09.05.2017, 12:35 Uhr | 0 |

Exoskelett zum Fliegen Brite hebt dank Düsenantrieb ab wie Superman

Es sieht aus wie im Science Fiction: Wenn Richard Browning die Düsen startet, die an seinen Armen montiert sind, hebt er ab wie Superman. Ohne Flügel, ohne Armbewegungen. Im Gegenteil: Browning braucht unglaubliche Kräfte, um die Düsen ruhig Richtung Boden zu halten.

Es sieht im Video so leicht aus, wenn Richard Browning wenige Meter über dem Boden schwebt. Sechs kleine Jet-Triebwerke, jedes 22 kg schwer und angetrieben mit Kerosin, sorgen für den Auftrieb.

Montiert sind sie an einer Art Exoskelett, das sich der frühere Marinesoldat Browning überstreift, wenn er fliegen will. Zwei Triebwerke sind knapp über dem Po am Rücken montiert. Zwei weitere Triebwerke sitzen jeweils am Unterarm.

Lenken mit der Kraft der Arme

Mit den Händen kann der 38-jährige Brite den Ausstoß der Triebwerke steuern, Lenken kann er nur mit der Kraft seiner Arme. Und die müssen Unglaubliches leisten. Während die beiden Triebwerke am Rücken festmontiert sind und beispielsweise im Stehen beim Start automatisch nach unten abstrahlen, kann Browning die Triebwerke an den Armen nur mit Muskelkraft in die richtige Position bringen.

Das heißt: Er muss seine Arme immer so halten, das der Ausstoß der Düsen für Auf- und Antrieb sorgt. Durch Bewegung der Arme und Positionierung seines gesamten Körpers etwa in Richtung Horizontale kann er nicht nur nach oben fliegen, sondern auch vorwärts oder nach links und rechts. Zehn Minuten Flugzeit sind derzeit möglich.

Browning muss seinen Körper intensiv trainieren

Das allerdings kostet Kraft und bringt Browning an seine körperlichen Leistungsgrenzen. Zumal wenn man bedenkt, dass allein der Anzug mit den sechs Triebwerken und Kerosin im Rucksack auf dem Rücken über 130 kg wiegt. Diese Kraft bringt der Brite durch enormes Training auf. Er ist Triathlet, nimmt an Supermarathons teil und ist Extrem-Kanut.

Jede Woche fährt er rund 150 km mit dem Rad und absolviert wenigstens dreimal in der Woche Calisthenics-Übungen. Das sind gymnastische Turnübungen mit dem eigenen Körpergewicht. Wobei die Formulierung glatt untertrieben ist. Wenn man die Übungen sieht, fühlt man sich an Spitzensportler im Turnen erinnert, die wie ein Brett zwischen Stangen liegen oder ihren Körper zwischen zwei Ringen in der Balance halten. Hinzu kommt jeden Samstag ein 40-km-Lauf. Kein Wunder, dass Brownings Oberkörper und Arme ein einziges Muskelpaket darstellen.

RedBull unterstützt den Superman aus England

Und das ist ganz nach dem Geschmack von RedBull: Der Brausekonzern unterstützt den Tüftler, hat sein Flugvideo online gestellt und macht auf seiner Webseite Werbung für die ungewöhnliche Erfindung.

 

„Mit dem Anzug könnte ich theoretisch an die meisten Orte fliegen“, erzählt Browning. „Aber auch wenn es möglich wäre, einige hundert Meilen pro Stunde und tausende Fuß hoch zu fliegen, bewege ich mich meist nur ein paar Meter über dem Boden.“ Kein Wunder, denn wenn er die Kontrolle über die Jet-Triebwerke an seinen Armen verlieren sollte, fällt er wie ein Stein zu Boden.

Auch könnte Browning mehr als 300 km/h schnell fliegen. Doch das hat er sich noch nicht gewagt. Ein theoretischer Wert, denn bei diesem Tempo die Kontrolle zu behalten, ist wohl kaum möglich – und könnte Lebensgefahr bedeuten.

Start-up soll Fluganzug vermarkten

Entwickelt hat der frühere Soldat das Exoskelett samt Antrieb in den vergangenen zehn Monaten in der eigenen Werkstatt in Salisbury. Dazu hat er das Start-up Gravity gegründet. Seinen Fluganzug hat Browning nach Daidalos benannt, den Vater des Ikarus in der griechischen Mythologie. Und er hofft, dass er seine Erfindung bald vermarkten kann. Stellt sich nur die Frage, wie viele Kunden den Körper besitzen, um seinen Fluganzug überhaupt tragen zu können.

Mit Exoskeletten und Düsenantrieb experimentiert auch die US Army. Allerdings sollen die Soldaten mit dem Anzug nicht fliegen, sondern schneller laufen können.

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Von Axel Mörer-Funk
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