05.11.2013, 13:30 Uhr | 0 |

Vor 500 Jahren Chinesen nutzten künstliche Eisbahnen für den Transport tonnenschwerer Steine

Vor mehr als 500 Jahren bewegten chinesische Arbeiter gewaltige Steine auf künstlichen Eisbahnen zum Ziel. Das reduzierte den Kraftbedarf auf drei Prozent.

Eingang zur verbotenen Stadt
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Eingang Verbotene Stadt in Peking: Forscher glauben, dass die Chinesen vor mehr als 500 Jahren gigantische Steine viele Kilometer lang über gewässerte Eisbahnen transportiert haben. 

Foto: Royd Andalis/Flickr/Wikipedia

Mehr als 300 Tonnen wiegt die größte Skulptur in der im 15. und 16. Jahrhundert gebauten „Verbotenen Stadt“ in Peking. Das Drachenrelief, das 16 mal 3 mal 1,7 Meter misst, wurde aus einem einzigen Stein gehauen. Doch wie kam das Monstrum vom Fundort, der viele Kilometer entfernt war, in die Residenz des Kaisers, deren Betreten dem Volk Jahrhunderte lang verboten war?

Chinesische und amerikanische Forscher glauben jetzt, das Rätsel gelöst zu haben. Der Monolith rutschte einfach in die Hauptstadt. Heerscharen von Arbeitern legten im Winter, der in der Region zuverlässig Frost beschert, eine gigantische Schlidderbahn an. Sie wurde ständig mit Wasser benetzt, um die Gleitfähigkeit zu verbessern. Das schöpften die Arbeiter aus Brunnen, die im davor liegenden Sommer alle 500 Meter gegraben worden waren.

Die Forscher haben zwar keinen direkten Beweis für den Transport des Steins, aus dem später das Drachenrelief geschlagen wurde. Doch sie haben ein wichtiges Indiz gefunden, ein Dokument, das den Transport eines rund 120 Tonnen schweren Steinbrockens im Jahr 1557 beschreibt. Dieser glitt 70 Kilometer weit auf einer bewässerten Eisbahn.

Sie wollten natürlich wissen, ob diese Art der Beförderung schwerer Güter tatsächlich möglich ist, und begannen zu rechnen. Wäre der Klotz einfach über den Boden geschleift worden, wäre unter Zugrundelegung eines entsprechenden Reibungswertes die Kraft von exakt 1537 Männern nötig gewesen. Was nicht realistisch ist, denn sie hätten nicht genügend Platz gehabt, um alle gemeinsam zu ziehen und zu schieben. Auf einer Bahn aus bewässerten hölzernen Bohlen wäre die Kraft von 358 Männern nötig gewesen, ebenso auf einer trockenen Eisfläche. Das Bewässern brachte den Durchbruch. Dann hätten es 47 Kraftprotze geschafft. Anders ausgedrückt: Der Kraftbedarf sank dadurch auf drei Prozent,

Rollende Wagen schafften schon 95 Tonnen

Dass eine andere Transportmöglichkeit nicht bestand belegen weitere Berechnungen. Nach Ansicht der Forscher ließen sich zu dieser Zeit bis zu 95 Tonnen schwere Lasten mit Wagen befördern, die aber möglicherweise nicht die ganze Strecke geschafft hätten, weil die Wege holprig waren. Die Eisfläche dagegen war völlig glatt.

Das moderne China hat die jahrhundertealte Methode unterdessen neu erfunden. In der Provinz Heilongjiang glitt im Januar und Februar ein 1200 Tonnen schweres Bahnhofsgebäude auf einer künstlichen Eisbahn zu seinem neuen Standort, wie der österreichische „Standard“ berichtet.

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Von Wolfgang Kempkens
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