30.10.2015, 13:44 Uhr | 0 |

Lego verweigert Lieferung Berliner überschütten chinesischen Künstler Ai Weiwei mit Legosteinen

Berliner Bürger haben dem chinesischen Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei zigtausende Legosteine gespendet. Er will damit Porträts von Bürgerrechtlern bauen. Lego verweigerte die Lieferung. 

Unterstützer weltweit spendeten Bausteine
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Lego lieferte Ai Weiwei keine Bausteine, da sein Projekt einen eindeutigen politischen Hintergrund hätte. Also spendeten Unterstützer weltweit zigtausende Bauklötzchen. 

Foto: National Gallery of Victoria/dpa

Ai Weiwei fährt mit seiner Kunst einen harten Kurs. Der chinesische Künstler lebt in Berlin im Exil und ist bekannt für provokante und regimekritische Arbeiten. Seine neueste Idee: Er wlll Porträts prominenter Bürgerrechtler aus Lego nachbauen ­– für die Ausstellung „Andy Warhol/Ai Weiwei“, die vom 11. Dezember bis 24. April in Melbourne laufen soll. Also bestellte Ai Weiwei einen Haufen Bausteine direkt bei Lego. Und staunte nicht schlecht über die Reaktion.

Lego verweigerte Lieferung aus politischen Gründen 

Lego weigerte sich, seine Bestellung zu bearbeiten. Man würde Anfragen grundsätzlich nicht bearbeiten, die direkt beim Hersteller eingingen und eindeutig einen politischen Hintergrund hätten, teilte der Klötzchenhersteller auf Anfrage der Süddeutschen Zeitung mit. „Ich war ziemlich geplättet, denn es handelte sich doch um einen ganz respektablen Auftrag“, sagte der 57-Jährige auf einer Pressekonferenz in Berlin.

Warum nur hat Lego das gemacht? In einem Instagram-Post wirft der Künstler dem Unternehmen Zensur und Diskriminierung vor und verweist auf die Eröffnung des neuen Abenteuerparks Legoland in Shanghai. Möglicherweise habe das Unternehmen seine Bestellung verweigert, um in China gute Geschäfte tätigen zu können.

In anderen Fällen ist Lego sehr hilfsbereit, etwa im Fall der Caravanmesse in Birmingham, die einen echten Wohnwagen in Originalgröße mit Legosteinen nachbauen wollte. Herausgekommen ist ein echter Blickfang. Sogar die Inneneinrichtung ist aus Lego gebaut. 

Weltweit werden Autos zu Spardosen für Legosteine

Doch aufgeben kam für Ai Weiwei trotz der Absage von Lego nicht in Frage. Deswegen ließ der Künstler in Großstädten weltweit Autos als eine Art Spardose aufstellen, in die Spender Legosteine durchs Dach werfen konnten. Besonders erfolgreich war das Sammelauto in Melbourne vor der Nationalegalerie des Bundesstaates Victoria. Dort schütteten Unterstützter kistenweise Bauklötzchen durch das geöffnete Schiebedach.

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Ein Mann schüttet Legosteine durch das Schiebedach eines alten BMW, den die Nationalgalerie von Victoria vor ihrem Gebäude in Melbourne aufgestellt hat. Der chinesische Regimekritiker Ai Weiwei will damit Porträts berühmter Bürgerrechtler bauen. 

Foto: National Gallery of Victoria/dpa

Weitere Sammelautos standen in Melbourne, London, Kopenhagen, Malaga und New York. In Berlin stand ein silberfarbener BMW bereit – auf dem Parkplatz des Martin-Gropius-Baus, wo im Sommer 2014 Ai Weiwei Evidence stattfand, die bislang größte Einzelausstellung des Künstlers. Mittlerweile sind genügend Steine zusammengekommen, sodass Ai Weiwei wie geplant Porträts für seine Ausstellung bauen kann.

Ai Weiwei beginnt Gastprofessur in Berlin

Ai Weiwei unterrichtet ab Sonntag als Gastprofessor an der Berliner Universität der Künste. Er hat 16 Studenten in seinen Kurs aufgenommen und plant laut Spiegel in den nächsten drei Jahren verschiedene künstlerische Disziplinen zu unterrichten. Dabei wolle er politische Themen oder Menschenrechtsfragen aber nicht ansprechen. Ihn beschäftigten diese Fragen, er wolle Studierende aber nicht unter Druck setzen. „Jeder hat das Recht, selbst über seine Grundsätze zu entscheiden.“

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Martin Rennert (links), Präsident der Universität der Künste (UdK) Berlin, der chinesische Künstler Ai Weiwei (mitte) und der Vorstandsvorsitzende der Einstein Stiftung, Günter Stock (rechts). Ai Weiwei beginnt an der UdK eine Gastprofessur. 

Foto: Gregor Fischer/dpa

Die Universität hat Ai Weiwei die Gastprofessur übrigens schon vor vier Jahren angeboten. Er hatte sie aufgrund seiner Verhaftung in China und eines anschließenden Reiseverbotes bisher aber nicht antreten können. 

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Von Patrick Schroeder
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