04.03.2014, 17:32 Uhr | 0 |

Fußball-WM 2014 100 Tage vor dem WM-Start in Brasilien sind viele Stadien nicht fertig

Es wird eng bei den Vorbereitungen für die Fußball-Weltmeisterschaft, die in genau 100 Tagen am 12. Juni mit dem Gruppenspiel des Gastgeberlandes Brasilien gegen Kroatien angepfiffen wird. Erst drei der zwölf Stadien sind definitiv fertiggestellt. Das Stadion Baixada in Curitiba konnte nur durch eine massive Aufstockung des Arbeitspersonals als Spielstätte gerettet werden.

Das Fußball-Stadion in Curitiba
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Luftaufnahme der Arena da Baixada in Curitiba/Brasilien Mitte Dezember: Der Stadionbau ist weit in Verzug und soll erst kurz vor Beginn der Fußball-WM fertig werden. 

Foto: dpa

Die fußballbegeisterte Welt fiebert dem 12. Juni 2014 entgegen. An diesem besonderen Donnerstag wird in der Corinthians Arena in São Paulo um 17 Uhr die Fußball-Weltmeisterschaft mit dem Eröffnungsspiel zwischen Gastgeber Brasilien und Kroatien angepfiffen. Am heutigen Dienstag feiert ganz Brasilien an den 12 Standorten der WM mit gelb-grünem Lichtspielen an den Stadien und an Wahrzeichen den Countdown der in 100 Tagen beginnenden Spiele. Doch bei einigen der Stadien kann einem angst und bange werden, so unfertig sehen diese gigantischen Baustellen noch aus.

Nur die Stadien in Rio, Natal und Porto Alegre sind fertig

Erst drei der zwölf Stadien sind komplett fertiggestellt. Das sind die Stadien in Rio de Janeiro, in Natal und in Porto Alegre. An neun Stadien wird noch gebaut. Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke kann inzwischen seine Verärgerung kaum noch verbergen. „Es ist eine Herausforderung. Wir müssen Lösungen finden“, betont der Manager.

Begeisterung klingt anders. Eigentlich sollte mit den letzten Sylvesterböllern am 31. Dezember auch die letzte Sitzschale in allen 12 Stadien montiert sein. Doch in der Arena Pantanal von Cuiabá sind die Arbeiter immer noch eifrig dabei, für die 42.968 Zuschauer die Sitze anzuschrauben. In knapp einem Monat, am 2. April, soll dort inmitten der artenreichen Flora und Fauna des Feuchtgebietes Pantanal der Stadtklub Mixto den berühmten FC Santos zum Pokalduell empfangen.

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Das eingestürzte Dach des Stadions «Arena Corinthians» am 16.12.2013 in Sao Paulo: Ein Kran ließ die Dachkonstruktion zum Teil einstürzen und tötete zwei Arbeiter. Die Arena soll frühestens im April fertig werden. Anstoß zum Eröffnungsspiel in Sao Paulo ist am 12. Juni.

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Allmählich wird es eng im Vorlauf der Weltmeisterschaft. Vier Gruppenspiele werden in der als Mehrzweckanlage konzipierten Arena ausgetragen. Das Stadion verfügt über ein geschlossenes Dach und kann im Anschluss an die WM für Konzerte, Ausstellungen und Messen genutzt werden.

Die Bauarbeiten an der Corinthians Arena in São Paulo sind seit dem November 2013 aus dem Zeitplan geraten. Damals stürzte ein Kran um und zerstörte Teile des Dachs. Zwei Bauarbeiter kamen bei dem Unfall ums Leben. Auch in der Arena des Eröffnungsspiels werden noch die Sitzschalen eingebaut. Fifa-Generalsekretär Valcke gab am Samstag bekannt, dass die Bauarbeiten „nicht vor dem 15. Mai“ beendet sein werden. Der Baukonzern Odebrecht dementierte die Verschiebung postwendend und verkündet, rechtzeitig zum 15. April fertig zu sein. Wie auch immer: Es ist offenbar noch einiges zu tun an der Corinthians Arena in São Paulo, die 65.807 Zuschauern Platz bietet. Vier Gruppenspiele, ein Achtelfinale und ein Halbfinale werden in dem Hexenkessel ausgetragen.

Fußball-Steinzeit: In Belo Horizonte mit Besen gegen Regen

Selbst bei Stadien, die eigentlich als fertiggestellt gelten, klemmt es derzeit bedenklich bei den Vorbereitungen. So lösten sich am Wochenende im Mineirão-Stadion in Belo Horizonte Metallteile vom Dach, die durch die Luft segelten und auf den Rasen knallten. Eine unschöne Vorstellung, wenn so etwas währen eines der vier Gruppenspiele, einem Achtelfinale oder einem Halbfinale geschieht. Es könnte für die 62.547 Zuschauer also spannend werden, wenn zum Beispiel Argentinien gegen Iran am 21. Juni zur Sommersonnenwende um den Einzug in das Achtelfinale kämpft.

Das Stadion im Viertel Pampulha ist schon ein echter Oldtimer. Es wurde am 5. Dezember 1965 eingeweiht und gilt als einer der richtig großen Fußballtempel Brasiliens. Es beheimatet die mehrfachen Landesmeister Atlético Mineiro und Cruzeiro Belo Horizonte und gehört dem Bundesstaat Minas Gerais. Offizieller Name der Spielstätte ist Estádio Governador Magalhães Pinto.

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Auch das Fußballstadion in Manaus, die Arena da Amazonia, ist weit hinter den Planungen zurück. Das Bild zeigt den Bauzustand am 10. Dezember 2013.

Foto: dpa

Die Fifa gibt bei diesem Stadionumbau damit an, dass die Nachhaltigkeit im Vordergrund steht. So soll zum Beispiel das Regenwasser genutzt werden: Bis zu 6.270.000 Liter können aufgefangen und gespeichert werden. Beim Unwetter am vergangenen Wochenende zeigte sich dieses Drainage-System jedoch schon einmal komplett überfordert. Auf dem Spielfeld bildeten sich riesige Pfützen, die von Mitarbeitern des Stadions weggefegt werden mussten: Besen statt Hightech also.

Curitiba flog beinahe von der Liste der WM-Stadien

Es hat den Anschein, als laufe die Vorbereitung auf die WM in Brasilien alles andere als rund. Schon im Januar löste Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke eine Art Großalarm aus und zeigte sich bei den Bauverzögerungen am Stadionbau in Curitiba mehr als erschrocken: „Wir können keine Spiele ohne Stadion organisieren. Die Situation hat einen kritischen Punkt erreicht. Die Sache ist delikat. Um ehrlich zu sein, ist die aktuelle Situation nicht gerade ideal. Der Stadionbau ist stark in Verzug und definitiv außerhalb der vereinbarten Frist für die Nutzung durch die Fifa sowie im Rahmen der Weltmeisterschaft.“

Dabei war es eben nur ein Stadionumbau. Denn das Stadion als Spielsstätte von Atlético Paranaense ist bereits 100 Jahre alt. Nur die Sicherung der weiteren Finanzierung und die Aufstockung des Arbeitspersonals von 980 auf 1500 rettete der altehrwürdigen Arena da Baixada die WM-Teilnahme. Jetzt gilt es, in einem Endspurt bis zur jetzt verlängerten Frist am 15. Mai die Arena für 40.000 Fußballfans fertigzustellen.

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Von Detlef Stoller
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