08.10.2014, 13:56 Uhr | 0 |

Trotz TÜV-Bedenken Bundesliga-Schiris versprühen Freistoßspray ab nächstem Spieltag

Das Freistoßspray, das bereits bei der Fußball-WM in Brasilien zum Einsatz kam, verwenden Schiedsrichter ab kommendem Spieltag auch in der Bundesliga. Trotz Bedenken des TÜV, der den Schaum aus Argentinien als gefährlich für Umwelt und Gesundheit einstuft. 

Zum Einsatz kam das Spray bereits bei der WM in Brasilien
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Zum Einsatz kam das Spray bereits bei der WM in Brasilien, hier beim Spiel USA-Portugal. Es garantiert die vorgegebene Distanz zwischen Mauer und Schütze. 

Foto: dpa

Das, was der Schiri da auf den brasilianischen Rasen sprühte, erinnerte ein bisschen an Omas Haarschaum. Diese Assoziation dürften wohl viele Fußballfans bei den Spielen der Weltmeisterschaft im Sommer gehabt haben. Ab dem kommenden Spieltag (18./19. Oktober) kommt das Spray auch in der Bundesliga zum Einsatz. Die damit gezogenen Linien sollen bei Freistößen garantieren, dass die nötige Distanz zwischen Schütze und Mauer eingehalten wird. Einen störenden Effekt hat die weiße Substanz auf dem Spielfeld übrigens nicht; nach 45 bis 120 Sekunden löst sich der Schaum auf und verschwindet.

TÜV-Gutachten bescheinigt gesundheitliche Bedenken 

Genutzt wird im internationalen Fußball derzeit ein Schaumspray aus Argentinien mit dem Namen 915 Fair Play Limit. 5000 Dosen hatte der Deutsche Fußballbund (DFB) davon bestellt, 15 Stück hat bislang jeder Bundesliga-Schiedsrichter erhalten. 

Für Trouble sorgt ein Gutachten des TÜV Rheinland, das die Bild-Zeitung in Auftrag gegeben hatte. Der Untersuchung zufolge dürfe die Substanz in Deutschland gar nicht zum Einsatz kommen – unter anderem aus gesundheitlichen Gründen. Sie enthalte Parabene (Konservierungsstoff), die möglicherweise eine hormonelle Wirkung auf den Körper haben. 

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Ist das Spray ungefährlich? Der TÜV hat im Schaum Parabene gefunden, die möglicherweise eine hormonelle Wirkung auf den Körper haben. 

Foto: dpa

Ein weiterer Kritikpunkt des TÜV: Das Spray verfügt über einen hohen Treibgasanteil. Darüber hinaus fehle an der Dose die Kennzeichnung, dass die Substanz hoch entzündlich sei. Stimmt nicht, sagt Pablo Silva, Erfinder und Patentinhaber der schwarzen Dose. Es stehe sehr wohl auf der Flasche, dass das Spray entflammbar ist – allerdings nur auf Spanisch und Englisch, sagte der Argentinier gegenüber der Bild. Was aber zweifelsohne fehlt, ist das Flammensymbol für hoch entzündliche Produkte. 

Patentinhaber droht mit Klage 

"Das verwendete Gas ist weltweit erlaubt", betonte der Amateurfußballer und ehemalige Journalist Pablo Silva. Dennoch denkt der DFB durchaus darüber nach, auf alternative Anbieter zurückzugreifen und hat nach eigenen Angaben bereits Gespräche mit weiteren Spray-Herstellern geführt – nicht zuletzt deshalb, weil der Import aus Argentinien auf Dauer recht kostspielig sein dürfte. 

Patentinhaber Silva zeigte sich darüber empört: "Das wäre selbstverständlich total illegal. Andere Anbieter dürfen unser Patent nicht nutzen." Sollte der DFB tatsächlich das Spray eines anderen Herstellers verwenden, will Pablo Silva dagegen klagen. 

Übrigens steht auch die Einführung eines Torliniensystems für die Erste Bundesliga in den Startlöchern. 

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Von Jan-Martin Altgeld
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