Helm während der Finanzierungsphase zum Preis von umgerechnet etwa 1160 Euro erworben haben, ihr Modell im Oktober 2018 erhalten. Die Sicherheitskriterien der aktuellen ECE-Norm 22/05 erfüllt der CrossHelmet schon. Er ist daher für den Straßenverkehr in fast allen europäischen Ländern zugelassen.

Bis zur Auslieferung will Borderless-Chef Arata Oono jedoch weiter an den Feinheiten des Helms arbeiten. Derzeit entwickelt sein Team noch photochromatische Visiere. Das sind Visiere, die sich den Lichtverhältnissen selbst anpassen können, ähnlich wie selbsttönende Brillen.

Chancen des intelligenten Motorradhelms und böse Erinnerungen

Der CrossHelmet von Borderless könnte eine vielversprechende Richtungsänderung in Bezug auf die Weiterentwicklung von Motorradhelmen sein. Zwar scheint der reguläre Verkaufspreis von voraussichtlich 1.500 Euro relativ hoch, allerdings liefert das Modell auch vielfältige Eigenschaften, die die Sicherheit und den Komfort während der Fahrt erhöhen. Das Versprechen wurde allerdings schon einmal abgegeben: Der Skully AR-1 sollte ebenfalls mittels Kamera, Display und Bluetooth-Anbindung die Augmented Reality aufs Zweirad holen und sammelte dafür rund 2,5 Millionen US-Dollar ein. Am Ende aber ging das Unternehmen pleite.

Ob dem CrossHelmet ein ähnliches Schicksal blüht? Schwer zu sagen. Die Unterstützer jedenfalls scheinen auf einen solchen Helm gewartet zu haben. Anders lässt es sich kaum erklären, dass die 100.000 US-Dollar, die zur Finanzierung der Entwicklung benötigt wurden, binnen sechs Stunden via Crowdfunding zusammengetragen werden konnten.

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Von ingenieur.de
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