15.09.2013, 08:31 Uhr | 0 |

Ausstellungen der Zukunft 3D-Technologien für Berliner Museen

Staunend einen virtuellen Spaziergang durch eine riesige Modellstadt unternehmen, die Oberfläche eines Objektes über ein Display erfühlen: 3D-Technologien könnten Museumsbesuche zukünftig auf ein neues Erlebnis-Level bringen. 

Zitadelle
Á

In der Zitadelle Spandau entsteht eine 3D-Visualisierung der Großen Halle aus den NS-Planungen zur Hauptstadt Germania. Besucher sollen im virtuellen Spaziergang Laufwege und Blickwinkel selbst bestimmen können.

Foto: TU Berlin/3D-Labor

Museumsbesuche können einschläfernd oder spannend sein, je nachdem, wie das Museum den Besuchern historische Fakten und Ausstellungsgegenstände präsentiert. Aufregend wird es für jede Altersgruppe, wenn beispielsweise interaktive 3D-Projektionen zum Einsatz kommen. Solche Präsentationsformen und andere 3D-Anwendungen entwickelt derzeit das 3D-Labor der TU Berlin gemeinsam mit Berliner Museen.

Zu den Partnern des Projekts „3D-Technologien für Berliner Museen“ zählt das Stadtmuseum Berlin. Es besitzt mehrere Modelle, die das Stadtbild in verschiedenen Jahrhunderten zeigen. Allerdings alle in anderen Maßstäben und gebaut aus unterschiedlichen Materialien. Deswegen erstellen Wissenschaftler mit einem 3D-Scanner Abbilder, um digitale Modelle in einheitlicher Größe zu konstruieren. Diese ermöglichen dann interaktive 3D-Projektionen und sogar den Bau von Teilen des Modells in realer Größe. 

Zitadelle Spandau: Virtueller Spaziergang durch die Hauptstadt Germania

Eine 3D-Anwendung ist auch in der Zitadelle Spandau geplant. Hier soll die Hauptstadt Germania virtuell modelliert werden, nach den Bauplänen des NS-Regimes. Besucher sollen dann im Modell spazieren gehen und dabei Laufweg, Geschwindigkeit und Blickwinkel selbst bestimmen können. Durch diese Darstellungsform erhofft sich das Museum, eine realitätsnahe Vorstellung der gigantomanischen damaligen Planung zu ermöglichen.

Eine weitere Baustelle des Forschungsprojekts ist die Gipsformerei der Staatlichen Museen zu Berlin. Dort steht eine große Sammlung von Exponaten, deren Originale teilweise verschollen, beschädigt oder unvollständig sind. Das Problem: Viele dieser Abdrücke sind selbst schon 100 Jahre alt und haben in der langen Gebrauchszeit gelitten. Deswegen erzeugen die Forscher 3D-Scans der Objekte. Mit diesen kann ein 3D-Drucker jederzeit Kopien in beliebiger Anzahl erstellen. Er verschmilzt dafür Pulverschichten mit einem Laser, die sich zum gewünschten Objekt auftürmen.

Digitale haptische Werkzeuge: Blinde könnten 3D-Objekte über den Tastsinn wahrnehmen

Im Museum Neukölln wollen die Wissenschaftler Möglichkeiten erproben, Menschen mit Behinderungen den Zugang zu Museumsangeboten zu erleichtern. Unter anderem sollen dabei digitale haptische Werkzeuge zum Einsatz kommen, mit deren Hilfe Blinde Exponate, die in Vitrinen eingeschlossen bleiben müssen, über den Tastsinn wahrnehmen könnten. An vergleichbaren Technologien forschen Unternehmen schon seit Jahren. Unter anderem an Displays, die mittels elektrostatischer Felder dem Benutzer das Gefühl geben, beispielsweise die Textur eines Steines zu berühren. 

Mit einem Computertomographen des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung wollen die Wissenschaftler zudem ein CT eines Mammutunterkiefers erstellen, um daraus im 3D-Labor reale Modelle zu konstruieren, welche die Besucher dann mit den eigenen Händen erforschen dürfen.

Das Projekt „3D-Technologien für Berliner Museen« erhält während der dreijährigen Laufzeit Fördergelder in Höhe von 350 000 Euro aus den Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung unter der Projektbegleitung durch die Abteilung für Kulturelle Angelegenheiten der Senatskanzlei des Landes Berlin. 

Anzeige
Von Patrick Schroeder
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
Museum
3D
Berlin
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden