20.09.2013, 08:36 Uhr | 0 |

Style Performance Analytics Technology Auch Fashion wird zum Software-Engineering-Feld

Mode hatte in ihrem Entstehen in der Vergangenheit kaum Berührungspunkte zu moderner Technik. Design baute auf Intuition und Erfahrung auf – und lag dabei nicht selten schief. Um Fehleinschätzungen zu vermeiden versuchen nun einzelne Firmen auf IT-Basis das Fashion-Design zu revolutionieren. Das Ganze nennt sich „Style Performance Analytics (SPA) Technology“.

Dirndl-Mode der Designerin Pia Bolte
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Dirndl-Mode der Designerin Pia Bolte: Fashion-Trends sollen künftig mit Hilfe von Software-Engineering vorauszuberechnen sein. 

Foto: dpa/Felix Hörhager

Dieser zunächst etwas kompliziert anmutende neue englisch-sprachige Begriff umreißt das Ziel des Fashion-Engineering klar: Es geht darum, die Entwicklungstendenzen der Mode vorauszuberechnen, um Pannen mit dem eigenen Design, das sich dann nicht ausreichend verkaufen lässt, möglichst auszuschließen. Die Designer sollen auf diese Weise eine IT-Software erhalten, die ihnen hilft, das zu entwerfen, was sich voraussichtlich gut verkaufen lässt. Dabei konzentriert sich die Software jeweils auf die nächste Saison – zeigt bis auf weiteres also keine langfristigen Trends auf.

Daten-Grundlagen der Mode-Software

Zu jenen Unternehmen, die sich auf die Entwicklung dieser Mode-Software konzentrieren, gehört die ITC Infotech-Gruppe, die im indischen IT-Zentrum Bangalore beheimatet ist, aber in Europa zahlreiche Niederlassungen betreibt. ITC Infotech ist ein relativ großes Unternehmen, das technische Partnerschaften mit einer Vielzahl bekannter Namen – beispielsweise SAP, Oracle, Sun Microsystems – eingegangen ist. Die meisten anderen Firmen, die sich gegenwärtig auf die Mode-Software zu konzentrieren versuchen, sind deutlich kleiner als ITC Infotech.

Die sich derzeit entwickelnde Mode-Software setzt auf eine Fülle von Daten aus den verschiedensten Bereichen der Mode-Wirtschaft. Das beginnt mit Absatzzahlen und Produktinformationen der einzelnen Unternehmen wie der Branche im jeweiligen Markt und reicht bis zu Beurteilungen der Markt-Tendenzen, die beispielsweise auch nach unterschiedlichem Genre der Artikelgruppe wie auch der großen Handels- und Abnehmergruppen aufgeschlüsselt werden. Dabei gehen Daten über die Entwicklung in der Vergangenheit wie auch zum Marktgeschehen in der laufenden Saison in die Datensammlung ein.

Das wirklich Interessante an der Mode-Software ist allerdings nicht primär, was alles erfasst wird, sondern vielmehr der analytische Prozess, der aus der geschilderten extremen Datenfülle zu für den einzelnen Designer brauchbaren Informationen führen soll. Dabei lässt die Mode-Software allerdings ausdrücklich auch Raum für die Intuition des Designers, die keineswegs durch eine IT-Software ersetzt werden soll.

Externe und interne Einflüsse auf die Mode

Die Mode-Software versucht dabei sowohl so genannte interne wie externe Einflüsse auf das Fashion-Design zu berücksichtigen. Die externen Einflüsse reichen dabei bis zur eingeschlossenen Analyse großer Modeschau-Veranstaltungen, der Auswertung von Modezeitschriften, aber auch von Publikumszeitschriften, die sich nur am Rande mit Mode beschäftigen, sowie Meinungsäußerungen seitens der Branche wie auch des Handels und der Endabnehmer.

Die berücksichtigten internen Einflüsse betreffen vor allem die bisherigen Arbeiten – und Absatzergebnisse – der einzelnen Designer. Dabei werden in der Software bis zu drei Dutzend Länder als Märkte und Standorte der Designer in die Datensammlung und Analyse einbezogen.

Erste Kunden arbeiten schon mit der Mode-Software

Mode-Software ist zwar etwas Neues. Dennoch gibt es schon Unternehmen, die tatsächlich mit dieser Software arbeiten. Schwerpunkt scheinen dabei die Vereinigten Staaten zu sein. Gegenwärtig versuchen die Software-Anbieter auch in Europa Fuß zu fassen. Bemerkenswert ist, dass die ersten Nutzer der Software sie sowohl für Damen- wie Herrenbekleidung einsetzen und bemüht sind, auch die so genannten Accessoires in die Software-Nutzung einzubeziehen.

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Von Peter Odrich
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