14.10.2014, 08:34 Uhr | 0 |

Wrack vor Antikythera Archäologenteam taucht mit Hightech in die Antike am Meeresgrund

Ein griechisch-amerikanisches Archäologenteam ist in den vergangenen Tagen zu dem antiken Wrack vor Antikythera hinabgetaucht, das dort seit fast 2100 Jahren in 55 Metern Tiefe liegt. Um so weit unter Wasser arbeiten zu können, nutzten sie eine spezielle Tauchtechnik und den Exosuit: eine Art Unterseeboot zum Anziehen. 

Tauchanzug Exosuit
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Zum ersten Mal wurde der Tauchanzug Exosuit bei der Untersuchung des antiken Schiffes eingesetzt. Der Tauchanzug besteht aus einer robusten Aluminium-Legierung zum Anziehen, ist rund 240 Kilo schwer und bewegt sich durch Düsen. Durch den Tauchanzug können die Forscher deutlich länger am Meeresgrund arbeiten als mit einem normalen Tauchanzug.

Foto: Brett Seymour/Return to Antikythera 2014

Es ist das reinste Schlaraffenland für Archäologen: Vor der Küste der griechischen Insel Antikythera liegt das Wrack eines vor fast 2100 Jahren gesunkenen Schiffs, das Schmuck, Statuen, Vasen und andere wertvolle Dinge an Bord hat. Dass das Schiff dort liegt, ist seit mehr als 100 Jahren bekannt: Schon im Jahr 1900 hatten es Schwammtaucher zufällig entdeckt.

Jetzt zeigen aktuelle Aufnahmen vom Anker und anderen Einzelteilen, dass das Schiff um die 50 Meter lang und damit noch einmal deutlich größer als gedacht gewesen sein dürfte. Damit handelt es sich um das größte bekannte Wrack aus der Zeit: Noch mehr Raum für Fracht, möglicherweise noch mehr bislang ungeahnte Zeugnisse aus der Antike.

Größtes bekanntes Schiff aus der Antike

Doch wie es mit dem Schlaraffenland so ist: Der Weg dorthin ist schwierig. Das Schiff – oder vielmehr seine Einzelteile, die weiträumig verstreut liegen – befindet sich in 55 Metern Tiefe. Das ist eigentlich zu tief für normale Taucher ohne spezielle Technik. Das hatten auch die Schwammtaucher vor über hundert Jahren leidvoll feststellen müssen: Einer von ihnen bezahlte den spektakulären Fund mit dem Leben, zwei andere lähmte die Taucherkrankheit.

Dennoch gelangten im Laufe der Zeit einige Einzelteile an die Oberfläche, darunter auch eine rätselhafte Apparatur, der sogenannte Mechanismus von Antikythera. Forscher vermuten, dass es sich um eine astronomisch-kalendarische Rechenmaschine handelt. Sie besteht aus einer Reihe von Bronzescheiben, von denen aber sehr wahrscheinlich einige fehlen, so dass der Mechanismus bisher nicht entschlüsselt werden konnte.

Archäologen wollen Geheimnisse des Wracks ans Licht bringen

Nun will ein internationales Team von Forschern unter Leitung des amerikanischen Woods Hole Oceanographic Institution und der griechischen Behörde für Unterwasserantiquitäten die Geheimnisse des Wracks ans Licht bringen – zu verlockend ist die Aussicht, wichtige Erkenntnisse für die Archäologie zu gewinnen und aufschlussreiche Artefakte zu sammeln.

Vielleicht, so ist die Hoffnung, finden die Archäologen ja mehr über den Mechanismus von Antikythera heraus. Außerdem, das legen bereits geborgene, nicht zum Mechanismus passende Fundstücke nahe, gibt es ja vielleicht noch weitere, ähnliche Apparaturen dort unten auf dem Meeresboden.

Also haben sich die Archäologen in den vergangenen Tagen wieder hinab zum Wrack begeben. Bereits zuvor hatten sie mit Hilfe von Tauchrobotern eine 3D-Karte der Umgebung angefertigt, die bei der Auswertung der Funde und beim Finden überhaupt helfen sollte.

Unten angekommen, scannten sie den Boden unter anderem mit Metall-Ortungsgeräten. Einige Fundstücke brachten die Archäologen auch mit an die Oberfläche, darunter Geschirr, Schmuck und einen riesigen Bronzespeer. Zu schwer, um als Waffe zu taugen, war er wahrscheinlich Teil einer Statue. Wahrscheinlich, so vermuten die Forscher, hatte das Schiff eine Frau mitsamt ihrer Mitgift von Kleinasien zu ihrem zukünftigen Ehemann nach Rom bringen sollen.

Rebreather-Technologie für längere Unterwasser-Verweildauer

Um bis zum Meeresboden hinabzusteigen, nutzten die Taucher die sogenannte Rebreather-Technologie. Dabei wird die ausgeatmete Luft, die immer noch viel Sauerstoff enthält, nicht wie üblich ins Wasser abgegeben, sondern recycelt und mit einem Filter von Kohlendioxid gereinigt. Zusammen mit zusätzlichem Sauerstoff atmet sie der Taucher wieder ein und kommt so deutlich länger mit seinem Atemgas aus.

Wie viel Sauerstoff zugesetzt werden muss, hängt auch von der Tauchtiefe ab: Je tiefer der Mensch taucht, desto mehr wird benötigt, um Stickstoffansammlung im Gewebe zu vermeiden. Doch auch unter Zuhilfenahme der Rebreathing-Technik ist für die tauchenden Archäologen nach spätestens drei Stunden Schluss – immer noch sehr kurz für die Menge an Fundstücken, die dort augenscheinlich nur darauf warten, ihr langegehütetes Geheimnis preiszugeben.

Deshalb ist jetzt das erste Mal der Tauchanzug Exosuit zum Einsatz gekommen: eine Art Unterseeboot aus einer robusten Aluminium-Legierung zum Anziehen, rund 240 Kilo schwer, bewegt durch Düsen und mit allerhand Technik ausgestattet.

Theoretisch für Tauchgänge bis zu 300 Meter ausgelegt

Da Kabel und Schläuche für Energie und Sauerstoff bis zur Oberfläche führen und für einen Druck wie auf Meeresspiegelhöhe sorgen, lässt sich damit in bis zu 150 Metern Tiefe arbeiten, und das bis zu 50 Stunden lang. Ed O’Brien vom US-amerikanischen Meeresforschungsinstituts Woods Hole nutzte die Reichweite beim Jungferntauchgang, um einen Hang bis zu einer Tiefe von etwa 120 Metern nach weiteren Fundstücken absuchen zu können.

Für dieses Jahr ist die Tauchsaison zunächst beendet und der Vor-Ort-Einsatz, der vom 15. September bis zum 7. Oktober dauerte, erst einmal abgeschlossen. Im nächsten Jahr wollen die Forscher das Wrack aber weiter erkunden – dann kommt sicherlich auch wieder der Exosuit zum Einsatz. 

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Von Judith Bexten
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