17.02.2016, 14:54 Uhr | 0 |

Richterliche Anordnung Anschlag in San Bernardino: Apple soll iPhone für FBI knacken

Eine kalifornische Richterin hat den Technologiekonzern Apple dazu verdonnert, dem FBI zu helfen, das iPhone eines Attentäters zu entsperren. Apple-Chef Tim Cook wehrt sich gegen die Einführung einer Hintertür, um das Passwort zu knacken.

Polizisten in San Bernadino
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Bei einem Attentat am 2. Dezember 2015 im kalifornischen San Bernardino starben 14 Menschen, weitere 22 wurden verletzt. Dem FBI ist es bislang nicht gelungen, das iPhone eines Täters zu knacken. Jetzt ordnete ein Gericht an, Apple müsse helfen und eine Software liefern, die das Knacken ermöglicht. 

Foto: Doug Saunders /dpa

Die Vorgeschichte: Am 2. Dezember 2015 tötete der 28-jährige Syed Rizwan Farook gemeinsam mit seiner 27-jährigen Ehefrau Tashfeen Malik im kalifornischen San Bernardino 14 Menschen, weitere 22 wurden verletzt. Das Paar soll mit der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) sympathisiert haben. 

Beide Attentäter starben in einem Schusswechsel mit der Polizei. Seit diesem brutalen Terrorakt versuchen Mitarbeiter des FBI vergeblich, das iPhone von Syed Rizwan Farook zu knacken, um die darauf gespeicherten Daten auswerten zu können. Vergangene Woche erklärte FBI-Chef James Corney vor dem US-Senat, seine Behörde könne das Smartphone nicht entschlüsseln: „Es ist mittlerweile zwei Monate her, und wir arbeiten immer noch dran.“

Anordnung bezieht sich nur auf dieses eine iPhone

Gestern hat nun ein US-Gericht angeordnet, dass der iPhone-Hersteller Apple den Behörden „angemessene technische Unterstützung“ beim Knacken des Passwortes zum Entsperren des Telefons leisten muss. Es handelt sich vor allem um die Aufhebung der Sicherheitsfunktion, die alle auf dem Smartphone befindlichen Daten löscht, wenn zehn Mal ein falsches Passwort eingegeben wird. Die Anordnung bezieht sich laut der kalifornischen Richterin Shery Pym explizit auf das „iPhone 5C, Model: A1532, P/N: MGFG2LL/A, S/N: FFMNQ3MTG2DJ, IMEI: 358820052301412, on the Verizon Network“.

Löschfunktion deaktiveren für Bruce-Force-Angriff

Apple muss diese automatische Löschfunktion deaktivieren, unabhängig davon, ob Farook diese auf seinem iPhone eingestellt hat oder nicht. Da die Ermittler vom FBI nicht wissen, ob diese Löschfunktion aktiviert ist, haben sie bisher noch keinen Versuch gewagt, Passwörter einzugeben.

ILLUSTRATION - Ein iPhone wird am 17.02.2016 in Berlin entsperrt. Ein US-Gericht hat Apple um Unterstützung beim Entsperren eines iPhones der Attentäter von San Bernardino aufgefordert. Foto: Michael Kappeler/dpa (Zu dpa "Gericht: Apple soll bei Entsperren von iPhone nach Anschlag helfen" vom 17.02.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Ein US-Gericht hat Apple um Unterstützung beim Entsperren eines iPhones der Attentäter von San Bernardino aufgefordert. 

Foto: Michael Kappeler/dpa

Desweiteren soll Apple das FBI in die Lage versetzen, Passwörter digital, also nicht per Hand, auf dem Gerät einzugeben. So kann das FBI einen sogenannten Bruce-Force-Angriff starten. Dabei werden automatisch Millionen Passwort-Kombinationen durchprobiert.

Ein gutes Passwort kann zehn Jahre ungeknackt bleiben 

Fraglich ist dabei, ob die richterliche Anordnung den Beamten wirklich helfen kann, an die persönlichen Daten des Terroristen zu gelangen. Denn auf dem iPhone 5C ist nach Informationen der Washington Post das Betriebssystem iOS 9 installiert. Matthew Green, Professor für Kryptografie an der John Hopkins University, sagte gegenüber der Washington Post, ein sechsstelliger Zahlencode könne in 22 Stunden geknackt werden. Aber ein aus Groß- und Kleinbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen bestehendes starkes Passwort bleibe im Extremfall zehn Jahre ungeknackt. 

Apple wehrt sich gegen die Hintertür für das iPhone

Apple-Chef Tim Cook reagierte nur wenige Stunden nach Bekanntwerden des Gerichtsurteils mit einem deutlichen Statement: „Die Regierung will etwas von uns, das wir nicht besitzen und das wir als zu gefährlich erachten, um es zu erschaffen. Sie fordern uns dazu auf, eine Hintertür für das iPhone zur Verfügung zu stellen.“ Diese Hintertür ist ein Weg, mit dem Ermittlungsbehörden bei Vorlage einer richterlichen Anweisung, sämtliche Sicherungsfunktionen aushebeln können.

Cook warnt eindringlich vor Umschiffen der Sicherheitsvorkehrungen

„Das FBI will von uns, dass wir eine neue Version des iPhone-Betriebssystem entwickeln, die mehrere wichtige Sicherheitsvorkehrungen umschifft“, schreibt der Apple-Chef. Und diese Software – die aktuell nicht existiert – könne, wenn sie in den falschen Händen landet, jedes beliebige iPhone knacken. „Einmal vorhanden, könnte diese Technik wieder und wieder eingesetzt werden, auf einer beliebigen Anzahl von Geräten“, betont Tim Cook.

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Von Detlef Stoller
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