13.05.2014, 17:31 Uhr | 0 |

Leser als Lieferanten BILD macht mit Video-App seine Leser-Reporter zu Kameraleuten

Die Leser-Reporter der BILD-Zeitung sollen jetzt auch bewegte Bilder an die Boulevardzeitung liefern. Der Springer-Verlag hat die Leser-App der Zeitung um eine Video-Funktion erweitert, um praktisch kostenlos an interessantes Filmmaterial über Prominente zu kommen, die von Lesern abgefilmt werden. 

BILD-Aktion "Mach mir die Wurst"
Á

Die BILD-Zeitung spannt ihre Leser immer stärker ein, um Inhalte zu liefern. Nach dem Eurovision Song Contest waren Bilder gefragt: Mach mir die Wurst, frei nach der Siegerin des Wettbewerbes, Conchita Wurst. Jetzt hat BILD die Leser-App um eine Video-Funktion erweitert. 

Foto: 1414.de/Screenshot Ingenieur.de

Die immer bessere Foto- und Filmtechnik moderner Smartphones und mobiler Geräte wie Tablets will die BILD-Zeitung nutzen, im ihre Auflage mit noch mehr Prominenten-Fotos und Filmen ihrer so genannten Leser-Reporter zu steigern. Dazu hat der Springer-Verlag seine 1414-App für Bilder jetzt auf für Videos geöffnet und wirbt massiv für diesen neuen Dienst. „Mit der Integration der Video-Funktion wird die 1414-Community jetzt multimedial“, erklärt der Springer-Verlag die Öffnung für bewegte Bilder. Um das Angebot bekannt zu machen, sollen die drei besten Videos mit jeweils 1000 Euro belohnt werden.

Seit 2006 schon eine Millionen Fotos erhalten

Dank der 1414-Community ist die BILD-Zeitung ziemlich nahe dran an ihren Lesers. Die Leser-Reporter wurden 2006 ins Leben gerufen. Schon eine Million Fotos haben die Redaktion bereits erreicht, davon wurden mehr als 20.000 gedruckt. BILD zahlte dafür drei Millionen Euro Honorar an die Leser-Reporter.

Das Konzept der Leser-Reporter kehrt die Idee einer Tageszeitung im Prinzip um. Nicht die Redaktion der Zeitung bestimmt über den veröffentlichten Inhalt und damit über die relevanten Nachrichten des Tages. Der Leser übernimmt die Aufgabe des Korrespondenten vor Ort, der ein Bild vom spektakulären Unfall in der Innenstadt liefert oder ein unscharfes Foto eines Prominenten im Restaurant.

Jetzt wird das erfolgreiche Konzept auf Videos ausgeweitet. Der Trick: Die Redaktion beschafft sich so ausgesprochen günstig attraktive Inhalte. Mehr noch: Die Leser erhalten sogar Aufträge. Es geht da zum Beispiel um Missionen wie „mein Lieblings-Ausflugsziel“, aus aktuellem Anlass des europäischen Gesangswettbewerbs um „Mach uns die Wurst“, um „Kochen wie ein Mann“, „Feiern wie ein Mann“ oder um die Krachermission „Sauber machen wie ein Mann“.

Seit 1998 ist die Auflage um fast 45 Prozent gesunken

Erkennbar geht es allerdings darum, die Auflage wenigstens zu halten, besser zu erhöhen. Seit 1998 ist die verkaufte Auflage der Zeitung um sagenhafte 44,8 Prozent auf nur noch 2,3 Millionen gesunken. So etwas nagt am Selbstbewusstsein. Denn das seit dem 24. Juni 1952 im Axel-Springer-Verlag erscheinende Boulevardblatt war lange Jahre die auflagenstärkste Tageszeitung des Landes und verkaufte in den besten Jahren mehr als fünf Millionen Exemplare.

Deshalb haben die 1414-Leser-Reporter für Bild und Bild.de auch echte redaktionelle Relevanz. Community-Mitglieder können ihr Material jederzeit an die Springer-Redaktionen schicken. Sie werden sogar regelmäßig dazu aufgerufen. Durch die im Jahr 2013 gestarteten „Missionen“ generieren Bild und Bild.de immer häufiger Inhalt durch ihre eigenen Nutzer. Diese Nutzer liefern der Bild-Gruppe zum Beispiel skurrile Nachrichten aus dem Alltag oder gar Prominenten-News.

Prominente werden jetzt zittern: Abgeschossen per Videos

Die Springer-Idee, die Leser jetzt auch noch per Video Jagd auf Prominente machen zu lassen, dürfte bei diesen kaum Freude auslösen. Schon jetzt mussten sie sich vorsehen, beim Badeurlaub am Mittelmeer nicht im Supermarkt oder am Hotel-Pool abgelichtet zu werden. Spektakulär war der Treffer eines Lesers, der im ICE das Bild seines Lebens gelang. Er fand auf dem Boden sitzend Ende 2012 die beiden Fußball-Profis Mario Götze und Marco Reus, als sie im ICE von Berlin über Hannover zurück nach Dortmund fuhren. Der Zug war so überfüllt, dass die beiden Millionäre keinen Sitzplatz fanden.

Das Bild hat Reus und Götze nicht geschadet. Überall gelten sie seitdem als bodenständige Profis. Und gegen das Bild des Leser-Reporters hatten Sie auch nichts.

Anzeige
Von Detlef Stoller
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden