02.04.2013, 17:25 Uhr | 0 |

Wohnen im Alter Barrierefrei ist zukunftssicher und bequem

Die Bevölkerung in Deutschland wird immer älter. Seniorenheime sprießen wie Pilze aus dem Boden. Doch die meisten Menschen wollen lieber so lange wie möglich selbstbestimmt in ihren eigenen vier Wänden wohnen bleiben. Vor allem für Eigentümer könnte sich eine frühzeitige Investition in eine barrierefreie Modernisierung ihrer Wohnung lohnen.

Wohnen im Alter
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Für viele Häuslebauer spielt der Aspekt der Barrierefreiheit kaum eine Rolle. Erst im Alter oder bei Krankheit rückt dieses Thema in den Vordergrund.

Foto: dpa/Christian Charisius

Früher oder später trifft es jeden: Das Seh- und Hörvermögen lässt nach, die Kraft schwindet, Treppensteigen wird zur Herausforderung. Was dann? Seniorenheim? Umfragen zufolge, wünschen sich mehr als 90 % aller Deutschen bis ins hohe Alter in den eigenen vier Wänden leben zu können. Ob das gelingt, hängt vor allem davon ab, ob Haus oder Wohnung auf die Bedürfnisse älterer Menschen zugeschnitten sind.

Nur 250 000 altersgerechte Wohnungen in Deutschland

Dabei sei vor allem wichtig, dass die Wohnung selbst und alle Bereiche in der Wohnung für die Bewohner eigenständig zu erreichen seien, sagt Ursula Lenz von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (Bagso). Die meisten Wohnungen in Deutschland sind aber auf die Bedürfnisse im Alter nicht vorbereitet. Statistiken zeigen, dass von den rund 41 Mio. Wohnungen in Deutschland lediglich 250 000 altersgerecht sind.

Schon heute fehlen hierzulande 2,5 Mio. barrierefreie Wohnungen, mahnt Peter Michell-Auli, Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA). Doch nicht nur für die Vermieter, auch für die Eigennutzer der Wohnungen spielt der Aspekt der Barrierefreiheit bislang kaum eine Rolle. "Die meisten Menschen beschäftigen sich mit dem Thema erst, wenn sie selbst betroffen sind", sagt Martin Breidbach, Wohnberater in Hessen.

Barrierefreie Gestaltung von Anfang an

Der Wohnexperte bietet seit zwei Jahren in Kooperation mit dem Verband Wohneigentum eine Beratung bei der Gestaltung von barrierefreien Wohnungen an. Doch bislang werde dieser Service nur selten bereits bei Neubauten oder Modernisierungen in Anspruch genommen. Und das, obwohl eine barrierefreie Gestaltung wesentlich billiger sei, wenn sie bereits während des Baus oder Umbaus durchgeführt würde, sagt Breidbach.

Vielen Menschen ist nicht klar, dass die nachträgliche barrierefreie Gestaltung einer Wohnung oft recht aufwendig ist und gut geplant werden sollte. Wenn eine plötzliche Erkrankung einen sofortigen Umbau verlangt, ist das Dilemma doppelt groß.

Wer frühzeitig seine Wohnung barrierefrei gestalten möchte, sollte sich laut Breidbach folgende Fragen stellen: Könnte ich mit einer Gehhilfe oder einem Rollstuhl in der derzeitigen Wohnung leben? Ließe sich die Eingangstreppe überwinden? Sind zwischen den Zimmern Schwellen, über die ich stolpern könnte? Sind die Türrahmen breit genug für einen Rollstuhl? Käme ich in die Duschkabine, wenn ich mich nicht mehr so gut bewegen kann? Sind Fenstergriffe, Lichtschalter und Temperaturregler für die Heizung bedienerfreundlich in Greifhöhe angebracht?

Finanzielle Vorteile bei frühzeitigem Umbau

"Haltegriffe im Badezimmer, Lichtsignale für Klingel und Telefon oder Hilfsmittel wie ein elektrischer Türantrieb oder ein Lift für die Badewanne, können dann auch noch später nachgerüstet werden, wenn sie tatsächlich benötigt werden", so der Wohnberater. So verlieren barrierefreie Wohnungen nichts von ihrem Chic. Viele Menschen seien sogar erstaunt über den zusätzlichen Komfort, den sie durch den Umbau gewonnen haben: "Eine Dusche mit bodengleichem Einstieg ist nicht nur bequemer, sondern sorgt auch dafür, dass das Bad größer wirkt", erklärt der Berater. Auch die Verbreiterung von Türen bei einem Umbau bringe Vorteile: "Eine 90 cm breite Tür erleichtert nicht nur die Durchfahrt mit einem Rollator oder Rollstuhl. Sie ermöglichen auch den Transport sperriger Möbel", so Breidbach.

Wer frühzeitig seine Wohnung umbaut, hat sogar noch finanzielle Vorteile: Viele Kreise und Städte sowie die KfW unterstützen solche Modernisierungen mit zinsgünstigen Darlehen. Zudem steigern solche baulichen Anpassungen den Wert der Immobilie. "Vor allem dann, wenn sie gut geplant und ansprechend ausgeführt werden", so Breidbach. Das gelinge in der Regel aber nur, wenn die Umbauarbeiten nicht unter Zeitdruck ausgeführt werden müssten.

Die Bauwirtschaft und die Sanitärunternehmen haben sich längst auf die erwartete neue Nachfrage eingestellt. Sie bieten den Umbau oft aus einer Hand. "Der Vorteil solcher Service-Pakete besteht darin, dass die Firmen, die diese anbieten, Erfahrungen mit der Modernisierung von Wohnungen haben", so der Wohnberater. Selbst kleinere Umbauten müssten sorgfältig geplant werden und Arbeitsschritte aufeinander abgestimmt werden. "Bei der Vergabe der Arbeiten an verschiedene Handwerker kommt es bei der eher kleinen Auftragssumme oft zu Terminkonflikten. Da ist es besser, wenn beispielsweise bei der Modernisierung des Bades das Fliesen und die Sanitärinstallation vom gleichen Anbieter erledigt werden", rät Breidbach. 

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Von Hans Schürmann/Stefan Asche | Präsentiert von VDI Logo
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