16.01.2015, 12:51 Uhr | 0 |

Ingenieure helfen der Welt 13 Hilfsprojekte in Afrika und Südamerika unterstützt

Die Idee ist so einfach: Den Lehm im Dorf Siaya in Kenia braucht man nur mit Sand verlängern, und schon eignet er sich ideal als Baumaterial. Der Architekt Heiko Wäsche will mit dem Lehm eine Schule und ein Waisenhaus in Siaya bauen – finanziert auch durch die Aktion „Ingenieure helfen der Welt“ der VDI nachrichten.

Waisenkinder in Siaya in Kenia
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Waisenkinder in Siaya in Kenia: Ingenieure wollen für die Kinder vier Wohnhäuser und eine Schule aus Lehm bauen. Unterstützt wird das Projekt durch die Spendenaktion "Ingenieure helfen der Welt" der VDI nachrichten.

Foto: Häuser für Waisenkinder e.V.

Für viele Hilfsprojekte war es das schönste Geschenk des Jahres: Die VDI nachrichten haben in den Wochen vor Weihnachten zum vierten Mal gemeinnützige Ingenieur-Projekte in Afrika, Süd- und Mittelamerika durch die Aktion „Sie spenden – wie verdoppeln!“ mitfinanziert. In nur 15 Tagen kamen so viele Privatspenden zusammen, dass der Fördertopf der Wochenzeitung schon eine gute Woche vor Weihnachten erschöpft war.

Plastikmüll-Recycling in Ghana, Licht und Wasser für Schulen in Malawi, Strom aus Wasserkraft in Kamerun: Die Projekte, die zu Weihnachten 2014 auf der Spendenliste der VDI nachrichten standen, waren ausgesprochen verschieden. Doch sie einte, dass Ingenieure in Deutschland mit guten, einfachen Ideen die Lebensbedingungen in armen Regionen verbessern wollen.

„13 einzelne Projekte konnten durch die Aktion, Sie spenden – wie verdoppeln!’ unterstützt werden“, freut sich Ulrike Gläsle, Marketingleiterin des VDI Verlags, als sie in Düsseldorf Bilanz zieht. Zum vierten Mal hatte die Wochenzeitung 15.000 Euro zur Verfügung gestellt, um Privatspenden zu verdoppeln. „Schon nach 15 Tagen waren so viele Privatspenden eingegangen, dass unser Budget aufgebraucht war. Ein tolles Weihnachtsgeschenk“, so Gläsle. Insgesamt 30.000 Euro wurden so an die 13 Projekte überwiesen.

Viele Projekte drehen sich um die Erzeugung von Strom, eine sichere Trinkwasserversorgung und die Verbesserung der Hygiene beispielsweise durch den Bau von Trenntoiletten und Zisternen. Dabei sind alle von deutschen Ingenieuren ausgetüftelten Lösungen jeweils angepasst an die Fähigkeiten der Dorfbewohner. „Wir unterstützen keine Hightech-Anlagen in Afrika oder Südamerika, sondern einfache Lösungen, die die Menschen auch selbst betreuen und reparieren können“, so Gläsle.

Kleine Spenden bewirken Großes

„Oft benötigen die Projektträger nur vergleichsweise geringe Mittel, um vor Ort entscheidende Fortschritte zu erzielen“, schildert Simone Schmidt, Koordinatorin der Aktion „Ingenieure helfen der Welt“ bei den VDI nachrichten. Wie wenig das ist, zeigt der geplante Bau einer Schule und von kleinen Wohnhäusern für Waisenkinder in Kenia, die der Architekt Heiko Wäsche aus Hennef bei Bonn plant.

„Wir sind begeistert von der Spendenaktion der VDI nachrichten und dass unser Verein so gut abgeschnitten hat“, freut sich Architekt Wäsche, Vorsitzender des Vereins „Häuser für Waisenkinder“. 1940 Euro gehen auf das Konto des Vereins.

Und wer glaubt, 1940 Euro seien nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, der täuscht sich. Denn mit kleinen Summen lassen sich in Kenia große Träume verwirklichen. So kostet der Kauf des Baurundstückes nur 2500 Euro, für den Arbeitslohn der in Lehmbauweise zu bauenden Häuser genügen ebenfalls 2500 Euro. Mit dem Bau soll im Frühjahr begonnen werden. Dann wird Wäsche ehrenamtlich für mehrere Monate nach Kenia gehen, um die Bauleitung zu übernehmen. „Wir rechnen mit zwei Jahren Bauzeit für die Schule mit acht Klassenräumen und vier Wohnhäusern für 32 Kinder.“

Lehm ist heimischer Baustoff in Kenia

Doch das Projekt hilft nicht nur den Kindern. Zugleich wird Haupt kenianische Arbeiter in Lehmbauweise ausbilden. Lehm ist zwar ein heimischer Baustoff, doch der Lehm ist so fett, dass er beim Trocknen reißt. „Deshalb wird auch in Kenia lieber mit Zement gearbeitet, der aber sehr teuer ist“, so Haupt im Gespräch mit Ingenieur.de. Haupt hat sich damit beschäftigt, wie man mit Lehm bauen kann, ohne dass er reißt. Die Lösung: Der Lehm wird mit Sand in einem bestimmten Verhältnis gemischt. Dadurch reduzieren sich die Spannungen im Lehm, der über die Sandkörner ausgeglichen wird.

Beim Bau der Häuser werden die Wandverschalungen mit dem Lehm gefüllt, der dann verdichtet wird und langsam trocknen kann. Die Dächer werden aus dem vor Ort günstig zur Verfügung stehenden Wellblech herstellt. Um aber die übliche Aufheizung der Häuser zu verringern, werden die Häuser nicht wie üblich einfach mit Wellblech abgedeckt. „Die Häuser erhalten ein Pultdach, um eine Luftzirkulation zu erzeugen“, so Haupt. Dadurch wird die Hitze abgeführt. Zudem erhalten alle Räume eine Decke aus Lehm, die zusätzlich das Eindringen der Hitze vermindert.

Kleine Wasserkraftwerke für Äthiopien

Mit einfachen Lösungen arbeiten auch die Regionalgruppen in Augsburg und Jena von „Ingenieure ohne Grenzen“. Das Dorf Butajira im Landkreis Meskan in Zentraläthiopien, 150 km südlich der Hauptstadt Addis Abeba, ist fernab jeder Stromversorgung. Das bedeutet: Strom muss teuer durch Generatoren hergestellt werden – oder er fehlt. Gekocht wird auf Feuerstellen auf Holz. Das Suchen nach Brennholz kostet viel Zeit, die etwa für den Anbau eigenen Gemüses fehlt.

Deshalb wollen die Ingenieure aus Augsburg und Jena Solaranlagen aufbauen, um die Schule und die Krankenstation mit Strom zu versorgen und das Kochen mit Strom zu ermöglichen. Im März werden drei Ingenieure nach Butajira reisen, um die konkreten Lösungen vor Ort planen zu können.

Um eine sichere und umweltfreundliche Stromversorgung geht es auch Ingenieuren der Regionalgruppe Regensburg von „Ingenieure ohne Grenzen“. Sie wollen kleine Wasserkraftwerke bauen, um damit die Stromerzeugung aus teuren Benzin- oder Dieselgenerationen zu ersetzen. Die Studenten der OTH Regensburg haben dafür eine Mikro-Wasserturbine entwickelt, die einen Haushalt mit 250 Watt elektrischer Leistung versorgt.

Das Kleinstwasserkraftwerk ist gut für kleinere Flüsse und Bäche geeignet und unkompliziert zu installieren. Es produziert Tag und Nacht zuverlässig Strom. Notwendig ist nur ein Gefälle von zwei Metern. Es ist so konzipiert, dass es von lokalen Fachkräften mit vor Ort vorhandener Technik produziert werden kann. Jede Anlage kostet rund 100 Euro. 2500 Euro an Spenden kamen vor Weihnachten zusammen. Eine Menge Geld für die kleinen Kraftwerke.

Mit dem Abschluss der Verdoppelungsaktion ist die Spendenaktion allerdings nicht zu Ende. Das ganze Jahr über fördern und berichten die VDI nachrichten über die Projekte, die sich im Rahmen der VDI nachrichten-Aktion „Ingenieure helfen der Welt“ präsentieren und um Spenden bitten. Die einzelnen Projekte finden Sie unter www.vdi-nachrichten.com/spendenaktion.

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Von Axel Mörer-Funk
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